AUSGABE: August - Oktober 2013

Das musikalische Genie des Ohm-G

Text: Cat Weisweiller
ibiCASA hatte das Vergnügen mit einer schillernden Inselpersönlichkeit zu sprechen, dem gefragten Produzenten, Komponisten und DJ Olaf Gutbrod, alias Ohm-G.

Ohm-G wurde 1961 in Tübingen geboren und wuchs auch dort auf. Als Kind der Love & Peace-Generation betrachtete er die Gesellschaft mit Skepsis: „Die Leute waren immer vollauf beschäftigt und hatten viel Geld, aber es fehlte ihnen an Zeit, ihren Wohlstand zu genießen. Für mich machte das keinen Sinn. Schon früh kam ich zu dem Schluss, dass ich nach etwas anderem streben wollte“, erinnert er sich. 
Und so erweiterte Ohm-G seinen Horizont und entschied sich für eine intuitivere und bewusste Existenz. Für ein Leben, das der weiten Welt der Musik gewidmet war. Schon immer spielte die Musik eine wichtige Rolle in seinem Leben, und auch heute leitet sie ihn bei allem, was er tut. Seine beiden älteren Schwestern und das Familienradio sorgten dafür, dass Jimi Hendrix und die Beatles einen entscheidenden Einfluss auf seine musikalische Entwicklung hatten. Später waren es italienische Radio-Hits, die ihn begeisterten.
Schon als 19-Jähriger war Ohm-G auf dem besten Weg zu einer lebenslangen musikalischen Karriere. Seit Anfang der 1980er spielte er in der Punk-Jazz-Band Gutbrod Attack Gitarre und Keybord, in München gründete er sein erstes Studio, das Red Light Studio. Er begann mit Sounds zu experimentieren, eine Leidenschaft, die er weiter ausbaute und die ihm bald mehr Freude bereitete als seine Live-Auftritte. Kurz darauf komponierte er bereits Soundtracks für Filme, Dokumentarberichte und Theaterstücke. Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit großen Verlagen, darunter Warner/Chappell und BMG, machte er sich einen Namen im Bereich Chillout, Ambient und der experimentellen Musik. Für sich oder andere zu produzieren, bescherte ihm die Unabhängigkeit, die er sich wünschte. Seine musikalische Richtung stand fest. Unwiderruflich.

Als der Manager der Eurythmics, Kenny Smith, ihm Mitte der 1990er anbot, mit diversen Musikern in London zu arbeiten, ging es noch einen Schritt vorwärts. Mit William Henshall (London Beat), Tim Bran (Dread Zone) und John Porter (Produzent von Roxy Music) produzierte und komponierte er, nahm Stücke mit ihnen auf. In dieser Zeit schrieb er außerdem Songs für die belgische Gruppe Vaya Con Dios.
Ab Anfang 2000 konzentrierte er sich vor allem auf seine eigene Musik, er veröffentlichte die Sample-CD Spiritual Voices, auf der er ethnische Sounds einfließen ließ, die er auf langen Reisen durch Afrika und Indien aufgenommen hatte. 2001 veröffentlichte das Label Jubilee Recordings sein erstes Album Future Ballads, auf internationaler Ebene. Viele Tracks dieses Albums sind auch auf anderen bekannten Compilations zu hören, wie beispielsweise auf CDs des Café del Mar oder Hôtel Costes. Und so nahm Ohm-G’s enge Beziehung zu Ibiza ihren Lauf. Alles begann mit der Millenniums-Silvesterparty, die er auf der Insel feierte, bald darauf verband ihn eine enge Freundschaft mit Bruno, dem Resident DJ und CD-Compiler des Café del Mar. Es folgten diverse gemeinsame Veröffentlichungen, zudem ist Ohm-G’s Musik auf vielen CDs des Café del Mar vertreten.

2002 zog Ohm-G ganz auf die Insel, in einem Bauernhaus bei Sant Miquel richtete er sein Zuhause und sein Studio ein. Im gleichen Jahr wurde sein zweites Album Pop-Art präsentiert. Kurz darauf beauftragte man ihn mit dem offiziellen Re-Mix des Blade Runner-Soundtracks Love Theme (von Vangelis), der unter seinem Nachnamen Gutbrod veröffentlicht wurde. 2005 präsentierte Ohm-G sein drittes Album Moments. Einige Monate später kam Brunos erstes Album Puzzle heraus, alle Tracks wurden von Bruno und Ohm-G selbst geschrieben und produziert. Viele dieser Tracks wurden in andere bekannte CDs wie z.B. Hôtel Costes übernommen.
2007 wechselte Ohm-G nahtlos vom Chill-out zur Dance-Music. Und auch außerhalb des Studios kam mehr Arbeit auf ihn zu. So sorgte er auf unzähligen exklusiven Privat-Partys für den guten Sound, zudem kreierte er die beliebte Atzaró Lounge, wo er acht Jahre lang als Resident DJ auflegte. Die Früchte dieser musikalischen Etappe sind auf den Atzaró Soundscapes Volumen 1, 2, 3 und 4 zu hören, auch diese wurden von ihm zusammengestellt und gemixt. 2010 produzierte er gemeinsam mit Stephen Russell (alias Barefoot Doctor) das Dance Meditations-Album Green Rabbit, das Ohm-G auf seinem eigenen Label EIVISSABEAT herausbrachte. Ebenso wie sein letztes Album Hulectric Soul, das 2011 auf den Markt kam. 2012 folgte The Best of Ohm-G bei Mole Listening Pearls.

Seit einem Jahr fokussiert sich Ohm-G wieder auf Live-Musik, so entwickelte er die audiovisuelle Show Night of Lights im Atza-ró, bei der die fernöstlichen Sounds des Musikers Bahramji mit Lichtprojektionen von Bamboo und feinfühliger Backgroundmusik von Ohm-G kombiniert werden. Von diesen audiovisuellen Leckerbissen hat das talentierte Trio übrigens noch mehr auf Lager, versichert Ohm-G.
Trotz seiner beachtlichen Erfolge, kommt man bei einem Gespräch mit Ohm-G schnell zu dem Schluss, dass seine spirituelle Lebensphilosophie über allem steht: „Musikalische Inspiration entsteht auf mystischer Ebene. Es geht nicht um mich, ich bin nur ein einfacher Übermittler, ein Verbindungsglied. Der Weg ist das Ziel, das ist mein wichtigstes Lebensprinzip. Erfolg bedeutet für mich, Reinheit zu bewahren, man muss auf sein Herz hören, nicht auf sein Ego.“

Dieses Jahr wird Ohm-G einmal wöchentlich, immer freitags ab 19 Uhr, als DJ im Elements in Benirràs auflegen. Außerdem wird er gemeinsam mit Bahramji auf Tour sein, mit dem B12 The Gallery Event Art and Fashion, Champagne and Caviar XXL. Diese kreative Party-Crew, die Live-Musik und DJing kombiniert, wird diesen Sommer an vielen Hotspots der Insel auftreten, unter anderem auch im Ushuaia oder im Hotel Pacha.
Außerdem wird Ohm-G zweifelsohne noch viele weitere audiovisuelle Feste auf der Insel organisieren und natürlich weiterhin an seinem aktuellen Studioprojekt Back to the Future feilen, bei dem House-Remix-Tracks von Jimi Hendrix, The Cure, Prince, Soft Cell, David Bowie oder den Rolling Stones eine wichtige Rolle spielen. „Ich bewege mich schon seit zwanzig Jahren in der Musikszene“, sagt er mir mit einem verwegenen Glitzern in den Augen. Diese Produktion, mit der er seinen frühen musikalischen Vorbildern und all den modernen musikalischen Einflüssen Respekt zollt, die sein künstlerisches Schaffen geprägt haben, wird er auf der Insel zweifelsohne triumphieren, davon bin ich überzeugt. •