AUSGABE: April - Juni 2017

Die Passion von Lana Love

Esther Nicklin
Die Lana Love-Geschichte begann 2002, als eine ehrgeizige kroatische Schauspielerin an der Playa d’en Bossa das Passion Café eröffnete, und die Idee des gesunden Essens an einem Platz säte, der wohl am wenigsten dafür geeignet schien. In den vergangenen drei Jahren hat die rührige Geschäftsfrau fünf weitere dieser speziellen Esslokale geschaffen, und in diesem Sommer wird sie in Santa Eulalia eine siebte Filiale des Passion Cafés eröffnen. Das Passion Café hat auf Ibiza den Weg geebnet für eine gesündere Gastronomie. Wir haben Lana getroffen, um zu erfahren, wie sie es geschafft hat, ihre Träume in die Realität umzusetzen.

Ich habe gelesen, dass Sie trotz all Ihrer Erfolge immer noch keine Erfüllung gefunden haben?
Ich glaube, ich werde nie ganz zufrieden sein. Denn man kann alles was man tut, immer noch ein wenig verbessern. Obwohl viele Leute das Passion loben, denke ich: Ja, es ist gut, aber wir können es noch besser machen. Es ist ein Prozess, der nie endet.

Planen Sie noch ein Passion?
Ich denke, es werden noch weitere Passions entstehen, aber noch ist nichts spruchreif. Ich liebe es, neue Konzepte zu entwickeln, neue Lokale zu finden, neue Dekorationen und Speisenkarten zu kreieren. Aber dann musst du sie auch eröffnen und leiten! Man braucht Personal, Schulungen, ein System und eine interne Struktur. Bisher habe ich das alles als „One woman show“ durchgezogen. In nur drei Jahren habe ich ganz allein sechs Läden eröffnet, das war ziemlich stressig. Das hätte mir fast die Freude am Passion genommen. Deshalb werde ich jetzt ein Passion-Team zusammenstellen, mit einem Manager, der mir hilft. Ich muss mich aus einigen Bereichen zurückziehen, denn es ist weder für mich noch für das Geschäft gesund, wenn ich überall die Regie führe. Mein Manager hat mir gesagt: „Es ist unfassbar, du hast sechs Läden, über 80 Angestellte und du hast noch nicht einmal ein Büro oder jemanden, der dir hilft. Da bist nur du … nun bin ich noch dabei.“

Sie sind sehr inspirierend, wie gelingt das?
Ich mag inspirierend sein, und es ist nett, das zu hören. Aber würde ich jemandem empfehlen, das gleiche zu tun wie ich? Nur bis zu einem gewissen Grad. Es ist gut, seinen Träumen zu folgen, aber die Geschwindigkeit, die ich an den Tag gelegt habe, taugt wahrscheinlich nicht für jeden! Ich will nicht arrogant klingen, aber ich habe eine gewisse Kraft, und viele Leute – mich eingeschlossen – kratzen sich am Kopf und fragen sich: Wie zum Teufel bringt sie alles unter einen Hut und schafft das? Manchmal kann es überwältigend sein. Hätte eine geheime Kamera die letzten 15 Jahre meines Lebens aufgezeichnet, würden viele Menschen wahrscheinlich denken: Ja, das ist wirklich beeindruckend, und ich freue mich für sie, aber nein danke, das ist nichts für mich!“ Ich kann mich noch nicht einmal zum Essen mit Freunden verabreden, weil ich nie weiß, welche Überraschungen und Herausforderungen meine Geschäfte mir präsentieren werden. Passion und Kundenservice stehen bei mir immer ganz oben, so finde ich kaum Zeit für mich.

Was inspiriert Sie?
Meine Kunden… ihre Bedürfnisse und Wünsche veranlassen mich, niemals stehenzubleiben. Auch neue Projekte inspirieren mich, denn ich langweile mich, wenn ich immer wieder die gleichen Dinge tue. Zudem gibt es viele inspirierende Menschen in der Gesundheitsindustrie und den sozialen Medien. Zu Beginn war es David Wolfe, der mich motivierte. Was mich am meisten an David begeistert, sind sein Geist und diese vielen Informationen, die in seinem Gedächtnis gespeichert sind. Dank ihm essen Menschen jetzt Goji-Beeren, rohen Kakao, Macapulver und ähnliches. Er war der erste, der davon geredet hat, und er war derjenige, der mich bewegte, mich mit Superfoods zu beschäftigen.
 
Sie haben rotes Fleisch von der Karte gestrichen. Wie wurde das aufgenommen?
Es war nervenaufreibend, denn an der Playa d’en Bossa waren Burger und englisches Frühstück der Renner. Und im Passion Marina waren es die Lamm- und Beefburger. Aber ich konnte die kommerzielle Fleischindustrie nicht mehr ertragen. Ich bin überzeugt, dass man sich auch ohne rotes Fleisch bestens ernähren kann. Wer das wirklich essen will, findet Millionen Plätze, wo er das tun kann. Ich wollte im Passion zeigen, dass es möglich ist, großartige Speisen ohne rotes Fleisch zuzubereiten. Wir bieten fantastische vegetarische und vegane Alternativen an, zudem Fisch und Hühnchen, das reicht. Ich bin das Risiko eingegangen, ich habe auf meinen Instinkt vertraut und auf das, woran ich glaube. Vielleicht haben wir einige Kunden verloren, aber dafür andere gewonnen. Heute läuft es besser denn je, die Warteschlangen können lang sein.

Wie nah sind Sie an Ihrem veganen Traum?
Es wäre großartig, wenn wir eines Tages ein veganes Lokal hätten, aber die Passion-Läden sind für ihre Vielseitigkeit bekannt. Es sind Plätze, wo es für jeden etwas gibt. Deshalb müsste das vegane Lokal unter einem anderem Namen laufen. Zudem wäre es aus geschäftlicher Sicht ein Wagnis, denn derzeit gibt es nur wenige Veganer. Die gute Nachricht ist, dass ihre Anzahl steigende Tendenz hat. Die kaltgepressten Passion-Säfte in der Passion Pantry lassen mich dem Traum näher kommen, irgendwann ein Lokal zu führen, in dem es hauptsächlich vegane und sogar rohe Speisen gibt. Ich finde, dass keine Fleischsorte einen Platz zwischen den kaltgepressten Säften in den schönen Glasflaschen und den gesundem Lebensmitteln finden sollte, die wir in der Passion Pantry verkaufen.
 
Sie reisen gerne, was sicher auch eine Inspiration ist. Aber was ist mit Ihrem Heimatland Kroatien?
Meine Heimat Kroatien und die Art, wie ich dort aufgewachsen bin, sind meine größte Inspiration. Bei uns gab es nur wenige industriell hergestellte Nahrungsmittel, alles war naturbelassen und hausgemacht. Vieles entstand praktisch aus dem Nichts: Marmeladen, Tomatensoßen, Kräuter-Sirups, eingelegte Sachen. Alle Kekse und Kuchen waren hausgemacht. Wir bekamen Käse, Eier und Bio-Gemüse von den Bauern der Umgebung. Alles war gut, frisch und natürlich. Erst als ich als 18-Jährige nach London zog, trank ich meine erste Sprite und aß zum ersten Mal Corn Flakes.
 
Haben Sie irgendeinen Tipp für diejenigen, die sich selbständig machen wollen?
Wer den garantierten Erfolg erwartet, der wird niemals den entscheidenden Schritt tun. Man muss sich ohne Angst buchstäblich ins Ungewisse stürzen. Man sollte sich nicht von seiner Angst bremsen lassen. Was kann im schlechtesten Fall passieren? Wenn der Versuch scheitert, muss man sich fragen, was Scheitern eigentlich bedeutet. Letztendlich ist es ein Lernprozess. Man muss sich nur immer wieder aufraffen, den Staub abwischen und vor vorne anfangen. Eben einfach weiter machen.