AUSGABE: August - Oktober 2013

Im Hier und Jetzt sein

Text: Jerry Brownstein




 
„Das Geheimnis eines gesunden Geistes und Körpers liegt darin, sich nicht um die Vergangenheit oder die Zukunft zu sorgen, sondern weise und aufrichtig den Moment zu leben.“ - Buddha
 
Diese weisen Worte wurden im Laufe der Geschichte von vielen großen Meistern in die Welt getragen, aber was bedeutet es, den Moment wirklich zu leben? Es bedeutet, dass sich unsere Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt  konzentriert – und sich nicht verliert in Gedanken über eine ungewisse Zukunft oder nicht mehr zu ändernde Erlebnisse aus der Vergangenheit. Wenn Du den Moment lebst, stellst Du fest, dass die Vergangenheit und die Zukunft eigentlich nur Illusionen des Geistes sind und real nicht existieren. Das ist leicht zu verstehen, aber schwer in die Praxis umzusetzen, da unser Geist immer versucht, uns in die Vergangenheit zu ziehen. Oder wir verlieren uns in Zukunftsfantasien. Glücklicherweise gibt es zwei kraftvolle Werkzeuge, die uns helfen uns auf den jetzigen Moment zu konzentrieren: Dankbarkeit und Vergebung. Wer dankbar ist, dessen Geist driftet nicht in die Zukunft, wer vergibt, verhindert, in der Vergangenheit zu verweilen.
 
Die Praxis der Dankbarkeit sorgt dafür, dass man seine Aufmerksamkeit auf die guten Dinge richtet, die in unserem Leben im Hier und Jetzt geschehen. So muss man nicht in die Zukunft blicken, um Erfüllung zu finden. Der beste Weg, die Kraft der Dankbarkeit zu verstärken und zu zentrieren, ist, sie als einfache tägliche Praxis ins Leben zu integrieren. Sobald Du morgens aufwachst, denk an eine Sache für die Du dankbar bist. Halte den Gedanken für eine oder zwei Minuten fest, bevor Du aufstehst. Versuche, im Laufe des Tages an weitere Dinge zu denken, die Dich mit Dankbarkeit erfüllen. Du könntest beispielsweise dankbar sein für das warme Wasser der Dusche, das Aroma des Kaffees, den Gesang eines Vogels, die Farbe des Himmels, das Lächeln eines geliebten Menschen – oder was auch immer Dir wichtig ist. Soabld Du Dich auf die Dankbarkeit konzentriert hast, wirst Du erstaunt feststellen, dass es viele Dinge in Deinem Leben gibt, die Du schätzen solltest. Dinge, die Du vorher als normal betrachtet hast, werden eine neue positive Bedeutung erhalten, und Du wirst mehr Freude an den einfachen Dingen des Lebens haben. Ein weiterer guter Zeitpunkt, sich in Dankbarkeit zu üben, ist der Moment vor dem Einschlafen. Nimm Dir die Zeit, über all das nachzudenken, was Dir den Tag über widerfahren ist, und mach Dir klar wie viele Dinge Du erlebst hast, für die Du dankbar sein solltest. Dadurch wird das Gehirn vor dem Einschlafen darauf programmiert, sich auf die guten Dinge Deines Lebens zu konzentrieren – und Du wirst am nächsten Morgen mit positiven Gefühlen, voller Energie und mit vollkommener Präsenz in den Tag starten.
 

 
Genauso wie die Dankbarkeit Deinen Geist davor bewahrt in die Zukunft abzuschweifen, befreit Dich die Vergebung vor den Emotionen der Vergangenheit. Jeder hat im Laufe seines Lebens schmerzhafte Erfahrungen gemacht, die einem von anderen Menschen zugefügt wurden. Aber wer an Hass, Wut und Verbitterung festhält wird niemals wahres Glück empfinden. Denn das findet man nur, wenn man im Hier und Jetzt lebt. Du magst gute Gründe haben, über das verärgert zu sein, was „sie“ Dir angetan haben, aber wenn Du an den negativen Gefühlen festhältst, verletzt Du nur Dich selbst. Wie Nelson Mandela einst sagte: „An der Verbitterung festzuhalten, ist wie Gift zu trinken und darauf hoffen, dass dieses Gift Deinen Feind tötet.“ Die gute Nachricht ist, dass wir immer die Wahl haben: Wir können diese negativen Gefühle für immer mit uns herumtragen oder lernen, sie durch die Praxis der Vergebung loszulassen.
 
Denkt daran: Jemandem zu verzeihen bedeutet nicht, dass man dessen schlechtes Benehmen gutheißen würde. Es ist Deine freie Entscheidung, Vergebung walten zu lassen und Dich vom Schmerz der Vergangenheit zu befreien. Die Vergebung entschuldigt nicht die Fehler anderer Menschen. Eine gute Praxis der Vergebung ist, einen Brief an die Person zu schreiben, der man verzeihen möchte. Beschreibe jedes Detail der Situation und erwähne auch, warum die Geschehnisse Dir Schmerz und Leid bereitet haben. Denk daran, dass Du diesen Brief niemals abschicken wirst und nur Du ihn liest. So kannst Du der Ehrlichkeit freien Lauf lassen. Teile dem Menschen am Ende Deines Briefes mit, dass Du ihr oder ihm verzeihen willst, dann werfe den Brief ins Feuer. Durch das Aufschreiben der Situation werden die negativen Emotionen ins Licht der Achtsamkeit gerückt – und das Feuer des Vergessens wird den Rest erledigen.
 


 
Weitere Gründe, die uns davon abhalten im Hier und Jetzt zu leben, sind Schuldgefühle oder Wut über Dinge, die wir anderen in der Vergangenheit angetan haben. Indem wir diese Geschehnisse kontinuierlich wiedererleben, bleiben wir in der Negativität des Bedauerns verankert. Es gibt eine einfache, aber kraftvolle Vergebungsübung, um diese Form des Leidens loszulassen. Wann immer diese Gefühle in Dir hochkommen, halte für einen Moment inne, finde einen Moment der Stille, halte Deine Hände über den Bauch und sage zu Dir selbst: „In jedem Moment meines Lebens habe ich das Beste getan... gemessen an dem, was ich zu dem Zeitpunkt wusste.“
 
Vergeben hilft dabei, sich aus dem Gefängnis der Vergangenheit zu befreien. Und Dankbarkeit erinnert uns daran, dass die Schönheit des Lebens nicht in der Zukunft liegt, sondern in der Gegenwart. Beide Praktiken bringen Glück und Wohlbefinden in unser Leben, denn nur in der Gegenwart können diese positiven Eigenschaften gefunden werden. Eckhart Tolle drückt es so aus:
 

 
„Realisiere, dass in Deinem Leben nur das Hier und Jetzt existiert. Konzentriere Dich ausschließlich auf die Gegenwart.” •