AUSGABE: Februar - April 2019

Klangheilung

Von Jinny Throup
Durch einige der ältesten Traditionen, die bis in die heutige Zeit überliefert wurden, wissen wir, dass Klänge in vielen Kulturen jahrtausendelang als Heilmethode genutzt wurden. Die lange und reiche Geschichte der Klangtherapie reicht von schamanischen Liedern des Amazona-Stamms Icaro über die Mantras der ursprünglichen Hindus bis hin zu den Vokalklanggesängen der alten Ägypter. Die Klangtherapie hat in unserer modernen Zeit schnell an Popularität gewonnen, selbst die moderne Wissenschaft hat sich damit beschäftigt und zahlreiche Studien über die Kraft der Klangwellen durchgeführt. Genetiker konnten den musikalischen DNA-Ausdruck entschlüsseln und die NASA den Klang der Planeten und sogar der schwarzen Löcher. Obendrein war die Europäische Raumfahrtagentur Rosetta in der Lage, den Klang eines Kometen einzufangen. Tatsächlich leben wir zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos in einem Meer aus Klängen. Deshalb überrascht es nicht, dass unser Körper auf die Klangtherapie anspricht. Aber wie genau funktioniert die Klangheilung und woraus besteht sie eigentlich?

Zuerst muss man bedenken, dass Klänge im Wasser viermal so schnell reisen wie in der Luft. Und da der menschliche Körper zu 70 Prozent aus Wasser besteht, kann er den Klang exzellent leiten, wodurch dieser eine kraftvolle Wirkung entfaltet. Klang und Vibrationen haben einen direkten Einfluss auf unsere Muskeln, Knochen, das Nerven- und Verdauungssystem, die Atmung, den Kreislauf und sogar die geistigen Prozesse. Jedes Organ, jeder Knochen und jede Zelle im Körper haben eine eigene Resonanzfrequenz. Zusammen ergeben sie den persönlichen Klangrhythmus – ein wenig wie ein Instrument in einem Orchester. Ist ein Teil des Körpers aus dem Gleichgewicht, wird dies auch den Rest des Körpers beeinflussen. Genauso wie ein disharmonisches Instrument eine ganze Symphonie ruinieren kann. Bei der Klangheilung wird das Körper/Geist „Orchester“ in Einklang gebracht, mit dem Ziel, Harmonie und Gesundheit wieder herzustellen. Kurzum: Sie hilft dabei, den Körper wieder in seine eigene, angeborene dynamische Balance zu bringen.


Klänge heilen, weil sie die körperliche und emotionale Resonanz verbinden. Viele körperliche Beschwerden werden durch emotionale Unausgeglichenheit ausgelöst. Wird der emotionale Körper geheilt, verschwinden die körperlichen Symptome oft. Zudem werden bei der Klangheilung tatsächlich die Gehirnwellen verlangsamt. Denn je nach Bewusstheit und Aufmerksamkeit sendet unser Gehirn ständig unterschiedliche Schwingungen aus. Einen Großteil der Zeit befinden wir uns im Zustand der Beta-Wellen, die unser bewusstes und logisches Denken reflektieren. Die richtige Menge an Beta-Wellen erlaubt uns die Fokussierung auf unsere Aufgaben, gibt es aber zu viele davon, kann dies zu Stress und Angstzuständen führen. In unserer modernen Gesellschaft ist dies weit verbreitet, aber Musik kann dem Gehirn dabei helfen, einen friedvolleren und ruhigeren Zustand zu erlangen, in dem Alpha-Wellen gesendet werden. Auf dieser Frequenz werden Geist und Körper empfänglicher für die Heilung.

Eine Klangheilungserfahrung ist passiv und beteiligungsorientiert zugleich. Passiv ist sie, weil man liegt, während man die Klänge hört. Die Atmung ist langsam und natürlich. Beteiligungsorientiert ist sie, weil man durch jeden Klang, den man hört, offener und aufnahmefähiger wird. Die Klänge werden auf unterschiedliche Weise vom Therapeuten eingesetzt: Durch Stimme, Gongs, Kristallschalen, Stimmgabeln oder andere Percussion-Instrumente. So badet der Empfänger in einem Meer aus heilenden Schwingungen. Einer der kraftvollsten Effekte der Klangheilung ist der Stressabbau. Stress ist oft die Ursache körperlicher Beschwerden, und Klangheilung hat sich als höchst wirksam bei der Stressbewältigung erwiesen. Aber sie kann auch Angstzustände, Schlafstörungen, Depressionen oder posttraumatische Belastungen und Schmerzen lindern.


Klangtherapien, die von erfahrenen und qualifizierten Therapeuten durchgeführt werden, sind absolut sicher und unaufdringlich. Sie taugen für Personen jeden Alters. Selbst für taube oder schwerhörige Menschen, da diese den Klang zwar nicht hören können, aber dennoch die Vibrationen spüren. Zudem haben Studien gezeigt, dass Klangtherapien dabei helfen können, aggressives und antisoziales Verhalten von Kindern positiv zu beeinflussen. Körper, Geist und Seele drängen uns auf natürliche Weise zur Balance und Harmonie, aber durch die vielen Ablenkungen und den dissonanten Lärm in unserem Leben ist es oft schwierig, diesen Zustand zu erreichen. Klangtherapien helfen uns dabei, den inneren Frieden zu finden, nach dem wir uns alle sehnen. •