AUSGABE: April - Juni 2014

Zusammenarbeit von lokalen Biohöfen

Von Cat Weisweiller
Ab dem 30. April werden zwei der wichtigsten Biobauernhöfe, Can Parades und Can Muson, ihre Kräfte vereinen. ibiCASA nutzte die Gelegenheit, um die Partner zu besuchen und mit ihnen über diese spannende Zusammenarbeit zu sprechen.

Toni Riera Tur von Can Parades in San Miguel ist auf Ibiza geboren und aufgewachsen. Und es ist das Land in unmittelbarer Umgebung seines Elternhauses, das er von einem bescheidenen heimischen Gemüsegarten in ein großflächiges, liebevoll betreutes Ackerland verwandelte. All seine Produkte erfüllen Biostandard, er verwendet selbstverständlich keine künstlichen Dünger, keine Pestizide und keine genetisch veränderten oder bestrahlten Samen oder Setzlinge.

Früher verdiente Toni seinen Lebensunterhalt als Händler und nichts lag ihm ferner, als sich in die Biolandwirtschaft zu stürzen. Aber dann kam der Moment, an dem seine Ex-Frau Karen auf der Bildfläche erschien. Sie war gerade von ihrer Heimat Amerika nach Ibiza übergesiedelt, samt ihrer neu entdeckten Begeisterung für organische Produkte. Schnell erwärmte sich auch Toni für das Konzept. Kurz darauf verschrieb er sich voll und ganz der Biolandwirtschaft und versorgte seine Kunden aus allen Ecken der Insel – zu Beginn vor allem Ausländer. Seit zehn Jahren ziehen seine beliebten Marktage (Dienstag- und Samstagvormittag) durchschnittlich mehr als hundert Menschen an. Toni ist für seinen herzlichen Umgang mit seinen Kunden bekannt und für seine klugen Initiativen, mit denen er sie zur Kollaboration anregte. So konnten seine Kunden beispielsweise in den Kauf von Legehennen, Weinstöcken oder Obstbäumen investieren, um im Gegenzug mit Naturalien versorgt zu werden. In Höhe ihrer Investition.


Kürzlich hat Toni, der mit seinen Eltern, seiner Freundin und zwei kleinen Kindern zusammenlebt (2 und 5 Jahre), eine wichtige und befreiende Entscheidung getroffen: Er will sein Leben vereinfachen und seinem Privatleben und seiner großen Leidenschaft, dem Bootfahren, mehr Zeit widmen. Am 29. April wird er deshalb seinen Hofladen zum letzten Mal öffnen. „Ich habe dreizehn Jahre lang sechs Tage in der Woche gearbeitet, es ist Zeit Prioritäten zu setzen“, erzählt er. Aber was wird dann aus seinen Stammkunden?
Hier tritt María Marí Colomar von der Finca Can Muson auf den Plan. Toni wird auch weiterhin mit Enthusiasmus sein Obst, seine Salatköpfe und sein Gemüse ernten, all seine Produkte wird er an Maria liefern, die sie dann gemeinsam mit Karen ausliefern und verkaufen wird. Seine Kunden werden die gleichen Produkte erhalten wie in den letzten Jahren, zu den gleichen Bedingungen und Preisen. Und Maria wird das Angebot zusätzlich durch ihre großartigen Produkte bereichern: Wie Biofleisch, Käse, Marmeladen, Brot, Kuchen, Wein und Kräuterlikör. Maria ist Präsidentin des Biobauernverbands Ibiza und betreibt selbst einen lizenzierten Biobauernhof, der wie alle anderen einer strengen halbjährlichen Kontrolle unterliegt. Zweifelsohne ist sie die perfekte Person, um Tonis Kunden zu übernehmen. Das gesamte ökologische Fleisch, das sie verkauft, stammt zu 100 % von heimischen Rassen, die anerkannt sind, den Fortbestand von uralten Tierrassen zu erhalten. Dieses Fleisch ist nicht nur geschmackvoller und gesünder, es unterstützt und bewahrt zudem die lokale Produktion.


Ebenso wie Toni kam Maria auf ungewöhnliche Weise zu ihrem Biohof. Auch sie ist auf Ibiza geboren und aufgewachsen, mehrere Jahre lang führte sie einen Dekorationsladen samt Outlet in Santa Eulària. An einem schicksalhaften Tag schlug ein Kunde ihr vor, ihn am Nachmittag zu einem Kurs über den Anbau von Biogemüse zu begleiten. Völlig desinteressiert fragte sie ihn überrascht: „Warum sollte ich das tun, was hab ich davon?“ Darauf erhielt sie eine einfache Antwort: „Komm einfach mit und hör zu.“ Sie ging nach Hause, dachte über diese Worte nach und stellte fest, dass „zuhören“ nicht zuviel verlangt war und dass dieser Vorschlag ihre Neugier geweckt hatte. Und so fand sie sich am Nachmittag in diesem Kurs wieder – ein Moment, der ihr gesamtes Leben verändern sollte. Die Menschen, die sie traf, berührten und bewegten sie, sie waren ruhig und friedvoll, ganz anders als die Kunden, die sie jahrelang in ihrem Laden bedienen musste, die immer in Eile waren und nicht selten auch aggressiv. Als sie den Kurs verließ, dachte sie: „Warum ändere ich mein Leben nicht, dann kann ich immer mit solchen Menschen zusammen sein.“ Kurz darauf übergab sie das Geschäft an eines ihrer drei erwachsenen Kinder und sie widmete sich ab sofort ihrem Zuhause, der Aufzucht von Tieren und dem Anbau von Bioprodukten.


Sechs Jahre später hat sich Can Muson längst einen Namen gemacht. Der Hof samt Laden liegt nicht weit von Santa Eulària entfernt und ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Zudem werden Hofführungen und inspirierende Kurse für Kinder und Erwachsene angeboten. Gerne gibt Maria ihre Leidenschaft und ihr Wissen weiter, denn auch ihre Begeisterung für die Biolandwirtschaft entstand aus einer zufälligen Begegnung. Wunderbar ist, dass alle ehemaligen Kunden des Can Parades die gleichen Produkte werden genießen können wie zuvor. Maria wird noch mehr Menschen motivieren können, und Toni kann sich den lang gehegten Traum erfüllen, sich eine wohlverdiente Auszeit zu gönnen. Eine Zusammenarbeit, von der beide Parteien sicherlich profitieren. •