AUSGABE: Februar - April 2015

Lösungen für Ibizas Wasserknappheit

Katherine Berry & Jerry Brownstein
Immer frisches Wasser zu haben, das war auf Ibiza schon immer eine Herausforderung. In der Vergangenheit konnte sich die Insel im feuchteren und weniger touristischen Herbst und Winter vom langen trockenen Sommer erholen. Doch im vergangenen Jahrzehnt stieg der Wasserverbrauch während der Sommersaison dermaßen an, dass die Grundwasservorkommen („aquifers“) sich erschöpften und nicht durch die jährlichen Niederschläge wieder aufgefüllt werden konnten. 2014 sank der Wasserpegel auf 24 Prozent und im vergangenen Jahr verschlimmerte sich die Situation noch. Um den Ernst der Lage zu verstehen, muss man beide Seiten des Problems beleuchten: Woher kommt das Wasser und wie wird es verbraucht. In einem Artikel, der in IbiCasa (15. Okt. bis 15. Dez. 2015) veröffentlicht wurde, beschäftigten wir uns damit, was man tun müsste, um die Wasserreserven zu erhöhen und zu schonen. Hier eine kurze Zusammenfassung der Vorschläge:
 
Das marode Leitungssystem müsste repariert werden, da etwa 30 Prozent des Leitungswassers auf dem Weg zum Verbraucher versickert.

Es müsste ein koordiniertes System geben, um das Regenwasser in Tanks und Auffangbecken sammeln zu können. Gleichzeitig müsste dafür gesorgt werden, dass der Regen in den Boden sickern kann, denn ein Großteil der Niederschläge fließt derzeit direkt ins Meer und füllt die Grundwasservorkommen nicht auf.
Die drei Entsalzungsanlagen der Insel müssten maximal ausgelastet werden und höchste Leistung bringen. Diesbezüglich gibt es eine gute Nachricht, denn die Entsalzungsanlage von Santa Eulalia soll nach Jahren der Konflikte schon in diesem Sommer in Betrieb genommen werden.  
 
Aber eine höhere Wasserproduktion löst nur die eine Hälfte des Problems. Auch der Verbrauch müsste auf ein nachhaltiges Niveau reduziert werden. Die Balearenregierung ist sich der ernsten Situation bewusst und hat schon im vergangenen September ein Notfallgesetz verabschiedet, mit dem die Wasserknappheit bekämpft werden soll. Es beinhaltet diverse Maßnahmen: Neue Lizenzen für Brunnenbohrungen sollen nicht mehr erteilt werden, dies kann als ein Schritt in die richtige Richtung gewertet werden. Zudem müssen die Wasserzulieferer, die Haushalte und Firmen während der Hochsaison beliefern, ihre Tankwagenfüllungen in den Entsalzungsanlagen kaufen. Auch dadurch werden die Grundwasserreserven geschont. Zudem wird diese Auflage dafür sorgen, dass die Entsalzungsanlagen, die derzeit einen Großteil des Jahres nur auf niedriger Kapazität laufen, besser ausgelastet sind.
 
„Es sind willkommene Maßnahmen, sie könnten ein kulturelles Umdenken einleiten. Denn sie machen klar, dass Wasser eine limitierte Ressource ist und die Insel kurz davor ist, auszutrocknen“, urteilt Sandra Benbeniste, Sprecherin des Ibiza Preservation Fund (IPF). Das neue Gesetz könnte schnell positive Ergebnisse bringen, aber leider gilt es nur für einen Zeitraum von sechs Monaten. Dies bedeutet, dass es zu Beginn der kommenden Sommersaison auslaufen wird – genau in dem Moment, wo es am meisten benötigt wird. Hoffentlich wird die Regierung es wieder in Kraft setzen und obendrein um zusätzliche Auflagen erweitern, damit Ibizas Wasserversorgung für die Zukunft gesichert bleibt. Bei der Ausarbeitung dieser Normativen könnte es hilfreich sein, einen Blick auf die innovativen Ideen zu werfen, die in Südkalifornien und anderen trockenen Gegenden der Welt umgesetzt werden, um einen nachhaltigen Verbrauch zu garantieren. 
 
Ein wirklich effektives Mittel, das schon überall auf der Welt funktioniert hat, ist eine genauere Kontrolle des Verbrauchs. Kombiniert mit Steuerauflagen für diejenigen, die im Übermaß konsumieren. Dafür müsste man zuerst einmal damit beginnen, den Gesamtverbrauch der Insel zu messen, auch den der Brunnen. Der Hydrologische Plan der Balearen hat sich zum Ziel gesetzt, den täglichen Wasserverbrauch pro Person auf 100 Liter zu senken. Dies sollte ein Maßstab für alle Inselbewohner sein. Wasser ist ein lebenswichtiges Bedarfsgut, diese Menge könnte deshalb zu einem besonders günstigen Preis angeboten werden. Für diejenigen, die mehr konsumieren, müsste der Preis stufenweise gesteigert werden: Je mehr man verbraucht, umso teurer müsste das Wasser sein. Diese Art der Preisgestaltung ist eine ausgezeichnete Methode, um begrenzte Ressourcen zu schonen. Denn wie man hört, gibt es auf Ibiza Leute, die sich im Sommer jeden Tag viele Wassertankfüllungen anliefern lassen, einfach nur, um ihre Gärten zu bewässern oder ihre Pools und Springbrunnen aufzufüllen. Würde man den Verbrauch durch strikte Normativen regulieren und stufenweise berechnen, würde dieser verschwenderische Konsum sehr teuer werden. Diese Extra-Einnahmen könnten genutzt werden, um die Wasserversorgungs-Infrastruktur der Insel kontinuierlich zu verbessern.
 
Eine weitere Maßnahme, die in anderen Ländern schon gute Ergebnisse brachte, sind Tropfbewässerungssysteme. Diese sollten sowohl in Privatgärten als auch in der Landwirtschaft Anwendung finden. Wenn Pflanzen und Wurzeln langsam und tröpfchenweise bewässert würden, könnten große Mengen Wasser gespart werden. Auch könnten steuerliche Anreize und Subventionen die Installation solcher Systeme in bereits existierenden Anwesen und Neubauten fördern. Aber auf lange Sicht ist es am wichtigsten, den Verbraucher zu schulen, indem man ihn über die Notwendigkeit eines bewussten Umgangs mit Wasser aufklärt. Diese Methode hat auch schon bei anderen Problemen geholfen: So konnte der Zigarettenkonsum reduziert und die Recyclingbereitschaft gesteigert werden. Wenn Menschen zu verstehen beginnen, dass der bewusste Umgang mit Wasser lebenswichtig ist, werden sie selbst ihren Teil zur Problemlösung beitragen. Dies bedeutet, dass sie politische Parteien und Organisationen unterstützen werden, die intelligente Initiativen ergreifen. Gleichzeitig werden sie umsichtiger mit Wasser umgehen. Wer weniger Wasser verschwendet, ist nicht nur ein guter Bürger, er spart auch Geld. Vor allem, wenn Wasserverschwendung mit hohen Rechnungen abgestraft wird. Der Ibiza Preservation Fund hat übrigens auf seiner Webseite eine Liste mit Tipps zum Wassersparen veröffentlicht (siehe Link unten). Darunter einige einfache Maßnahmen, wie die Installation wassersparender Duschköpfe oder das Schließen des Wasserhahns beim Rasieren und Zähneputzen. Auch Waschmaschinen sollten nur gut gefüllt gestartet werden. Es reicht schon aus, einige eingefahrene Gewohnheiten zu ändern, um die wertvollen Wasserreserven unserer schönen Insel zu bewahren.