AUSGABE: August - Oktober 2018

Stephen Hawking - Ein Mensch mit Zivilcourage

Von Jerry Brownstein
Stephen Hawking trotzte einer degenerativen Nervenerkrankung und wurde zu einem der größten Stars der wissenschaftlichen Welt. Seine Erkenntnisse formten die moderne Kosmologie und inspirierten Millionen Menschen auf der Welt. 1963 wurde bei ihm eine Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert. Er war 21 Jahre alt, als ihm die Ärzte eröffneten, er werde nur noch zwei Jahre leben. Doch dank seines Muts und seines unbezähmbaren Willens wurde er 76 Jahre alt. Stephen Hawking verstarb am 14. März 2018. Sein brillanter Intellekt in Verbindung mit seiner Krankheit ließen ihn zum Inbegriff der unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen Geistes werden. Denn diejenigen, die im Schatten des Todes stehen, sind oft diejenigen, die am längsten leben. Hawking drückte es so aus: „Obwohl eine dunkle Wolke über meiner Zukunft hing, musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass ich dieses Leben in der Gegenwart mehr genoss als zuvor. Ich machte Fortschritte in meinen Forschungen.“ Hawking widmete sein Leben dem „vollständigen Verständnis des Universums und der Frage, warum alles ist wie es ist und warum alles überhaupt existiert.“ 

Hawkings fruchtbarer Geist und seine Vorstellungskraft ließen ihn viele neue Theorien aufstellen, die das Fachgebiet der Kosmologie revolutionierten und Erkenntnisse darüber brachten, wie das Universum entstanden ist und wie es funktioniert. Aufgrund seiner radikalen Entdeckungen wurde er 1974 im Alter von 32 Jahren in die Royal Society aufgenommen. Fünf Jahre später übernahm er den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Cambridge-Universität, einen Posten, der zu den renommiertesten in Großbritannien zählt und den früher auch der große Isaac Newton innehatte. Der angesehene Astronom Lord Rees war einer seiner Kollegen und kannte ihn sowohl privat als auch als Wissenschaftler. „Stephen war weit davon entfernt, einer dieser archetypischen, weltfremden und absonderlichen Wissenschaftler zu sein. Mit seiner eigenen physikalischen Situation ging er erstaunlich unbefangen um. Seine Karriere war eine inspirierende Lebensleistung“, urteilte er und fügte hinzu: „Nur wenige, oder vielleicht keiner von Einsteins Nachfolgern, haben mehr dafür getan, unser Verständnis über die Schwerkraft, den Raum und die Zeit zu vertiefen.“ 

Trotz seines großen akademischen Erfolgs, war es das Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“, die Stephen Hawking zum Starruhm verhalf. 1988 veröffentlicht, hielt es sich 237 Wochen auf der Bestsellerliste der „Sunday Times“. Das Buch wurde in vierzig Sprachen übersetzt, mehr als zehn Millionen Exemplare wurden verkauft. Es beschreibt die komplexe Welt der Kosmologie in nicht technischer Weise, sodass auch der Durchschnittsleser die Struktur, den Ursprung, die Entstehung und schlussendlich das Schicksal des Universums verstehen konnten. Kosmopolitische Konzepte wie der Urknall, Schwarze Löcher, die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik drangen durch dieses Buch und daraus entstehende Videos ins Bewusstsein der Allgemeinheit. 

Hawking war einer der größten Physiker unserer Zeit. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er auch den Albert Einstein-Preis. Aber weitaus wichtiger als seine wissenschaftlichen Erfolge war vielleicht die Inspiration, die er den Menschen gab. Einfach dadurch, dass er an die Spitze seines Berufszweigs gelangte, obwohl er an einer Erkrankung litt, mit der die meisten von uns wahrscheinlich nur vor sich hin gesiecht hätten. Über seine intensive Liebe zum Leben und das Wunder seines Überlebens äußerte er: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich habe es auch nicht eilig, zu sterben. Es gibt noch so viele Dinge, die ich vorher erledigen muss.“ • 

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