AUSGABE: Oktober - Dezember 2013

Meditation, eine wertvolle Technik für Kinder

Text: Cat Weisweiller

Für viele ist die Meditation eine kraftvolle Lebenshilfe, die sie meist erst in einem späteren Lebensabschnitt kennenlernen. Doch dank des Bewusstseinswandels, der sich überall auf dem Planeten bemerkbar macht, hat die jüngere Generation erkannt, dass den Geist beruhigende Meditationstechniken schon in frühem Kindesalter von unschätzbarem Wert sind.
 
Zweifelsohne haben Kinder von Natur aus einen chaotischen Geist, in dem grenzenlose Träume, Erfindungen und Pläne um die Wette rennen. Hinzu kommt, dass sie heutzutage in eine Welt modernster Cyber-Technologien hineingeboren werden. Jeder Haushalt verfügt über unzählige hochtechnische Geräte der sozialen Medienkommunikation, die den Geist verwirren können. Egal, ob iPads, iPods, hochauflösende Fernseher oder Nintendos oder andere. Daraus resultiert, dass unser Leben geschäftiger und schneller ist als jemals zuvor. Unsere Existenz wird bestimmt von einer „Macherkultur“, die sich nur noch daran orientiert, was man erreicht oder besitzt – und wie man dieses Königreich der Supertechnologie beherrscht. 
 
Kurzum, all unsere Sinne werden überflutet. Daraus erwächst die Notwendigkeit, regelmäßig zu meditieren und zu entspannen. Dies gilt nicht zuletzt für Kinder. Wenn Kinder überstimuliert sind, was in unserer modernen Gesellschaft häufig der Fall ist, wird ihnen ein fundamentales Bedürfnis geraubt: Sie dürfen nicht einfach mehr sein wie sie sind. Meditation bringt dieses Ungleichgewicht in die richtige Balance, sie eröffnet Kindern die Möglichkeit, wieder in ihr ureigenes Wesen einzutauchen. Meditation kann für sie ein innerer Fluchtpunkt sein und dazu beitragen, ihre Welt, die von einer endlosen lärmenden Geschäftigkeit bestimmt ist, zu beruhigen.
 

 
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass sich Kinder in diesen Momenten, in denen sie einfach in die Leere starren und Tagträumen nachhängen, womöglich nach diesem natürlichen und notwendigen Meditationsstadium sehnen? Und tatsächlich belegt der Jahresbericht „Stress in Amerika“, der von der American Psychological Association veröffentlicht wurde, dass eins von fünf Kindern sehr besorgt ist über das, was in seinem Leben vor sich geht. Und mehr als 30 Prozent der befragten Kinder gaben zu, dass sie unter Stresssymptomen wie Schlaflosigkeit leiden. Ein weiteres überraschendes Ergebnis dieses Berichts ist, dass sich nur acht Prozent der Eltern überhaupt darüber bewusst waren, dass ihre Kinder unter Stress standen.
 
Glücklicherweise gibt es diverse Initiativen, die sich dafür einsetzen, Meditationstechniken schon früh in das Leben von Kindern zu integrieren. Ein Beispiel ist das Erziehungsprogramm MindUP, das von der Schauspielerin Goldie Hawn ins Leben gerufen wurde und viel Beachtung fand. Dieses System wurde von zahlreichen Bildungseinrichtungen begeistert begrüßt und es inspirierte über 150.000 Kinder auf der ganzen Welt, „bewusste Atempausen“ einzulegen. „Wir bringen Kindern bei, geistige Ruhepausen zu machen, denn jedes Gehirn benötigt Pausen. Und wir wissen, dass Meditation das Gehirn stärkt. Unsere Kinder lernen Aufmerksamkeits- und Entspannungstechniken deshalb schon sehr früh, damit sie ihr ganzes Leben lang davon profitieren können“, erklärt Goldie Hawn.
 

 
Bevor Goldie Hawn dieses Projekt ins Leben rief, sammelte sie viele Erfahrungen. Ihr Programm basiert auf Studien über die Gehirnfunktionen, bei denen Neurowissenschaftler, Verhaltenspsychologen und Erzieher zehn Jahre lang zusammenarbeiteten. Goldie schrieb sogar einen Ratgeber, um diese Bewegung auf globaler Ebene bekannt zu machen: „10 Mindful Minutes: Giving Our Children – and Ourselves – the Social and Emotional Skills to Reduce Stress and Anxiety for Healthier, Happy Lives.“ Sie und viele andere ließen sich von den unwiderlegbar positiven Effekten überzeugen, die Meditationstechniken bei Kindern auslösen. Sowohl auf der emotionalen als auch auf der kognitiven Ebene.
 
Auch eine Studie der Universität Kalifornien kommt zu dem gleichen Schluss. Denn man stellte fest, dass sich das Verhalten von Schulkindern eindeutig verbesserte, nachdem sie acht Wochen lang, zweimal wöchentlich eine halbe Stunde meditiert hatten. Diese Kinder schnitten bei Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Fokussierungstests weitaus besser ab als zuvor. Eine andere Studie, die in San Francisco mit 3000 Schulkindern durchgeführt wurde, unterstreicht, dass meditierende Schulkinder im Durchschnitt bessere akademische Leistungen abrufen können. Obendrein fielen weitaus weniger Kinder durch die Examen, es gab weniger Schulverweise und Schulabbrecher. Weitere aktuelle Studien belegen, dass Achtsamkeitstechniken nützlich sind, um die Emotionen zu kontrollieren, die Impulsivität zu mildern und den Stress zu lindern. Vor allem Meditation,Yoga oder Tai Chi bewährten sich.
 
Unzählige Eltern überall auf der Welt können sich nicht irren, wenn sie „geistige Pausen“ in das Alltagsleben ihrer Kinder integrieren. Denn einige gemeinsam verbrachte Momente am frühen Morgen, in denen man still zusammensitzt und sich nur auf seinen Atem konzentriert, können dabei helfen sich besser zu erden. Sie können eine gute Basis für den Start in den Alltag sein, der vor allem durch die hohen Anforderungen des 21. Jahrhunderts geprägt ist. •