AUSGABE: Juni - August 2018

Die Zukunft städtischen Lebens

Von Jerry Brownstein
In der Nähe von Amsterdam wird derzeit eine innovative Wohnsiedlung gebaut, die das Potenzial hat, unseren Lebensstil nachhaltig zu verändern. Es handelt sich um das erste ReGen-Dorf, in dem eine sich selbst versorgende Lebensgemeinschaft die eigenen Nahrungsmittel anbaut, den eigenen Strom produziert und Abfälle in einem geschlossenen Kreislauf selbst entsorgt. Das Dorf wird über ein ausgeklügeltes landwirtschaftliches System verfügen: Einige Pflanzen werden auf Ackerland gedeihen, andere mit modernsten Methoden in hochtechnologischen vertikalen Anlagen. Es handelt sich um eine Kombination aus Aero- und Aquaponiksystemen, Permakultur, essbaren Wäldern und ertragreichen Öko-Feldern. Das Aeroponic-System ist eine Technik, bei der die Wurzeln in der Luft hängen und mit einem feinen Nährlösungsnebel besprüht werden. Aquaponic-Pflanzen werden im Wasser gezogen, gedüngt werden sie durch Nährstoffe, die in der Fischfarm des Dorfs entstehen. Es handelt sich um ein autarkes System, da die Pflanzen das Wasser reinigen und dessen Weiterverwendung ermöglichen.

So wird das Dorf weitaus mehr Nahrungsmittel erzeugen können als traditionelle Bauernhöfe derselben Größe, dabei aber weniger Wasser verbrauchen. Aquaponische Pflanzen beispielsweise sind zehn Mal ertragreicher als konventionelle, dabei benötigen sie 90 Prozent weniger Wasser. Durch das Permakultur-System kann ein Großteil der Reststoffe recycelt werden, die das Dorf generiert. Mit kompostierbaren Haushaltsabfällen werden der Tierbestand oder die Soldatenfliegen ernährt, die als Fischfutter dienen. Der Fisch-Kot wiederum wird die Wasserkulturen düngen, die das Dorf mit Obst und Gemüse versorgen. Und der Dung der Nutztiere kommt den Gärten zugute, in denen saisonale Gemüsesorten wachsen. „Wir gehen davon aus, dass wir in den vertikalen Anbausystemen jedes Jahr Tonnen von Bio-Nahrungsmitteln produzieren können, dazu kommen die landwirtschaftlichen Erträge aus dem saisonalen Anbau“, erklärt James Ehrlich, der Geschäftsführer von ReGen Villages, der das Projekt in Kalifornien ins Leben gerufen hat und den Hof leiten wird.

Auch ihren Strom wird die Kommune selbst produzieren. Durch ein System, das Geothermik, Photovoltaik, thermische Solarenergie, Wind und Biomasse kombiniert. Wie Ehrlich ankündigt, sollen interessante Technologien eingesetzt werden, um den Abfall des Hofs in eine kontinuierliche Energiequelle zu verwandeln. Ohne natürliche Ressourcen verschwenden zu müssen. Durch diese nachhaltige Alternative können solche Lebensgemeinschaften selbst in kalten und langen nordeuropäischen Wintern ausreichend Strom produzieren. Ein intelligentes Stromnetz wird den Strom in effizienter Art und Weise in die Häuser weiterleiten – oder in die Garagen, wo die Elektroautos geladen werden. Zudem wird eine Biogas-Anlage den nicht kompostierbaren Haushaltsmüll in Energie und Wasser umwandeln. In einem Wasserspeichersystem wird Regenwasser und Grauwasser (Wasser aus dem Waschbecken, der Dusche, Badewanne und Waschmaschinen) gesammelt, um es später für die Gemüsegärten und das aquaponische System zu verwenden.

Dieses revolutionäre Projekt wird voraussichtlich dieses Jahr beendet sein. Es wird das erste Dorf des ReGen-Netzwerks sein, allerdings sind überall auf der Welt weitere geplant. Das Unternehmen will Projekte in Schweden, Norwegen, Dänemark und Deutschland umsetzen. Sobald diese Dörfer stehen, sollen andere Gebiete ins Auge gefasst werden. „Wir wollen der Tesla unter den Öko-Dörfern werden“, sagt Ehrlich, der sich vorgenommen hat, die Zukunft in die Gegenwart zu tragen. •