AUSGABE: Oktober - Dezember 2016

Schöne Träume

Von Sabina Brownstein
Erinnern Sie sich an Ihre Träume und verstehen Sie deren Botschaften? Oder haben Sie Probleme, sich an sie zu erinnern und sie zu deuten? Wissenschaftliche Studien belegen, dass jeder träumt – selbst Blinde tun dies. Tatsächlich verbringen wir etwa 20 Prozent unserer Schlafzeit mit Träumen. Dies heißt, dass wir fast jede Nacht mindestens anderthalb Stunden träumend verbringen. Normal ist es, durchschnittlich vier oder fünf Träume pro Nacht zu haben, manche Menschen haben auch nur zwei, andere hingegen bis zu neun. Und diejenigen, die behaupten, sie würden gar nicht träumen, haben einfach nur das Problem, sich nicht an ihre Träume zu erinnern.


Doch selbst wenn wir uns nicht an sie erinnern, sind sie notwendig, um unser emotionales und körperliches Gleichgewicht zu bewahren. In der Regel träumen wir in der REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement/schnelle Augenbewegung), und Studien haben unter Beweis gestellt, dass wir nervös und unkonzentriert sind, sollte diese Traumphase zu kurz ausfallen. In extremen Fällen kann dies sogar psychotische Symptome und Halluzinationen auslösen. Träume sind nicht nur wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden, sie sind auch eine wundervolle Quelle der Phantasie, des Abenteuers und der Romantik. Der interessanteste Aspekt ist vielleicht der, dass Träume einem helfen können, die Vergangenheit zu enträtseln. Aber zuerst einmal muss man natürlich in der Lage sein, sich an sie zu erinnern.

 
Manche Menschen erinnern sich leicht an ihre Träume, aber die meisten vergessen die Rollen, die sie in ihren nächtlichen Dramen gespielt haben. Es gibt aber Techniken, die dabei helfen, Träume ins Bewusstsein zurückzuholen. Genauso wie Schauspieler Techniken haben, um ihre Texte zu lernen, müssen Träumer ihre Aufmerksamkeit nutzen, um sich erinnern zu können. Auf diesem Gebiet wurde viel geforscht. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Menschen, die man während der REM-Schlafphase weckt, nur an einen Teil ihres Traums erinnern. Diejenigen, die man mehr als fünf Minuten nach ihrer REM-Phase weckt, erinnern nur noch Fragmente ihrer Träume. Aber weckt man jemanden direkt nach Beendigung der REM-Phase, sind die Erinnerungen an die Details am besten. Denn der Traum ist am lebendigsten in den ersten Sekunden des Erwachens. Dies bedeutet, dass man seine Träume sofort nach dem Wachwerden aufschreiben muss, denn dann ist die Erinnerung noch frisch. Es hilft, einen Stift und ein Tagebuch in Reichweite des Bettes zu haben, damit man so viele Details wie möglich zu Papier bringen kann. Hat man einige der grundlegenden Ereignisse aufgeschrieben, fällt es leichter, sich auch an andere Episoden zu erinnern.

 
Je mehr man übt, sich an seine Träume zu erinnern, umso mehr wünscht man sich, zu lernen, deutlichere und klarere Träume zu haben. Dabei handelt es sich um Träume, die man bewusst wahrnimmt – und in denen man wenigstens teilweise an dem Schauspiel teilnimmt. So kann man seine Traumwelt in aller Klarheit erkunden. Alles, was man sieht, hört, berührt oder schmeckt, kann so authentisch wie die Realität sein. Und man entwickelt die Fähigkeit, eine gewisse Kontrolle über die Geschehnisse in dieser virtuellen Welt seiner Träume zu erlangen. Diejenigen, die eine große Erfahrung im luziden Träumen haben, können während ihrer nächtlichen Ausflüge all ihre Phantasien ausleben. Viele Menschen sind fähig klare Träume zu haben, aber nur sehr wenige trainieren diese Fähigkeit. Denn für die meisten von uns ist es schon schwer genug, zu erlernen, wie man sich an seine normalen Träume erinnert.

 
Ein Ansporn für das Aufschreiben seiner Träume ist mit Sicherheit, dass Träume viele wertvolle Botschaften aus dem Unterbewusstsein preisgeben. Wenn man ein Traumtagebuch führt, erfährt man mehr über sich selbst, und deshalb kann es zu einem ganz persönlichen Buch der Weisheit werden. Carl Jung war überzeugt, dass man durch das langfristige Beobachten und Interpretieren seiner Träume zu wahrer Selbsterkenntnis gelangen kann. Denn so kann man damit beginnen, einen Teppich aus den wiederkehrenden Themen zu weben, die das persönliche Leben bestimmen. Jeder Traum kann einen tiefen Einblick ins Innerste eröffnen, und ein Traumtagebuch bietet die großartige Möglichkeit, diese inneren Reisen zu protokollieren. Es gibt viele Tipps und Theorien zur Traumdeutung. Aber man sollte vor allem eins beachten: Alle Dinge, die wir in unseren Träumen erleben, haben mit uns und unserem Leben zu tun. Selbst wenn uns dies im ersten Moment nicht so erscheint. Grundsätzlich sollte man mehr seinen Gefühlen als seinem Verstand vertrauen, so können die Emotionen des Traums zu einem sprechen. Mit der Zeit wird man sich dann immer besser an seine Träume erinnern und auch die Botschaften verstehen, die sie für uns bereithalten. Es ist wie bei allem anderen: Übung macht den Meister. Schöne Träume! •