AUSGABE: Dezember - Februar 2018

Die Geist-Körperverbindung

Von Jerry Brownstein
Haben Sie schon einmal vom Placeboeffekt gehört? Bei konventionellen Medikamentenexperimenten werden Patienten mit einer bestimmten Krankheit immer in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe erhält das echte Medikament, die andere bekommt – ohne vorher darüber informiert zu werden – eine Zuckerpille ohne aktive Wirkstoffe. Das Resultat: Bei fast allen Tests verbessert sich auch der Gesundheitszustand der Placebo-Patienten. Manchmal ebenso oder sogar mehr als bei denjenigen, die das echte Medikament bekommen haben. Das ist erstaunlich, denn schließlich haben die Placebo-Probanden bedeutungslose Zuckerpillen eingenommen und nur geglaubt, sie hätten echte Medikamente geschluckt. Demzufolge muss man davon ausgehen, dass es der Glaube ist, der den Heilungsprozess in ihren Körpern aktiviert hat. Herzlich willkommen in der Welt der Geist-Körperverbindung.


Es gibt hunderte wissenschaftlicher Studien, die diese unglaubliche Verbindung belegen, die zwischen dem, was Menschen glauben und der Reaktion ihrer Körper besteht. Die meisten Placebo-Studien beruhen auf der Einnahme von Pillen oder Medikamenten, die keine aktiven Wirkstoffe beinhalten. Dennoch wirken sie sogar bei Operationen. Die berühmteste Studie dieser Art wurde bei arthroskopischen Eingriffen am Knie gemacht. Diese Gelenkspiegelungen sind eine sehr gebräuchliche Methode, bei der eine Optik (Arthroskop) in das Gelenk eingeführt wird, um Knorpelknochenfragmente zu entfernen und dadurch Entzündungen zu lindern. 180 Patienten wurden beliebig in zwei Gruppen aufgeteilt. Dann wurde bei der einen Gruppe tatsächlich eine Standardoperation durchgeführt, bei der anderen nicht. Zwar wurde bei allen der gleiche kleine Schnitt am Knie durchgeführt, aber bei einer Gruppe wurde die weitere Operationsprozedur nur vorgetäuscht. Bei beiden Gruppen wurde die Wunde nach dem Eingriff wieder genäht. Das Ergebnis war beeindruckend: Den Patienten, die nur zum Schein operiert worden waren, ging es nicht schlechter als denjenigen, die einen wirklichen Eingriff hinter sich gebracht hatten. In beiden Gruppen gab die gleiche Anzahl an Patienten nach der OP kund, ihre Kniefunktion habe sich verbessert.


Der Placebo-Effekt beweist, dass positives Denken den Körper heilen kann. Und auch den Nocebo-Effekt gibt es, denn negatives Denken kann eine negative Wirkung auf die Gesundheit haben. Diese These wird durch Studien untermauert, bei denen alle Patienten davor gewarnt wurden, dass das neue Medikament gefährliche Nebeneffekte haben könnte. Inklusive Haarausfall. Wie erwartet, stellten sich diese Nebenwirkungen bei vielen der echten Probanden tatsächlich ein. Doch noch überraschender war, dass bei 30 Prozent der Placebo-Patienten auch die Haare ausfielen. Wie kann das sein? Man verliert sein Haar schließlich nicht durch die Einnahme von Zuckerpillen – es sei denn, man glaubt, dass man tatsächlich ein giftiges Medikament eingenommen hat.


Wie ist es möglich, dass allein der Geist diese erstaunlichen physischen und chemischen Körperreaktionen auslösen kann? Wie verläuft dieser Prozess? Wie wird die Kraft der Gefühle und Emotionen vom Gehirn in die Zellen transportiert? Einfach erklärt, funktioniert es so: Das Gehirn nutzt einen sehr effizienten Nachrichtenservice, um die Körperzellen umgehend über einen Gedanken oder eine Emotion zu informieren. Wenn Sie zum Beispiel ein freudiges Gefühl empfinden, sendet das Gehirn automatisch das sogenannte Peptid aus, ein Nachrichtenmolekül, das die gute Meldung über das Glücksgefühl im ganzen Körper verbreitet. Sobald jedes dieser Moleküle in einer Zelle ankommt, klinkt es sich bei einem speziellen Rezeptionspunkt in der Zellwand ein – in etwa wie ein Schlüssel im Schlüsselloch. Wenn dieser „Schlüssel“ passt, kann der Nachrichtenüberbringer mit der DNA im Zellkern kommunizieren. In diesem Fall „erzählt“ er der DNA, dass Sie Freude empfinden. Zudem weist er den Körper an, die spezifischen chemischen Stoffe zu produzieren, die mit einer freudigen Emotion einhergehen. Dies geschieht zum gleichen Zeitpunkt in Trillionen von Zellen und sorgt so dafür, dass Veränderungen im Körper hervorgerufen werden, die das Glücksgefühl reflektieren.

All Ihre Gedanken und Emotionen regen denselben Prozess an: Zuerst werden sie im Gehirn erlebt, dann wird die Information an die Zellen weitergegeben. Und zum Schluss wird die DNA in den Zellen beauftragt, die Körperchemie zu verändern. Positive Ideen und positives Denken senden Nachrichten, die Gesundheit fördern und Heilung anregen. Negativität bewirkt das Gegenteil. Wer weiß, vielleicht können wir irgendwann durch die Beherrschung unserer Gedanken und Emotionen lernen, die richtigen Signale an unsere DNA zu schicken, um körperliche Probleme zu beseitigen. Ganz ohne schädliche Chemie oder medizinische Eingriffe. Diese Geist-Körperverbindung könnte die Basis eines revolutionären neuen Wegs sein, der uns Gesundheit und Heilung beschert. Obwohl konventionelle Mediziner sich derzeit kaum für diese Idee begeistern, weil Heilung auf nichtphysischer Ebene nicht zu ihrer eingefahrenen Philosophie passt. Diese Situation erinnert an einen berühmten Satz Schopenhauers:


„Jede Wahrheit geht durch drei Stufen. Erst macht man sich darüber lustig. Danach widersetzt man sich ihr mit Vehemenz. Schließlich wird sie als selbstverständlich akzeptiert.”

Es scheint, als hätten wir hinsichtlich der Geist-Körperverbindung die erste Phase fast völlig durchlaufen. Derzeit befinden wir uns mitten in der zweiten. Denn trotz eines gewissen Widerstands in der wissenschaftlichen Szene gibt es erwähnenswerte Forschungen darüber, wie wir lernen können unsere Intentionen, unser Denken und unsere Wahrnehmungen zu nutzen, um Gesundheit und Wohlbefinden zu erlangen. Irgendwann wird uns diese Arbeit zu Schopenhauers dritter Stufe führen. Dann wird jeder anerkennen müssen, dass der menschliche Körper nicht einfach eine komplexe Maschine ist, sondern ein vibrierendes Energiezentrum, das auf ganzheitlicher Ebene sowohl auf physische Stimulation als auch auf die Kraft unseres Bewusstseins reagiert.