AUSGABE: Februar - April 2015

Güte

Ruth Osborn
Im Wörterbuch wird Güte mit den Qualitäten freundlich, großzügig und rücksichtsvoll definiert. In unserem Alltagsleben mit unseren endlosen To Do-Listen und den kontinuierlichen Terminen, kann man leicht vergessen, gütig zu sein – gütig mit uns selbst, mit unserem Körper, mit anderen Menschen und unserem Planeten. Aber gibt es in unserem Leben etwas, was wichtiger ist als Güte? Man fühlt sich wunderbar, wenn jemand gütig zu einem ist. Jeder noch so zufällige Moment der Güte, den man anderen entgegenbringt oder selbst erfahren darf, hebt die Stimmung, erzeugt ein Lächeln und sorgt dafür, dass sich alle besser fühlen. Wie der Dalai Lama sagt: „Wenn wir anderen Menschen mit Liebe und Güte begegnen, werden sich nicht nur die anderen geliebt und umsorgt fühlen, es hilft auch uns dabei, unser inneres Glück und unseren Frieden zu finden.“
 
Es gibt viele einfache Methoden, wie wir Güte in unser tägliches Leben, unsere Lebensgemeinschaften und unser weiteres Umfeld integrieren können. Es beginnt damit, gütig zu uns selbst zu sein. Denn wie kann man gütig mit anderen sein, wenn man es nicht mit sich selbst ist? An schwierigen Tagen, an denen nichts so läuft, wie man sich das wünschen würde, ist es die größte Herausforderung, mit sich selbst gütig umzugehen. Sobald man also die innere Stimme hört, die etwas Unfreundliches sagt, sollte man diesen Gedanken loslassen und ihn durch einen netteren ersetzen. Denn man sollte sich immer daran erinnern, dass man die Wahl hat, freundlich zu sich selbst zu sein, und man sollte mit sich selbst sprechen wie mit seinem besten Freund. Bringt die innere Kritik zum Schweigen und ersetzt sie durch ein aufbauendes und freundliches Coaching. So kann man im Laufe der Zeit seine Gedanken neu programmieren und Güte zu einem natürlichen Teil seines Selbst machen.
 
Gütig zu sein, ist nicht nur positiv für die Gemütsverfassung, sondern auch für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden. Denn gütig sein aktiviert chemische Prozesse in unserem Körper, die angenehme Gefühle auslösen. Ist man gütig, speist das Gehirn natürliche Morphinstoffe in den Blutkreislauf (endogene Opiate) ein, die Glücksgefühle provozieren. Gleichzeitig tut Güte der Gesundheit des Herzens und des Herzkreislaufsystems gut. Tatsächlich kann man ein Gefühl von Wärme empfinden, wenn man gütig handelt. Für diese Wärme ist das Hormon Oxytocin zuständig, das den Blutdruck senkt. Wer Güte praktiziert, kann ganz nebenbei Geld für seine Schönheitspflege sparen, denn man sieht besser und jünger aus. Die Ausschüttung von Oxytocin verlangsamt nämlich den Alterungsprozess, weil freie Radikale und Entzündungen im Herzkreislaufsystem reduziert werden. Freie Radikale und Entzündungen spielen auch bei Herzerkrankungen eine wichtige Rolle. Deshalb kann Güte ein perfektes Mittel sein, um sein Herz gesund zu halten.
 
Das Praktizieren von Güte verbessert nicht nur die Beziehung zu uns selbst und anderen, es ist auch ansteckend. Wenn man selbst gütig ist, inspiriert man andere zum gleichen Verhalten. So breiten sich Güte und positive Gefühle allmählich, aber stetig aus. Die buddhistische Meditationspraxis von Metta Bhavna kann dabei helfen, das Gefühl der Güte zu verbreiten. Diese Übung beginnt damit, sich selbst lieben zu lernen. Danach weitet man die liebevolle Güte auf die Menschen aus, die einem nah sind, dann auf diejenigen, die man nicht kennt. Schließlich auf alle, mit denen man nicht so gut klar kommt – und am Ende auf den Rest der Welt. Man muss kein Buddhist sein, um diese einfache Methode der liebevollen Güte zu entwickeln. Sie regelmäßig zu praktizieren, verändert die Gefühle, die man für sich selbst und die Welt empfindet. Um es in den Worten des Dalai Lama auszudrücken: „Meine Religion ist einfach. Meine Religion ist Güte.“