AUSGABE: Februar - April 2013

Leben ohne Gluten

Text: Cila Warncke
Was ist Gluten?

Vielleicht haben Sie auf Lebensmittelverpackungen schon einmal den Vermerk „Ohne Gluten” gesehen und sich gefragt, was dieser Hinweis bedeutet. Gluten ist ein Protein, das im Weizen (auch im Dinkel und Kamut), im Roggen und in der Gerste enthalten ist. Sowie in allen anderen Produkten, in denen diese Getreidesorten vorkommen. Gluten besteht aus langen Molekularketten und gibt beispielsweise dem Brot seine charakteristische Konsistenz. Produkte wie Weizenmehl, die Lebensmitteln Konsistenz und Elastizität verleihen, werden deshalb oft genutzt, um Suppen, Soßen und Dressings anzudicken. Aufgrund dessen ist unser Ernährungsplan mit viel Gluten angereichert. Wenn Sie zum Frühstück Toast essen, zum Mittagessen ein belegtes Brötchen, zum Kaffee einige Kekse und zum Abendessen ein Nudelgericht samt Bier, dann haben Sie in allen Mahlzeiten Gluten zu sich genommen. Aber leider ist unser Verdauungssystem nicht in der Lage, das Gluten zu verarbeiten, was ernste Gesundheitsprobleme verursachen kann.

Gluten-Intoleranz

Menschen mit einer Gluten-Intoleranz können zum Beispiel einige oder aber auch alle Symptome einer Verdauungsinsuffizienz entwickeln. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Autoimmunstörung, die durch Gluten ausgelöst wird. Allerdings gibt es keinen spezifischen Test, mit dem diese Unverträglichkeit nachgewiesen werden kann. Häufig vorkommende Beschwerden sind Blähungen, Durchfall, Krämpfe und Übelkeit, sowie Stimmungsschwankungen, Migräne, geschwollene Gelenke und Hormon-störungen. All diese gesundheitlichen Probleme entstehen, weil der Körper das Glutenprotein nicht verarbeiten kann. Wer also an einem oder mehreren dieser Symptome leidet, sollte glutenhaltige Lebensmittel wenigstens für einige Wochen aus seinem Ernährungsplan streichen, um zu sehen, ob eine Besserung eintritt. Egal, ob man an einer Verdauungsinsuffizienz oder an einer Gluten-Intoleranz leidet, wer seinen Gesundheitszustand dauerhaft verbessern will, muss aufhören Gluten zu essen.


Vorsicht bei verstecktem Gluten

Das größte Problem bei einer Ernährungsumstellung sind die verborgenen Glutenproteine in unseren Lebensmitteln. Es ist leicht, Brot, Nudeln, Gebäck und Getreideflocken aus dem Ernährungsplan zu streichen, aber wussten Sie, dass auch Sojasoße, Malzessig und Getreide-Chips Gluten enthalten? Es taucht auch unerwartet in der Schale von in Honig gerösteten Erdnüssen auf, in Lakritze, in Salat-Dressings und in Mikrowellen-Gerichten. Einige Aromastoffe in Kartoffelchips und Süßigkeiten enthalten Gluten, ebenso alkoholische Getränke wie Bier und Whisky und viele Kosmetikprodukte wie beispielsweise Lippenstifte. Wer also an einer Verdauungsinsuffizienz oder einer Glutenintoleranz leidet, sollte sorgfältig alle Informationen auf den Verpackungen studieren, bevor er etwas isst oder auf seine Haut aufträgt. Das Logo „Ohne Gluten” ist eine nützliche Hilfe bei der Wahl unserer Lebensmittel. Aber diese Angabe ist nicht obligatorisch, deshalb ist es sinnvoll, alle Zutaten selbst zu prüfen. Auch in Restaurants ist es unüblich, auf das Gluten in den Gerichten hinzuweisen, deshalb sollte man sich über die Inhaltsstoffe der Speisen informieren, um sicherzugehen.

Auf Gluten verzichten

Eine glutenfreie Ernährung verändert das Leben einschneidend. Denn man muss Hauptnahrungsmittel wie Brot und Nudeln, Kuchen oder ein kaltes Bier aus seinem Alltagsleben streichen. Außerdem sollte man damit beginnen, auf Fertigprodukte zu verzichten und auf frische Nahrungsmittel umzusteigen. Verstecktes Gluten findet sich nämlich vor allem in den Zutatenlisten von Dosensuppen, Würzstoffen oder Fertigsoßen. Wenn Sie solche Produkte vermeiden, gehen Sie auch dem Gluten aus dem Weg. Gleichzeitig reduziert man den Konsum von Salz, Zucker, künstlichen Süß- und anderen Zusatzstoffen. Eine einfache Faustregel ist, nur in den Abteilungen des Supermarktes einzukaufen, wo es frische Waren gibt, wie am Gemüse- und Obststand, an der Fleischtheke oder der Ecke mit den Molkereiprodukten. Vermeiden Sie die Gänge, wo die Fertig-Lebensmittel in Dosen, Schachteln oder anderen Verpackungen auf Sie warten. Noch besser ist: Kaufen Sie Ihre Waren beim Obst- und Gemüsehändler Ihres Vertrauens, Ihr Fleisch in der Schlachterei und so weiter. So kann man nicht nur der Versuchung widerstehen, Fertiggerichte einzukaufen, gleichzeitig unterstützt man auch die lokalen Händler und Produzenten.


Was Sie essen können …

Wer ohne Gluten leben will, muss nicht hungern, das ist die gute Nachricht. Auf Ibiza gibt es viele wunderbare Lebensmittel, und es kann nicht schaden, den Gemüse- und Obstanteil in seiner Ernährung zu erhöhen. Zudem kann man frisches Fleisch, Fisch, Geflügel, Meeresfrüchte, Käse, Joghurt, Reis, Kartoffeln und Süßkartoffeln genießen. All diese Lebensmittel sind mit vielen Nährstoffen versehen – und sie sind außerdem glutenfrei. Wer dann noch Oliven, Nüsse, Samen und Avocados in seine Ernährung integriert, der reichert seine Mahlzeiten mit einem guten Aroma, einer guten Textur und gesunden Fetten an. Schokolade und Eis sind übrigens auch glutenfrei, vorausgesetzt sie beinhalten keinen Biskuit-Teig. Und wer gerne Alkohol trinken möchte, sollte sich daran erinnern, dass beispielsweise Wein, Gin oder Rum glutenfrei sind.

Mit etwas Kreativität kann man sogar seine Lieblingsgerichte neu gestalten. In vielen Geschäften bekommt man Nudeln aus Reis oder Mais, und in einigen Supermärkten gibt es sogar leckere glutenfreie Tiefkühl-Pizza. Etwas schwieriger ist es, auf Ibiza glutenfreie Backwaren zu kaufen, wer selbst welche herstellen möchte, findet im Internet viele Rezepte. Und in den meisten Bioläden gibt es glutenfreies Mehl, das aus Reis, Mandeln oder Tapioka hergestellt wurde. •