AUSGABE: Dezember 2018 - Februar 2019

Lärmbeschränkungen bei Live-Musik korrigieren

Von María Vila Rebolo
In den vergangenen zwei Jahren hat die Gemeindeverwaltung von Sant Josep diverse Maßnahmen ergriffen, um den Lärmpegel von Musik zu kontrollieren. Aufgrund zahlreicher Anwohnerbeschwerden wurden eine Verordnung erlassen und Schritte eingeleitet, um die Lautstärke in der unmittelbaren Umgebung von Bars und Restaurants zu regulieren. Alle Lokale, die über Musikanlagen verfügen, mussten Rauschbegrenzer mit maximal 65 Dezibel (dB) installieren. Zudem greift die Ortspolizei ein, sollte ein Lokal nicht über einen funktionsfähigen Rauschbegrenzer verfügen oder diese Lärmbeschränkung vor 23 Uhr überschreiten. Nach 23 Uhr liegt der erlaubte Lärmpegel noch niedriger, er wurde auf 40 Dezibel festgelegt. Je nach Lage des Lokals und der jeweiligen Nachbarschaft wurde Barbetreibern allerdings ein gewisser Spielraum eingeräumt. Die Beschränkungen sind strikter in Wohngebieten und in der Nähe von Krankenhäusern oder Schulen, weniger streng werden sie in Gegenden gehandhabt, die als Freizeit- oder Industriegebiete ausgewiesen sind.
 
Wozu dienen diese Dezibel-Messungen? Experten sagen, dass ein Geräuschpegel über 75 dB als störend und einer um die 120 dB als schmerzhalt empfunden wird. Hier einige Beispiele aus dem Alltagsleben: Eine ruhige Unterhaltung in einer Bücherei erzeugt 10 bis 30 Dezibel, eine normale Unterhaltung oder Geräusche von Haushaltsgeräten erreichen eine Lautstärke von 30 bis 50 Dezibel. 55 bis 75 Dezibel werden bereits als recht laut eingestuft. Wer sich neben einem Staubsauger aufhält, muss beispielsweise 65 dB ertragen. Der gleiche Geräuschpegel ist beim Auftritt von Live-Musik-Bands erlaubt. 



Die neuen Verordnungen wurden im Sommer 2018 in eher willkürlicher Art und Weise umgesetzt. Live-Konzerte in kleineren Lokalen schienen besonders im Fokus zu stehen. Auftritte wurden unterbrochen, Musikinstrumente konfisziert, Lokalbetreiber wurden mit hohen Geldbußen abgestraft. Unter professionellen Musikern sorgte dies für reichlich Unmut, denn sie sahen ihre Existenz bedroht. Und auch Musikliebhaber protestierten gegen diese Handhabung, da sie befürchteten, die Entwicklung der Musikkultur könnte leiden.  
 
In Beach-Clubs, auf Yachten und in Privatvillen wird dagegen DJ-Musik aufgelegt, die die erlaubten Dezibel weit überschreitet. Geahndet werden diese Lärmbelästigungen meist nicht, obwohl der Lärm von Privatpartys eine der Hauptursachen für den Erlass der neuen Verordnung war. Die Ortspolizei ist zwar angewiesen, solche Aktivitäten als „ernste Vergehen“ zu behandeln, sie können die Musik stoppen, Geldstrafen von bis zu 12.000 Euro drohen, doch blieben diese großen Events weitgehend von Vollstreckungsmaßnahmen verschont. 



Mittlerweile haben sich Ibizas Musiker zusammengeschlossen, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. Im April 2018 gründeten sie die „Associació de Músics d‘Eivissa”, eine Organisation, die diverse Aktivitäten eingeleitet hat, um die Rechte der Musiker zu schützen. Unterschriftenaktionen wurden durchgeführt, Treffen mit Vertretern der politischen Parteien vereinbart. Eine Aufklärungskampagne wurde gestartet, in der Gegenargumente zur Verordnung präsentiert wurden. Im September 2018 wurde der Gemeindeverwaltung von Sant Josep ein offizielles Protestschreiben überreicht, in dem die Organisation gemeinsam mit diversen Lokalbetreibern eine tragbare Einigung forderte. Gleichzeitig wurden Vorschläge unterbreitet, die zur Lösung des Problems beitragen: Wie vernünftige Auftrittszeiten oder ein angemessener musikalischer Geräuschpegel. Auch die unterschiedlichen Standorte der Lokale wurden dabei in Betracht gezogen.
 
Die Änderungsvorschläge kurz zusammengefasst:
1) Die Behörde erkennt die kulturelle und soziale Wichtigkeit der Live-Musik an.
2) Die Vereinbarung muss fair sein und sowohl die Rechte der Anwohner auf Ruhe und Frieden als auch die der Live-Musiker schützen. 
3) Die derzeitige Lärmbeschränkungsverordnung muss geändert werden und klare Richtlinien für Live-Musik beinhalten. Die neuen Dezibel-Begrenzungen sollen ohne eine Kontrolle durch Rauschbegrenzer eingehalten werden, da diese der Qualität der Musik abträglich sind. 



Der Bürgermeister von Sant Josep lud Vertreter der Organisation ein, um deren Vorschläge zu diskutieren. Bei diesem Gespräch erklärte die Gemeindeverwaltung, dass das eigentliche Problem von gewissen touristischen Unternehmen ausgelöst wird, die ihre Nachbarschaft in exzessiver Form beschallen. Aufgrund dieser ausufernden Lärmbelästigung durch einige Clubs und Beachclubs habe die Behörde strengere Maßnahmen ergreifen müssen. Die Sprecher der Organisation räumten ein, dass Sant Josep tatsächlich ein Problem mit Ruhestörungen hat. Allerdings wiesen sie darauf hin, dass relativ kleine Musikevents nicht für dieses Problem verantwortlich sind, sondern eher Clubs und große Veranstaltungen.  
 
Das Ergebnis des Treffens kann als positiv gewertet werden, denn die Gemeindeverwaltung stimmte zu, die Bestimmungen für Live-Musik zu korrigieren, um Auftritte in Sant Josep zu erleichtern. Eine der neuen Regularien ist, dass Musiker jetzt von 13 bis 23 Uhr ohne Rauschbegrenzer spielen dürfen. Allerdings sollte der Geräuschpegel angemessen sein, um eine „störungsfreie Koexistenz von Live-Musik und Anwohnern zu garantieren“. Musikveranstaltungen müssen spätestens 48 Stunden vorher im Rathaus angekündigt werden. Sollten die Events regelmäßig stattfinden, können die Organisatoren aber auch monatliche oder jährliche Programme präsentieren. Bei allen anderen musikalischen Veranstaltungen, die nicht live sind, müssen weiterhin Rauschbegrenzer eingesetzt werden. Beide Seiten kamen überein, dass die Lärmbelästigung so gering wie möglich gehalten werden sollte, dass die Normativen aber geändert werden mussten, um die lange musikalische Tradition unserer Kultur am Leben zu erhalten. •


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