AUSGABE: Oktober - Dezember 2013

Guarana – Live-musik und tanz das ganze jahr über

Text: Cat Weisweiller

Das Guarana ist eine Bar in Santa Eulalia, die seit fast zwei Jahrzehnten existiert. Wir trafen den Chef des Lokals, Alex Picazo-Arias, um mit ihm über die Geschichte seines Live-Musik-Clubs und zukünftige Pläne zu sprechen.
 
Alex wurde 1976 in Valencia geboren. Als er zwei Jahre alt war, ließen sich seine Eltern auf Ibiza nieder, mit ihm und seinen beiden älteren Brüdern im Gepäck. Er erinnert sich noch gut an seine ersten Schuljahre in den mit Pinien bewachsenen Bergen von San Antonio, dort konnte sich seine Kreativität bestens entfalten. Später, als er bereits in der Sekundarstufe war, malte er preisverdächtige Bilder, schlug sich hervorragend in Schachturnieren und entwickelte seine Liebe und Leidenschaft zur Musik. Inspiriert von progressiver und psychedelischer Musik, wie der von Pink Floyd, lernte er schon früh Gitarre spielen. Später tourte er mit diversen Bands über die Insel.
 

 
Nach seinem Schulabschluss sammelte er Erfahrungen in der Restaurationsbranche. Kurz darauf entschied er sich, sein unternehmerisches Interesse, sein gastronomisches Know How und seine Liebe zur Musik zu verbinden – und auf ein Immobilienobjekt im Hafen von Santa Eulalia zu konzentrieren. Das Lokal war seinem Vater, der einen großen Teil des Hafens gebaut hatte, 1996 geschenkt worden. Als Gegenleistung für die Arbeit, die er geleistet hatte.
 
Die Familie musste das Gebäude renovieren, bevor die erste und einzige offizielle Live-Musik-Bar in Santa Eulalia eröffnet werden konnte: das Guarana. Allerdings ließ sich das Rathaus bei der Erteilung der Live-Musik-Lizenz viel Zeit, man machte sich Sorgen, dass der Club die Nachbarn stören könnte. Dennoch eröffnete das Guarana noch im gleichen Jahr, mit Resident DJ Matt Caseli an den Turntables, der mit Electro und Garage die Underground-Szene anlockte. Schnell akzeptierten die Jugendlichen aus der gesamten Region den neuen Partyplatz, denn hier konnte man bis in die frühen Morgenstunden wunderbar abfeiern.
 

 
Im Jahr 2000 war dann endlich die größte Hürde genommen, das Guarana erhielt seine Live-Musik-Lizenz. Dieser Umstand inspirierte Alex, das Lokal neu zu gestalten, um vom Underground-Ambiente ins soziale Spotlight wechseln zu können. Nach dem Umbau stand jeden Sonntag Live-Musik auf dem Programm. „In dieser Zeit wurde sonntags am frühen Abend meist nicht viel angeboten, aber alle Restaurants in der Umgebung waren mittags gut besucht. So machte es Sinn, diese Lücke zu füllen und „After-Lunch-Sessions“ anzubieten“, erklärt Alex. So konnten seine Gäste nach dem Mittagessen ein wenig feiern, aber trotzdem früh genug ins Bett kommen, um am Montag für die Arbeit fit zu sein. Für seine Events suchte Alex unermüdlich nach guten europäischen Bands, auch der algerische Musiker Amar Sundy, der in Paris lebte, oder die bekannte spanische Band Los Reyes del K.O traten bei ihm auf.
 
Die sonntäglichen Veranstaltungen hatten Erfolg, deshalb wurden sie auch an Wochentagen veranstaltet, und gerne engagierte Alex Musiker, die DJ-Sets begleiteten. Nicht selten spielte Multitalent Alex bei solchen Gelegenheiten selbst Gitarre. Alex gibt zu, dass er ein Workoholic ist, er habe immer höchste Ansprüche an sich selbst. Deshalb kaufte er 2009 das Restaurant neben seinem Lokal, renovierte es und eröffnete das „El Café”. Aber nach zwei Jahren musste er feststellen, dass es einfach unmöglich war, einen Nachtclub und ein Tages-Café gleichzeitig zu führen. Deshalb vermietete Alex das Restaurant, und ein Jahr später auch die Bar, denn er brauchte dringend eine Auszeit. Nachdem er seinen Betrieb 15 Jahre mit Vollgas geführt hatte, sei er kurz vor dem Burnout gewesen, außerdem habe er mehr Zeit mit seinen Töchtern verbringen wollen, erzählt er.
 

 
Und so konzentrierte er sich ein Jahr lang voll und ganz auf seine Töchter Mareike, 15, und Mia, 5. Diese Zeit reichte ihm, um aufzutanken und sich mit frischer Energie in ein neues unternehmerisches Abenteuer zu stürzen. „Ich habe die Zeit mit meinen Töchtern sehr genossen, und hätte sie gegen nichts eintauschen wollen, aber 17 Jahre Guarana lassen sich nicht einfach wegwischen, nach meiner Pause war ich bereit für einen Neuanfang“, gibt Alex zu. Und so kehrte Alex in diesem Sommer zurück ins Geschehen, mit dem festen Vorsatz noch mehr Live-Musik anzubieten. Auch hat er sein Konzept verändert, denn während seiner Auszeit ist ihm klar geworden, dass sich ein gutes Unternehmen immer dem Wandel der Zeit anpassen muss. Ibiza verändere sich, es sei Aufgabe der Gastronomen und Unternehmer sich an die neuen Anforderungen und Gegebenheiten anzupassen, damit man auch ein anspruchsvolleres Publikum bedienen könne. Wer in dieser Branche überleben wolle, müsse sein Angebot ständig verbessern und attraktiver machen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
 
Und weil Alex sich mit der Live Musik eng verbunden fühlt, hat er seinen DJ-Club in eine perfekte Bühne für Live-Auftritte verwandelt. In diesem Sommer hatte das Guarana täglich von 20 bis 6 Uhr morgens geöffnet. Mit Live-Musik. Von donnerstags bis sonntags legte außerdem sein Resident-DJ Tom (alias Mr Squid) auf, als kleine Hommage an die frühere Underground-Ära. Aber der Sound hat sich verändert, die elektronische Musik im Guarana ist gereift – ebenso wie Alex – und heute wird ein eklektischer Mix aus Surf- und Retro Funk, Vocals, Latin und Jazz House aufgelegt. Seinem Stil ist Alex dennoch treu geblieben.
 

 
In diesem Winter wird das Guarana jeden Abend Live-Musik bieten, es darf natürlich getanzt werden. Das Programm ist speziell abgestimmt auf Einheimische und ausländische Residenten, die in angenehmem Club-Ambiente die besten Musiktalente der Insel kennenlernen können. Egal, welcher Nationalität sie sein mögen. Auch die preisgekrönte, heimische Band La Mala Hierba wird auftreten. So haben die Insulaner das ganze Jahr über – aber vor allem in den langen Winternächten – die Möglichkeit, bis in die Morgenstunden bei guter Musik zu feiern und zu tanzen.
 
Für Alex ist klar, dass er weitermachen will. „In zwei Jahren werde ich mein halbes Leben dem Guarana gewidmet haben“, sinniert er am Ende unseres Gesprächs. Es sei erstaunlich, dass Ibiza die Kraft habe, sich immer wieder zu erneuern. „Wie ein Phönix“, meint Alex. Und als ich ihn fragend anschaue, erklärt er seine Metapher: In der griechischen Mythologie gilt der Phönix als langlebiger Vogel, der sich in Zyklen regeneriert oder wiedergeboren wird. Man assoziiere ihn mit der Sonne, ein Phönix erhebe sich aus der Asche seines Vorgängers. Deshalb könne man die Entwicklung der Insel mit diesem mythischen Wesen vergleichen. Ibiza sei gerade dabei, sich von einer Hardcore-Club-Insel in einen Platz zu verwandeln, der ein breiteres Spektrum abdeckt, urteilt Alex. Und es sieht ganz danach aus, als würden das Guarana und sein Chef den gleichen Weg gegen: Sich positiv weiterentwickeln. Denn das Guarana ist auch mit neuem Konzept immer noch ein Lokal, in dem man gute Musik hören und gleichzeitig aufregende Nächte verbringen kann. •