AUSGABE: Dezember - Februar '07

ES VEDRÁ





Die gigantische, pyramidenförmige Felsinsel Es Vedra ist die Inspiration für viele Mythen und Legenden. Geschichten übersinnlicher Aktivität und mysteriöser Visionen sind mit dem kolossalen Fels verbunden. Der Fels ist auch einer der majestätischten und fotogensten Objekte Ibizas. Es Vedra erreicht eine stolze Höhe von 385 Meter, geringe 80 Meter niedriger als der Ibizenkische Berg Sa Talaissa – der höchste Gipfel der Pitiusen. Schwierig zu erreichbare Höhlen bedecken die praktisch vertikalen Hänge und vermitteln den Eindruck, die Insel sei aus einer anderen Welt. Sie wird oft mit einer im Wasser versunkenen gotischen Kathedrale verglichen. Es Vedra befindet sich an der Südwestküste Ibizas. Dort hin zu kommen kann sehr zeitaufwendig sein. Eine gute Aussicht ist von der Bucht Cala d’Hort zu genießen oder vom Berg direkt gegenüber, auf der Straße von Sant Josep nach Es Cubells.










Es wird behauptet, dass der dreieckige Kalksteinfels eine extreme Konzentration von Energie besitzt, vergleichbar mit den ägyptischen Pyramiden, den Statuen der Osterinseln und dem magischen Kreis von Stonehenge. Es ist praktisch unmöglich eine exakte Messung mit einem Kompass in der Nähe von Es Vedra zu machen. Navigationsinstrumente beginnen dort oft zu spinnen, viele funktionieren gar nicht.





Die Insel, zusammen mit dem Bermuda-Dreieck, gehört zu den unseligen Dreiecken der Welt, die außergewöhnlich starken und spontanen magnetischen Störungen gehorchen. Es gibt viele Geschichten über Menschen und Objekte, die hier auf unerklärliche Weise einfach verschwanden. Die Umgebung soll eine Orientierunglosigkeit verursachen, dass sogar Brieftauben sich verirren, wenn sie über die Felsinsel fliegen, häufig verlieren sie vollkommen ihren Orientierungssinn.

Viele Wissenschaftler und Mystiker bestätigen die einzigartige Kraft dieses gigantischen Energieakkumlatoren. Es überrascht nicht, dass hier häufig Ufos gesichtet werden und dass Es Vedra ein Landeplatz für Außerirdische sein soll. Unzählige Berichte in der Nähe der magnetischen Insel reden von unidentifizierten fliegenden Objekten, Lichtern, merkwürdigen Klängen und anderen paranormalen Phänomänen. Sogar Usos (unidentifizierte schwimmende Objekte) sollen in den umliegenden Gewässern lauern. Die Theorie, dass eine Unterseestation für Usos in der Nähe von Es Vedra liegt, ist weit verbreitet und lokale Fischer reden abergläubisch von Lichtflächen im Meer, welche sie von diesem Gebiet fern halten.

Einen besonderen Fall lohnt es sich zu erwähnen, den bekannten “Caso Manises”. Am 11. November 1979 wurde ein kommerzieller Flug gezwungen auf dem Flughafen in Valencia notzulanden. Der Pilot berichtete von einem merkwürdigen, sich rasch bewegenden Licht, das ihn in der Nähe Es Vedras verfolgte. Er gab SOS-Zeichen auf der Notruffrequenz und da der Überwachungsturm das Objekt nicht identifizieren konnte, empfahlen sie dem Piloten, seine Flugroute zu ändern.







Geschichtlich gesehen ist die Felsinsel auch bedeutend. Es wird angenommen, dass sie die Kulisse für die Sirenen-Insel in Homer’s epischer Legende Odysseus bildet. Nach den Beschreibungen war es hier auf Es Vedra, wo der griechische Held, Ulysses, von dem verführerischen Lied der Sirenen verzaubert wurde.









Eine andere historische Figur, die glaubte, bei dem geheimnisvollen Fels “Dinge zu sehen”, war der ultrakonservative Priester, Vater Don Francisco Palau. Während seiner Zeit als Karmeliter in den 1850ziger Jahren wurde Francisco Palau nach Ibiza verbannt.







Er fand Refugium in einer Höhle auf Es Vedra um zu meditieren. Wie er in seinen Büchern berichtet, hatte er hier sehr kraftvolle, mystische Visionen und spirituelle Begegnungen mit der heiligen Jungfrau Maria. Er soll auch angeblich Kämpfe zwischen Engeln und Dämonen erlebt haben und wurde mit satanischen Bildern gepeinigt. Der inzwischen selige Palau soll auch hier, alleine und barfuß, “himmlische Wesen” und “Damen des Lichtes” gesehen haben.

Eine Aura von Magie hat Es Vedra schon immer umgeben. Für die Karthager war es die heilige Insel von Tanit, ihrer Liebesgöttin. Vor Tausenden von Jahren, sollen Es Vedra und die kleine Insel Es Vedranell zusammen mit Ibiza eine einzige Landmasse gebildet haben. Die Legende sagt, dass die Inseln getrennt wurden, damit Es Vedra als Torhüter die größere Insel Ibiza beschützen kann.

Ein beliebter Mythos besagt, dass man Es Vedra grüßen soll, bevor man die Insel verlässt - am besten mit Trommeln bei Sonnenuntergang, um sicher zu gehen, dass man immer wieder zurückkehrt. Die meisten Touristen haben natürlich keine Zeit für solche abergläubischen Taten -aber für viele ist Es Vedra der letzte magische Eindruck von Ibiza aus dem Fenster ihres Flugzeuges, bevor die Maschine noch einmal kreist und in Richtung Norden fliegt.