AUSGABE: Oktober - Dezember 2014

Im Fokus: Optica La Mar

Von Cat Weisweiller
Georg Seidel wurde 1960 in Aachen geboren. Nur vier Monate später nahmen ihn seine Eltern mit nach Bangkok, wo sein Vater als Entwickler für die Optikindustrie arbeitete. Georg war zehn Jahre alt, als seine Familie nach Deutschland zurückkehrte. Diesmal trieb es sie nach Stuttgart, wo sich sein Vater in die große Optikerkette „Optic Schneider“ eingekauft hatte. Kurzum: Von Kindesbeinen an war Georgs Leben mit der Optikerwelt verbunden. Als 13-Jähriger machte er eine einschneidende Erfahrung, die sein künftiges Leben nachhaltig beeinflussen sollte. Im Laden seines Vaters traf er auf einen schluchzenden Mann, und es stellte sich heraus, dass sein Vater eine hochsensible Linse entwickelt hatte, die dem Mann das Augenlicht wiederschenkte. Trotz schlechter Prognosen. Von diesem Moment an wusste Georg, dass er Optiker werden wollte wie sein Vater.

Und er blieb seinem Vorsatz treu. Wann immer es möglich war, schaute er den Experten im Betrieb seines Vaters über die Schulter: „Die großen Jungs zeigten mir alles“. Später half er nach der Schule oder an Wochenenden im Laden seines Vaters, um sein Taschengeld aufzubessern. Dabei lernte er das Business kennen, und mit 23 Jahren schloss er eine qualifizierte Optikerausbildung ab.


Kurz darauf schickte sein Vater ihn für ein Jahr nach Japan, vor allem um seine Optikerkenntnisse zu perfektionieren. Aber dort entdeckte Georg auch seine zweite Leidenschaft: das Windsurfen. Die nächsten zehn Jahre teilte er seine Zeit auf, in der Saison war er auf dem Surfbrett unterwegs, im Winter arbeitete er als Optiker. In seinem ersten Jahr in Japan lernte er von seinem Mentor viel über die Disziplin und Ehre, die das japanische Geschäftsleben dominieren. Er wurde auf den japanischen Ethos eingestimmt, der klarmacht, dass Arbeit nicht nur einfach ein Job ist, sondern ein Lebensstil. „In dieser Zeit gab es in Japan noch nicht so viele Westler, die sich diesem Beruf widmeten. Ich brauchte einige Zeit, um mich daran zu gewöhnen, kleinere Augen zu behandeln, und schnell war ich unter den Stammkunden als der Mann mit den großen Augen bekannt“, erinnert sich Georg mit einem Schmunzeln. Die kulturellen Unterschiede waren groß, dies trug dazu bei, dass sich bei Georg Heimweh einstellte. Kein Wunder, denn zu dieser Zeit gab es noch keine Handys oder e-Mails. Der Kontakt zur Heimat war eingeschränkt.

Aber bald brachte ihm seine Windsurfer-Karriere die Zerstreuung, die er sich gewünscht hatte. Jahrelang arbeitete er in Robinson Clubs überall auf der Welt als Surflehrer. Für F2 testete er Surfbretter in Südafrika und er nahm an internationalen Wettkämpfen teil, wurde Zweiter in einer Europa-Ausscheidung. Nach seinem letzten Sieg im Roten Meer erkannte er, dass es an der Zeit war, neue Ziele ins Auge zu fassen. „Ich war Mitte dreißig, ein beträchtliches Alter in der Windsurf-Szene. Ich wollte meine Karriere auf dem Höhepunkt beenden und der neuen Generation Platz machen. Es war der richtige Moment, voll und ganz in meinen Beruf zurückzukehren“, erzählt Georg.


Und so kehrte Georg Seidel Mitte der 1990er nach Stuttgart zurück und stieg wieder in den Betrieb seines Vaters ein. Später zog er nach München. 1998, er war nun 38 Jahre alt, vermisste er das Leben am Meer sehr, als er auf eine schicksalhafte Anzeige aufmerksam wurde: Auf den Balearen war ein Laden zu verkaufen. Er antwortete auf die Annonce, und im Gespräch mit dem Verkäufer, einem deutschen Optiker, erkundigte er sich nach dem Wetter. „Besser Sie kommen momentan nicht, es ist enorm windig hier“, erzählte ihm dieser. Überflüssig zu sagen, dass Georg noch am gleichen Tag in den Flieger stieg, mit einem Surfbrett im Gepäck. Es musste keine große Überzeugungsarbeit geleistet werden, schnell entschied er sich „Optica La Mar“ zu übernehmen, an der Uferpromenade in Santa Eulària. Sein Vater half ihm ein wenig bei der Finanzierung, so konnte er den Laden modernisieren und in kürzester Zeit eröffnen. 2003 lernte er seine spanische Lebenspartnerin Julia kennen, sie brachte eine Tochter mit in die Beziehung, und schon bald kamen zwei Geschwister hinzu.

Bis heute steht Georg für den gleichen beruflichen Ethos, den er in Japan kennengelernt hat. Viele seiner Stammkunden wissen diesen zu schätzen. „Menschen aus der ganzen Welt kommen immer wieder, sie warten auf ihren nächsten Ibizaurlaub, um ihren Augen Gutes zu tun. Das ist sehr befriedigend“, erzählt Georg. Ebenso wie sein Vater fühlt er sich sehr mit seinem Beruf verbunden, und er legt Wert auf den speziellen Service. Das dankt man ihm. Kommt hinzu, dass Kunden für Georg nicht einfach nur Kunden sind, für ihn zählt immer der persönliche Bezug, dazu gehört, sich beispielsweise an ihre Namen und Lebensgeschichten zu erinnern. Und auch hinsichtlich der optischen Spezialgeräte hält Georg seinen Betrieb immer auf dem neuesten technischen Stand. Alle Geräte, mit denen Augen getestet oder Linsen gepflegt werden, wechselt er alle zwei Jahre aus. Wobei er immer den neuesten technologischen Trends folgt.


Seine neueste Anschaffung auf diesem Gebiet ist das TOPCON Maestro 3D, ein Gerät für die optische Kohärenztomographie, die er Ende letzen Jahres erwarb. Damals war es das erste Gerät dieser Art in Europa, und nach wie vor ist es das erste auf Ibiza. Man kann damit vergrößerte, farbige Bilder des Augenhintergrunds in hoher Auflösung erstellen. So können diverse Augenkrankheiten wie das Glaukom (grüner Star), die Degeneration der Makula oder Retinaschäden schon im Frühstadium erkannt werden. Und noch besser: Sogar das Erkrankungsrisiko kann in manchen Fällen bis zu drei Jahre im Voraus entdeckt werden. Im Preis inbegriffen ist ein amtlich bescheinigtes, schriftliches Gutachten von Augenspezialisten in Barcelona, die entsprechende Daten online überprüfen. „Das Auge ist eine Mikrowelt in Form eines kleinen runden Balls. Sobald es auch nur ein wenig aus der Balance gerät, kann dies zu fatalen Kettenreaktionen führen. Das 3D OCT-Gerät garantiert Sicherheit. Dieser präventive Gesundheitscheck der Augen kann durchgeführt werden, ohne lange auf die Ergebnisse warten zu müssen“, erklärt Georg.

Was mit einem kleinen Loch oder einer Träne in der Retina beginne, könne beispielsweise zu einer Netzhautablösung und letztendlich zum Sehverlust führen. Die gute Nachricht ist, dass man viele dieser Erkrankungen nur mit Injektionen oder Zusatzmineralien bekämpfen kann, sofern man sie frühzeitig erkennt. Georg, der oft von Privatpatienten konsultiert wird, hält die Preise bewusst im Rahmen. „Wenn es um die Gesundheit geht, ist Prävention immer besser als spätere langwierige Behandlungen. Das ist unsere Hauptmotivation“, resümiert er. •