AUSGABE: Oktober - Dezember 2019

Räume richtig gestalten

Von Jinny Throup
Die Kunst der Raumgestaltung, die mehr Komfort und Schönheit ins Leben bringt, hat eine jahrhundertelange Geschichte. Im Laufe der Zeit haben sich Stile und Geschmack häufig verändert, doch der größte Wandel fand in den vergangenen 50 Jahren statt. Heute hat sich die Innenraumgestaltung zu einem facettenreichen Service mit umfangreichen Aufgaben entwickelt. Ibicasa hat mit der Designerin Susanne Schmidt gesprochen, um mehr zu erfahren über die Entwicklungen in der Wohnungs- und Bürogestaltung.

Eine gute Definition des modernen Innendesigns könnte folgendermaßen lauten: Es ist die Kunst und Wissenschaft, die Bedürfnisse, Vorlieben und Gewohnheiten des Menschen zu verstehen, um eine höchst ästhetische, gefällige, lebensverbessernde und funktionale Umgebung zu kreieren, in der es sich gut leben, arbeiten und spielen lässt. Kurzum: Die „weiße Leinwand” eines Gebäudes erhält eine Atmosphäre, die die Persönlichkeit und den Geschmack seiner Bewohner reflektiert.



Dies umzusetzen, bedeutet mehr, als nur geschickt hübsche Dinge aufzustellen. Es geht darum, die Gefühle zu verstehen, die Menschen an diesem Platz empfinden werden. Und man muss wissen, wie man die positiven Aspekte verstärkt. Man könnte sagen, dass Designer die Architekten des Gebäudeinneren sind. Dafür muss der Designer in dieser sich stetig verändernden Branche eine umfassende Arbeitserfahrung in der dreidimensionalen Planung, dem Arrangement, der Auswahl der Materialien und Farbkombinationen haben. Er muss bestens informiert sein über die neuesten Trends aller Elemente, um Räume erschaffen zu können, die anmutig, funktional und zeitlos sind.

„Der Designer plant und handhabt alle Aspekte”

Die Arbeit des Innenraumgestalters besteht darin, die Kunden in allen Bereichen des Projekts zu beraten sowie die Planung, Koordination und Leitung durchzuführen. Angefangen bei größeren Entscheidungen über die Auswahl des Bodenbelags bis hin zur Kerze oder Türklinke. Der Designer geht dabei Schritt für Schritt vor. Zuerst findet das wichtige Treffen mit den Kunden statt, in dem darüber entschieden wird, in welche Richtung das Projekt gehen soll. Ein guter Designer kann sich in seine Kunden hineinversetzen und entsprechende Ideen präsentieren, die für ihn passen. Ein anderer wichtiger Faktor ist, das Potential der Gebäudestruktur zu analysieren. Durch die Fusion dieser beiden Elemente – die persönliche und strukturelle – erkennt der Designer, welche Pläne vonnöten sind, um einen Lebensraum zu kreieren, der funktional, schön und einzigartig ist.  



Ein professioneller Designer verfügt über die Phantasie, sich diese Traumplätze vorstellen zu können. Und er hat das praktische Wissen, um diese Träume Realität werden zu lassen. Die meisten Kunden dagegen haben diese Erfahrung nicht und es fällt ihnen schwer, sich das Endergebnis vorzustellen. Es ist der Job des Designers, diese Vision für den Kunden zum Leben zu erwecken. Moderne Technologien können dabei helfen, dies zu erreichen. Es gibt Computer-Softwareprogramme, die ein virtuelles Bild des Designentwurfs erstellen. Gemeinsam mit dem „Mood Board“ entsteht eine digitale Collage, mit der ein reales, virtuelles Bild der verschiedenen, miteinander kombinierten Farben und Stoffe entworfen wird. Dadurch kann sich der Kunde ein klares Bild von den unterschiedlichen Optionen machen, und man vermeidet Missverständnisse, die entstehen könnten, wenn der Entwurf nur in Worten beschrieben wird.

„Technologie hilft dem Kunden das Design zu visualisieren”

Bei der Planung beginnt man meistens mit dem Bodenbelag, denn dieser hat, je nachdem ob er hell oder dunkel ist, einen Einfluss auf das gesamte Design. Man kann beispielsweise nicht die Farbe und die Materialien des Sofas bestimmen, wenn noch nicht klar ist, wie der Boden aussehen soll. Sobald der Bodenbelag ausgewählt ist, geht es mit den Wänden weiter, danach wird über die wichtigsten Einrichtungsgegenstände entschieden. Der endgültige Entwurf umfasst alles – vom Fußboden bis zur Decke, und manchmal sogar die Möblierung des Außenbereichs. Kissen, Teppiche, Vorhänge und Lichtquellen sind ebenfalls inbegriffen. Das sind die wesentlichen Elemente eines vollständigen Entwurfs, aber letztendlich gibt es keine Grenzen. Einige der Raumtextilien werden von den Designern selbst hergestellt, aber in den meisten Fällen werden sie von vertrauenswürdigen Firmen bezogen.

Ein gutes Design sorgt dafür, dass in den Räumen ein einzigartiges Gefühl entsteht, das die Persönlichkeit und den Lebensstil der Bewohner widerspiegelt. Obendrein unterstützt es Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden. Die Aufgabe eines Innenraumgestalters könnte vielleicht am besten in den Worten des gefeierten nordamerikanischen Designers und Buchautors Nate Berkus ausgedrückt werden: „Ihr Zuhause sollte erzählen, wer Sie sind… und aus einer Ansammlung von Dingen bestehen, die Sie lieben.”