AUSGABE: Dezember - Februar 2015

Abrahams Sanktuarium




Abraham Borroso’s Tierliebe entwickelte sich schon in seiner Kindheit, und vor anderthalb Jahren verwirklichte er seinen größten Traum. Er entschied sich, seinem Leben eine Wendung zu geben und sich dem zu widmen, was ihm am meisten gefällt: Er gründete die Hundeschule Mojis Escuela Canina, die er nach seinem längst verstorbenen Lieblingshund benannte. „Es ist nicht eine Hundeschule an sich, man kann es eher als ein Sanktuarium für Tiere in Ibiza bezeichnen. Was als Hundeschule begann, entwickelte sich in einen friedvollen Platz, an dem Tiere in Not gesund werden und darauf warten können, dass sie von anderen Menschen adoptiert werden“, erzählt er.

Abraham ist 35 Jahre alt und stammt aus Madrid. Vor sechs Jahren verließ er die spanische Hauptstadt und zog nach Ibiza. Hier wollte er nach seinen Vorstellungen mit Tieren zusammenleben. Mittlerweile wohnt er zwischen Sant Carles und Sant Joan in einem Haus auf dem Land, zusammen mit 35 Hunden und 50 Katzen, elf Schweinen, Ziegen, Hühnern und einem Pferd. Alle laufen frei herum, das macht den Unterschied aus. „Mein Platz ist kein x-beliebiges Auffangheim für Hunde“, erklärt er.

Seine große Familie wechselt ständig die Mitglieder. Innerhalb der letzten anderthalb Jahre wurden 70 Tiere adoptiert, darunter Hunde, Katzen und Pferde. Gerne besucht Abraham das staatliche Tierheim Sa Coma, um dort Hunde zu retten, die seine Hilfe am Nötigsten haben. Eine Leidenschaft, die ihn teuer zu stehen kommt, denn natürlich muss er für jedes gerettete Tier auch die fälligen Gemeindesteuern zahlen.




Die Haltung der Tiere sei leichter, weil er mit ihnen auf dem Land lebe, berichtet Abraham. Für die Fütterung nutzt er alles, was das Land hergibt. Es gibt Bäume, die Obst tragen, er pflanzt und sät, was nötig ist. Und sobald sich der Gesundheitszustand der Tiere verbessert, sinken die Kosten für deren Versorgung. Zudem unterstützen ihn einige Tierärzte. Abraham kollaboriert nicht nur mit dem städtischen Tierheim Sa Coma, sondern auch mit anderen Hilfsorganisationen. So besucht er alte Menschen mit Alzheimer oder auch Krankenhäuser. Für Abraham ist das Schönste, dass seine Tiere Menschen helfen können, obwohl sie selbst von ihren Herrchen verlassen wurden.

Abraham arbeitet in einem Restaurant und sein Tag beginnt um acht Uhr morgens, damit er alle Tiere versorgen kann, bevor er zum Job fährt. Oft muss er Tiere ablehnen, andere gewöhnen sich nicht an ihre neue Umgebung, und manchen sensibleren Tieren kann er nicht die Zuwendung geben, die sie benötigen. Wenn man 35 Hunde habe, sei es unmöglich jedem einzelnen täglich 15 Minuten Liebe zu schenken, bedauert Abraham. Über Menschen, die ihre Tiere aussetzen, will er nicht urteilen. Er sei da, um Tiere zu retten, nicht um die Motive für das Aussetzen der Maskottchen zu ergründen. Aber es gibt natürlich auch Geschichten mit gutem Ausgang: Wie die einer gelähmten Dobermann-Hündin, die von einem Paar bei ihm abgegeben wurde, als dieses ein Baby bekam. Sie seien zurückgekommen, um die Hündin wieder mit nach Hause zu nehmen, weil sie festgestellt hatten, dass sie ohne sie nicht leben wollten.

Abraham lebt seinen Traum. Aber sein langfristiges Ziel ist es, dass er für das Wohlbefinden seiner Tiere nicht mehr ganz so hart kämpfen muss wie bisher. Jeden Tag gibt es viel zu tun, zudem ist es schmerzhaft, Tiere zu verlieren, und an manchen Tagen schafft er die ganze Arbeit einfach nicht. Trotz der Probleme, sieht Abraham seine Situation als Möglichkeit zum persönlichen Wachstum. Er wolle kein einfaches Auffangheim für Tiere sein, sondern ihnen einen friedlichen Platz schaffen, an dem sie miteinander kommunizieren können. „Es ist nicht alles rosarot, aber es ist mein Traum und mein Zufluchtsort, ich möchte nichts anderes tun in meinem Leben“, resümiert Abraham.

Die Versorgung der Tiere ist ziemlich teuer, allein durch seine Arbeit im Restaurant und durch sein Hundetraining kann Abraham das Geld nicht aufbringen. Diesen Sommer gab es diverse Personen, die ihn finanziell unterstützt haben – das hat ihm geholfen, persönlich zu wachsen. Zudem organisiert er gemeinsam mit anderen Organisationen Benefizaktionen, um Spenden zu sammeln. Wer helfen möchte, siehe rechts im Kasten weitere Informationen.