AUSGABE: April - Juni 2019

Wissenschaft und Spiritualität

Von Jerry Brownstein
Die schnelle Entwicklung der Technologien und der einfache Zugriff auf Massen von Informationen haben unser Leben drastisch verändert. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte man Dinge, die uns heute als ganz normal erscheinen – wie Smartphones, GPS, Google etc. – als unmögliche Wunder betrachtet. Und unsere Welt verändert sich auch weiterhin rasant, dies erfordert neue Denk- und Lebensweisen, die mit unserem schnelllebigen, modernen Alltag im Einklang sind. Aber wo finden wir entsprechende Anregungen in diesen verwirrenden Zeiten? Traditionell haben sich die Menschen auf ihre Religion verlassen, aber die konventionellen Glaubenskonzepte haben keine Antworten auf unsere aktuellen Fragen. Unsere Gesellschaft konnte sich bei der Suche nach Klarheit lange nur auf die Wissenschaft verlassen, aber diese beschäftigt sich nur mit der physikalischen, der materiellen Welt – und unser Leben ist viel mehr als das, es geht viel tiefer. Womöglich kann uns eine Mischung aus Wissenschaft und Spiritualität zu einem umfassenderen Verständnis des Lebens verhelfen. Aber wie können diese beiden miteinander konkurrierenden Sichtweisen vereint werden?

Die wissenschaftliche Sicht der Welt war nicht immer von der spirituellen getrennt. Ursprünglich waren sie die zwei Seiten einer Münze. Die wissenschaftlichen Wurzeln unserer westlichen Zivilisation basieren auf der goldenen griechischen Epoche und auf Philosophen wie Aristoteles, die bei der Beobachtung der Natur erste einfache Experimente durchführten. Jahrhunderte später wurden viele der alten griechischen Lehren in das Glaubenskonzept der christlichen Kirche übernommen. 1543 forderte Kopernikus diese Glaubensdogmen mit seiner revolutionären These, dass sich die Erde um die Sonne drehe, heraus. Diese mag für uns heute ganz offensichtlich sein, aber damals handelte es sich um eine radikale Behauptung. Schließlich war man bis dahin davon ausgegangen, dass unser Planet das Zentrum des Universums sei. Kopernikus war sich der Gefahr seiner Entdeckung bewusst und er hatte Angst, sich gegen die Machtstrukturen der Kirche aufzulehnen, deshalb veröffentlichte er seine Erkenntnisse erst kurz vor seinem Tod. Noch hundert Jahre später wurden Menschen wie Galileo aufgrund dieser ketzerischen Sichtweise verfolgt.


Diese wissenschaftlichen Pioniere erkannten, dass die veraltete Weltanschauung durch nachweisbare Wahrheiten ersetzt werden musste. Sie suchten nach einem Weg, um Wahrheit vom bloßen Glauben zu unterscheiden, und so wurde die wissenschaftliche Methodik geboren. Diese beinhaltete Experimente, um die Theorien über die Natur der Dinge durch Beobachtungen und Messungen belegen oder widerlegen zu können. Anfang des 18. Jahrhunderts verfeinerte Sir Isaac Newton diese Philosophie des wissenschaftlichen Materialismus, seine Paradigmen-Theorie wurde zum Grundstein der konventionellen Wissenschaft. Grundsätzlich beruht sie darauf, dass die physikalische Materie die einzige wahre Realität ist, und dass unser Universum nur durch das Wissen über ihre physikalischen Teilchen verstanden werden kann. Dies ist das Gegenteil der Spiritualität, die auf der Annahme beruht, dass es unsichtbare Kräfte außerhalb der materiellen Welt gibt, welche die Macht haben, unsere Realität zu formen.

Eine Seite behauptete, dass nur die Materie zählt, die andere Seite glaubte daran, dass es eine höhere Existenzstufe gibt, jenseits der Wahrnehmung unserer fünf Sinne. Damit diese beiden völlig konträren Weltanschauungen nebeneinander existieren konnten, schlossen die ersten Wissenschaftler mit der Kirche eine Art Stillschweigeabkommen ab. Der Religion wurde die Macht über alle spirituellen und nicht-materiellen Angelegenheiten eingeräumt, während die Wissenschaft die physikalische Welt regierte. Diese Trennung vertiefte sich im Laufe der Jahrhunderte weiter, was dazu führte, dass sowohl die Religionen als auch die Wissenschaft eine eingeschränkte Perspektive auf die Welt haben. Und aufgrund dessen kann keine Seite uns ein umfassendes Bild liefern, wenn es um die Frage geht, wie wir unser Leben am besten führen sollten. Glücklicherweise gibt es eine Wissenschaftssparte, die beide Standpunkte miteinander verbinden kann.


Die Quantenphysik schlägt eine Brücke zwischen der Materie und der spirituellen Welt, denn sie stellt unter Beweis, dass alles in unserem Universum aus Energie und Information besteht. Kurzum: Alle Dinge sind in ihrem Wesen nicht-materiell. Obendrein existiert diese nicht-materielle Energie in einem Feld, sie ist eine unsichtbare Kraft, die unsere physikalische Welt formt und beeinflusst. Dies hört sich ein wenig nach der Essenz der Spiritualität an, obwohl es eine zutiefst wissenschaftliche Sicht ist. Die fortschrittlichste Form der Wissenschaft geht davon aus, dass wir in einem Bewusstseinsfeld existieren, das uns mit allem im Universum verbindet. Dies entspricht dem „Einssein“, von dem spirituelle Mystiker und Weise im Laufe unserer Geschichte immer wieder sprachen.

Diese Mischung aus Quantenphysik und entwickelter Spiritualität kann in Zeiten des großen Wandels die Führung sein, die wir suchen. Sie befreit uns von traditionellen Ideen über das Funktionieren unserer Welt und der Rolle, die wir in ihr spielen sollten. Wir müssen diese überholte wissenschaftliche Sichtweise, die uns weismachen will, wir seien bloße physikalische Objekte in einem ausschließlich materiellen Universum, nicht mehr akzeptieren. Genauso wenig müssen wir an einem überholten Spiritualismus festhalten, der uns uralten Dogmen unterwirft. Diese neue Freiheit gibt uns die Kraft, uns als Co-Schöpfer zu sehen. Unsere Wahrnehmung wird für neue Wege des Denkens und Seins geöffnet, was uns eine klare und positive Richtung in dieser Zeit des Wandels ermöglicht.


Überall um uns herum ist die Entwicklung dieses neuen Bewusstseins zu spüren. Denn Menschen erkennen zunehmend, dass es eine Verbindung gibt zwischen ihnen und etwas, das größer ist als sie selbst. Alternative Heilmethoden werden von Millionen akzeptiert und auch praktiziert, Bücher über spirituelles Wachstum sind Bestseller und tausende von Leuten kommen zusammen, um auf den Straßen unserer großen Städte gemeinsam zu meditieren. Auch auf Ibiza gibt es Events und Festivals, die uns motivieren, uns in diese positive Richtung zu entwickeln. Der nächste Termin ist das IBIZA SPIRIT FESTIVAL am Sonntag, 28. April. Das schöne Landhotel Atzaró wird Schauplatz dieses speziellen Tages sein, an dem Tanz, Tantra, Yoga, Meditationen, alternative Therapien und inspirierende Workshops & Vorträge im Fokus stehen werden. Außerdem wird es einen magischen Garten für Kinder aller Altersstufen geben. Die heilenden Klänge seelenvoller Musik werden den ganzen Tag zu hören sein und abends in einer ekstatischen Dance-Party münden. Das Ibiza Spirit Festival ist ein Fest, das zeigt, wie wir Wellen positiver Energie kreieren können, die uns den Weg in eine schönere Welt ebnen. •

Weitere interessante Themen