AUSGABE: Februar - April 2015

Die Wissenschaft des Bewusstseins

Von Jerry Brownstein
Edgar Mitchell war 1971 einer der Astronauten, die mit der Apollo 14 in den Weltraum starteten. Er war der sechste Mann, der den Mond betrat. Das war für ihn ein wirklich beeindruckendes Abenteuer, aber eine noch größere Offenbarung wurde ihm nach seiner Rückkehr zur Erde zuteil. Beim Blick aus dem Raumschiff hatte ihn die Aussicht auf unseren Planeten, der im unermesslich freien Raum zu schweben schien, völlig fasziniert. In ihm begann sich ein tiefes inneres Verständnis zu entwickeln, dass alles im Universum miteinander verbunden sein muss. Er fühlte, dass wir alle Teil eines größeren Bewusstseins sind. Diesen Eindruck fasste er später in seinen eigenen Worten zusammen: „Ich wusste plötzlich mit völliger Sicherheit, dass alles Leben im Universum nicht durch Zufall entstanden ist. Dieses Wissen eröffnete sich mir spontan.“ Mitchell war ein ausgebildeter Ingenieur und Wissenschaftler, aber diese neue Erfahrung machte ihm klar, dass die Welt weitaus komplexer und mysteriöser war, als die konventionelle Wissenschaft ihn zuvor glauben ließ. Er war überzeugt, dass er eine weitere Grenze überschreiten und das unbekannte Gebiet des menschlichen Bewusstseins erforschen musste. Und er war überzeugt, dass diese Reise uns erstaunliche, bisher kaum vorstellbare Möglichkeiten eröffnen würde. Zwei Jahre später verließ er das Raumfahrtprogramm und gründete das Institut für noetische Wissenschaften (Institute of Noetic Sciences/IONS).

 
Das Wort „Noetic“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet intuitiver Geist oder inneres Wissen. Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Ansätze, um die Welt, die uns umgibt, zu verstehen: Die objektive und die subjektive Sichtweise. Die Wissenschaft ist ausschließlich auf die physische materielle Welt fokussiert und richtet sich nach objektiven Messungsergebnissen und Experimenten. Aber es gibt auch eine subjektive Sichtweise, die auf unseren inneren Erfahrungen und Gefühlen basiert. Dabei geht es um essentielle Bestandteile unserer menschlichen Erfahrungswelt: Dinge wie Liebe, Lust, Vorlieben, Abneigungen, Geschmack oder Schönheit. Eben all das, was wir empfinden und fühlen. All diese subjektiven Erfahrungen sind Teil unseres Bewusstseins – gleichzeitig aber sind sie auch sehr real und oft tiefgründig. Eine Mutter beispielsweise weiß mit absoluter Sicherheit, dass die Liebe, die sie für ihr Kind empfindet, völlig real ist. Obwohl sie dies nicht auf objektive, wissenschaftliche Art und Weise erklären könnte. Aber es handelt sich um ein inneres, also neotisches Wissen.


Obwohl man bisher nur wenige Studien darüber gemacht hat, inwieweit noetische Erfahrungen unsere Welt beeinflussen, berühren sie doch jeden unserer Lebensbereiche. Edgar Mitchell versuchte deshalb, diesem inneren Wissen durch strikte wissenschaftliche Techniken und Mittel auf die Spur zu kommen. Dabei folgte und folgt er der Vision, die Welt zu verbessern – durch ein besseres Verständnis aller objektiven und subjektiven menschlichen Erfahrungen. Über vier Jahrzehnte sind die IONS-Wissenschaftler dieser Vision gefolgt und haben unsere Kenntnisse über die fundamentale Natur des Bewusstseins erweitert. Dabei folgen sie einer Prämisse: Sie wollen herausfinden, wie unser Bewusstsein mit der physischen Realität interagiert und welches Potential hinsichtlich der Veränderung unserer Welt existiert. Dean Radin, der wissenschaftliche Leiter von IONS, hat bereits unzählige Experimente rund um noetische Themen gestartet und überwacht. Seine Arbeit führte zu bedeutenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Heilung, der Erziehung und des menschlichen Potentials. Grundsätzlich will man mit diesen Projekten unter Beweis stellen, dass wir durch unser Bewusstsein mit der Welt und allen anderen Menschen verbunden sind.


Diese Sichtweise stimmt mit dem Wissen uralter Weisen und Mystikern überein, die über Jahrhunderte hinweg über eine Art Bewusstseinsfeld gesprochen haben. Ein Feld, das außerhalb der Grenzen der materiellen Weltanschauung liegt und alles im Universum miteinander verbindet. In den vergangenen Jahren haben führende Wissenschaftler endlich Beweise für die Existenz dieses Felds ausmachen können – und IONS geht sogar noch einen Schritt weiter. Momentan wird eine Langzeitstudie durchgeführt, die aufzeigen soll, auf welch beeindruckende Art und Weise unsere Gedanken und Emotionen durch dieses Bewusstseinsfeld beeinflusst werden – und welche Auswirkungen diese Interaktion auf unsere Welt hat. Zu diesem Zweck installierte IONS an zahlreichen Plätzen der Welt Zufallsereignisgeneratoren (REGs). Dabei handelt es sich um hochsensible Sensoren, die in der Regel vorhersehbare Ergebnisse aufzeichnen… aber nicht immer. Während der Katastrophen 9/11 oder dem Tsunami in Asien beispielsweise drehten diese Sensoren durch. Und tatsächlich werden die REGs durch alle Ereignisse, die ein starkes öffentliches Interesse erregen, enorm beeinflusst. Das hat Gründe: Die Energie des gesamten Planeten verändert sich nämlich, wenn viele Menschen ihre Aufmerksamkeit auf ein Geschehen fokussieren.


Warum ist dies von Wichtigkeit? Weil diese IONS-Studie – wie einige andere auch – eindeutig klarmacht, dass die konzentrierte menschliche Aufmerksamkeit einen transformativen Effekt auf die Energie hat, und diese wiederum ist ein wesentlicher Bauteil unseres Planeten. Diese Resultate unterstützen die Grundaussage der Edgar Mitchell-Vision: Dass nämlich das kollektive Bewusstsein die Kraft hat, einen Paradigmenwechsel zu kreieren, der unsere Welt verändern kann. Die gesamte Arbeit der IONS basiert auf der Auffassung, dass ein größeres Verständnis des menschlichen Bewusstseins Antworten auf die dringendsten Fragen geben kann, mit denen sich unsere Weltgemeinschaft derzeit auseinander setzen muss: Gewalt, soziales Ungleichgewicht, das Verschwenden unserer Ressourcen. IONS steht an der Spitze einer Welle globaler Achtsamkeit, die darauf basiert, dass wir eine faire und gerechte Gesellschaft – das höchste menschliche Ziel – nur durch die Erweiterung unseres Bewusstseins erreichen können. Nach unserem höchsten menschlichen Potential zu streben, ist auch das höchste Ziel des IONS, was sich in ihrem Grundkonzept widerspiegelt: „Wir wollen dazu beitragen, ein neues Weltbild zu kreieren, die auf einer grundsätzlichen Vernetzung beruht und gleichzeitig ein blühendes Leben anstrebt. In all seinen prachtvollen Formen.“