AUSGABE: Juni - August 2018

Das Geheimnis des Bewusstseins

Von Jerry Brownstein
In unserer heutigen Zeit wird viel über den Begriff „Bewusstsein“ geredet. Man sagt uns, wir müssten mehr davon haben und es müsse sich entwickeln, damit unsere Welt sich in einen besseren Platz verwandelt. Aber worum geht es dabei wirklich? Was ist Bewusstsein und woher kommt es? Für Philosophen ist Bewusstsein der „Geist in der Maschine“ – eine innere Erfahrung des Denkens, Fühlens und Visualisierens... ein Sinn zur Selbsterkenntnis, über den nur Menschen verfügen. Um zu verstehen, worum es eigentlich geht, lasst Euch auf ein kleines Experiment ein: Nehmt Euch zehn Sekunden Zeit, um darüber nachzudenken, was Ihr morgen tun wollt. OK, die Zeit ist um – und gerade habt Ihr eine alternative Realität erschaffen, die nur in Eurem Geist existiert. Ihr habt Geschehnisse visualisiert und vorhergesehen, die überhaupt noch nicht passiert sind. Das ist die Essenz des Bewusstseins: In der Lage zu sein, eine eigene innere Erfahrung zu machen, die von der materiellen Welt getrennt ist. Der Mensch ist die einzige Spezies auf der Erde, die über diese Fähigkeit verfügt. Aber woher kommt sie?

Konventionelle Wissenschaftler haben Schwierigkeiten, das Bewusstsein zu erklären. Denn sie konzentrieren sich lediglich auf die materielle Welt. Doch Bewusstsein ist nicht materiell, nicht greifbar. Wissenschaftler versuchen diesen Zwiespalt zu überbrücken, indem sie behaupten, Bewusstsein entstehe irgendwo in der Komplexität unseres Gehirns. Aber wie dies geschieht, wissen sie nicht. Würden wir ihrer Theorie folgen, müssten wir glauben, reine physikalische Materie (das Gehirn) würde auf magische Weise innere spirituelle Erfahrungen schaffen (unsere Gedanken). Obgleich es keinerlei Beweise dafür gibt. So denken konventionelle Wissenschaftler, aber es gibt auch eine wissenschaftliche Sparte, die ein ganz anderes Konzept des Bewusstseins erforscht und entwickelt hat.


Quantenphysiker gehen beispielsweise davon aus, dass Bewusstsein nicht aus der Materie entsteht, sondern umgekehrt: Materie entwickelt sich aus dem Bewusstsein. Der Beobachtereffekt macht klar, dass nichts in der materiellen Welt existiert, solange es nicht durch eine Form des Bewusstseins wahrgenommen wurde. Einige Experten haben deshalb die Theorie entwickelt, dass wir in einem holographischen Universum leben und unsere Wahrnehmung der „realen Welt“ einfach nur eine Projektion des Bewusstseins ist. Und dieses Bewusstsein wird durch unser Gehirn nur vermittelt. Sie sagen, unser Gehirn empfängt das Bewusstsein, ähnlich wie ein Handy einen Anruf empfängt oder ein Fernseher Bilder.

Ein Handy wird durch ein Netzwerk mit digitalen Signalen gespeist, diese wiederum werden in Töne umgewandelt, so dass man die Stimme seines Gesprächspartners hören kann. Das Telefon kreiert also nicht den Anruf, es empfängt es nur. Ebenso wie die TV-Station nur die Signale an den Fernseher sendet und dieser wiederum dafür ausgestattet ist, diese zu lesen und in das zu verwandeln, was wir sehen und hören. Seien es Filme, Sportsendungen oder was auch immer. Der Fernseher aber kreiert die Sendung nicht, er empfängt nur die Signale und präsentiert diese in einer Art und Weise, die wir sehen und hören können. In der holographischen Theorie funktioniert das Gehirn in ähnlicher Form. Es ist der Empfänger, der die Signale des Bewusstseins empfängt, die von außerhalb Ihres Körpers kommen, um diese danach zu interpretieren, damit wir in der materiellen Welt Bewusstsein erfahren können.


Wissenschaftler, die dem gängigen Trend folgen, behaupten nach wie vor, Bewusstsein entstehe im Gehirn. Die Quanten-Physik geht hingegen davon aus, dass das Gehirn kein Bewusstsein erschafft, sondern dieses nur empfängt und interpretiert. Aber was stimmt denn nun? Die Quanten-Theorie wird von unzähligen Studien über Nahtod-Erlebnisse unterstützt. Nahtod-Erlebnisse werden in der Regel durch Krankheiten oder Unfälle ausgelöst, obwohl die Gehirne der betroffenen Personen nicht mehr funktionieren. Würde Bewusstsein nur durch das Gehirn entstehen, wären diese Erfahrungen unmöglich. Die konventionelle Wissenschaft versucht dieses Phänomen damit zu erklären, dass bei diesen Menschen noch eine geringe Hirnaktivität existiert haben muss, die dann durch das Trauma oder den Sauerstoffmangel für eine verzerrte Wahrnehmung gesorgt hat. Allerdings gibt es hinsichtlich der Nahtod-Erlebnisse einen berühmten Fall, der beweist, dass diese Erklärung so nicht stimmen kann.

Dr. Eben Alexander, ein Neurochirurg am Harvard Medical Center, hatte selbst immer an die konventionelle wissenschaftliche Begründung für Nahtod-Erlebnisse geglaubt. Aber 2008 erkrankte er an einer seltenen Infektion, die alle wichtigen Hirnfunktionen beeinträchtigte. Sieben Tage lag er im Koma, seine Hirnfunktionen hatten ausgesetzt. Während dieses Komas geschah etwas, das sein Leben für immer verändern sollte. Er beschreibt es so: „Mein Bewusstsein reiste in eine andere, größere Dimension des Universums. Eine Dimension, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Und von der ich vor meinem Koma mit Sicherheit gerne behauptet hätte, es könnte sie gar nicht geben.”


Dr. Alexanders Erfahrung ist besonders aufschlussreich, weil er während der gesamten Zeit im Koma unter dauernder und hochtechnologischer medizinischer Betreuung stand. Und diese Aufzeichnungen belegen eindeutig, dass sein Gehirn in diesen sieben Tagen nicht funktionierte. Die konventionelle Wissenschaft will uns glauben machen, unser Bewusstsein entstehe nur im Gehirn und Nahtod-Erlebnisse seien nichts anderes als Halluzinationen, verzerrte Wahrnehmungen einer letzten verbleibenden Hirnaktivität. Aber im Fall von Dr. Alexander war dies unmöglich. Denn durch die konsequente Überwachung während seines Komas ist belegt, dass seine Hirnaktivitäten gleich Null waren. Dennoch funktionierte sein Bewusstsein. Abgesehen davon, war der Patient selbst ein perfekter Zeuge, schließlich galt er als Experte in der Hirnforschung, der vorher selbst an die konventionelle Sichtweise geglaubt hatte. Erst nach seiner Selbsterfahrung musste er sich eingestehen, dass Bewusstsein außerhalb des Gehirns entstehen muss.

Obwohl „einer von ihnen“ nun auch „das Licht gesehen hat“, beharren viele konventionelle Wissenschaftler weiterhin auf ihre überholten Überzeugungen. Sie ignorieren die Beweise und behaupten, Bewusstsein entstehe nur im Gehirn. Dr. Alexander wurde sogar von einigen Kollegen scharf kritisiert, weil er über sein Erlebnis geschrieben und gesprochen hat. Trotz des Widerstands seitens der etablierten Wissenschaft geht die Suche nach einem besseren Verständnis des Bewusstseins weiter. Dank all der Vorreiter, die sich in Grenzbereiche vorwagen und sich sowohl mit der Wissenschaft als auch der Spiritualität beschäftigen. Um es mit den bekannten Sätzen Arthur Schopenhauers auszudrücken:

„Jede Wahrheit durchläuft drei Stadien.
Erst verhöhnt man sie, danach wird sie heftig abgestritten...
schließlich wird sie als selbstverständlich akzeptiert.“