AUSGABE: Februar - April 2013

Bewusste Ernährung

Texto: Ruth Osborn

 

Wenn wir uns bewusst ernähren wollen, müssen wir darauf achten, was wir essen, warum wir essen, wie wir essen und welchen Effekt die Nahrung auf unseren Körper und unsere Umwelt hat. Bewusste Ernährung ist essentiell für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, sie hilft beim Abnehmen und bei der Gewichtskontrolle. Gute Gewohnheiten müssen entwickelt werden, aber es lohnt sich. Denn unser Gesundheitszustand wird sich dauerhaft verbessern und Gewichtsprobleme reduzieren sich. Zudem lernen wir, unsere Nahrung mehr zu schätzen.
 
Euer nächstes Mahl solltet Ihr ohne Ablenkungen genießen. Ent-fernt Telefone, Fernseher oder Laptops. Konzentriert Euch nur auf das Essen. Wer sein Essen schätzen lernt, wird eine größere Befriedigung bei der Nahrungsaufnahme empfinden.
 
Lebensmittel versorgen unseren Körper mit der Energie und den Nährstoffen, die er zum Leben, Wachsen und Regenerieren benötigt. Aber nicht jedes Essen erfüllt dieses Ziel, denn oft essen wir in Situationen, in denen wir gestresst oder gelangweilt sind. Oder unser Essen dient als Belohnung. Auch in unserem sozialen Umfeld spielt Essen eine wichtige Rolle, oft nutzen wir üppige Festgelage als Ausrede, um über die Stränge zu schlagen. Das schadet unserer Gesundheit und behindert erfolgreiche Abnehmversuche. Sich bewusst zu machen, warum man isst, ist ein erster Schritt, um dieses negative Essverhalten zu verändern.
 
Vor dem Essen solltet Ihr Euch fragen, ob Ihr wirklich hungrig seid. Oder esst Ihr aus anderen Gründen? Erinnert Euch daran, dass Essen nur eine Funktion hat, es soll den Hunger stillen. Es hilft nicht bei Liebeskummer oder in Stresssituationen. Macht stattdessen lieber einen Spaziergang oder ruft einen Freund an.




 
Die Supermärkte sind voll mit Cornflakes, Soßen, Brausegetränken, Snacks, Tiefkühlpizzen und Fertiggerichten. Diese Lebensmittel führen uns in Versuchung, weil sie uns bequem und zweckmäßig erscheinen. Aber bei der Herstellung dieser Produkte hatten Gesundheitsaspekte keine Priorität. Man sollte deshalb einen kritischen Blick auf die Waren werfen, bevor man sie in den Einkaufswagen legt. Wenn wir darauf achten, was unsere Lebensmittel enthalten, können wir besser kontrollieren, was wir unserem Körper zuführen. Nur so werden wir Lebensmittel wählen, die unserer Gesundheit zuträglich sind. Statt für Fertigprodukte sollten wir uns für frische Waren entscheiden. Das kann man lernen. Also keinen Fertigsalat kaufen, sondern Kopfsalat, Gurken, Paprika und Tomaten. Statt abgepackter Pommes bieten sich frische Kartoffeln an, und statt Cornflakes sollten wir Haferflocken bevorzugen.
 
Beim nächsten Einkauf nehmt Euch die Zeit, um jedes Produkt genau unter die Lupe zu nehmen. Fragt Euch: Was ist es? Woher kommt es? Ist es ein Natur- oder ein Fertigprodukt? Was enthält es? Wählt Lebensmittel, die maximal fünf Zutaten enthalten oder weniger. Vermeidet Zusatzstoffe, die Euch nicht bekannt sind.
 
Oft essen wir zwischen Tür und Angel, im Auto, während der Arbeit oder beim Surfen im Internet. Diese Ablenkung sorgt dafür, dass wir dann mehr essen als notwendig. Wir bemerken es noch nicht einmal. Wenn wir uns wirklich aufs Essen konzentrieren, stellt sich das Sättigungsgefühl früher ein. Wichtig ist auch, dass wir unsere Nahrung gut zerkauen. Denn der Verdauungsprozess beginnt schon im Mund, hier beginnen die Enzyme mit der Teilung der Nährstoffe. Wenn wir nicht gut kauen, bereiten wir unserem Verdauungssystem mehr Stress. Nehmen wir uns mehr Zeit fürs Kauen, essen wir langsamer. Dadurch kann der Körper spüren, wann er gesättigt ist. So vermeiden wir Völlerei.
 
Beim Essen solltet Ihr in einer ruhigen Umgebung sitzen, nehmt Euch die Zeit, jeden Bissen zu genießen und zu schätzen. Esst langsam und zerkaut jeden Happen mindestens zwanzig Mal. Es sollte zu einer guten Gewohnheit werden, mindestens einmal am Tag bewusst zu essen.
 
Wenn wir darüber nachdenken, welche Wirkung unser Essen auf unseren Körper hat, ist es möglich, eine gesündere Auswahl zu treffen. Unsere Nahrung versorgt unseren Körper mit wichtigen Kohlehydraten, Fetten und Proteinen – mit all diesen Makronährstoffen, die er für den Energiehaushalt und die Regenerierung des Gewebes braucht. Außerdem werden unserem Körper Vitamine, Mineralien und andere wichtige Nährstoffe für den Zellaufbau  und die Organfunktionen zugeführt. Viele bekannte Krankheiten wie Diabetes, Herzleiden oder Krebs können durch die Ernährung ausgelöst werden. Wenn wir unser Essverhalten ändern, können wir viel für unsere Gesundheit tun und viele dieser Krankheiten vermeiden.
 



Hippokrates empfahl: „Die Nahrung ist Eure Medizin – und die Medizin ist Eure Nahrung.“ Bevor Ihr Euch also etwas in den Mund schiebt, denkt darüber nach, was es enthält und welche Wirkung es auf den Körper haben wird. Fragt Euch, ob es eine gute Nährstoffquelle ist. Beinhaltet es Vitamine, Minerale, ungesättigte Fettsäuren sowie komplexe Kohlendhydrate und Proteine? Oder ist es voller Zucker und/oder Trans-Fettsäuren, die Eurem Körper schaden? 
 
Bewusste Ernährung beinhaltet auch, dass man bei der Wahl der Lebensmittel auf deren Umwelteinfluss achtet. Man sollte deshalb wissen, woher die Nahrungsmittel kommen. Gut ist, wenn sie nur wenig oder gar nicht verpackt sind. Und wer lokale Produkte und Gemüse oder Obst der Saison kauft, trägt dazu bei, den negativen Umwelteinfluss der Nahrungsmittelproduktion zu verringern. Nebenbei unterstützt man sowohl die kleinen Betriebe als auch die heimische Wirtschaft. So wird das Wohlbefinden unserer Gesellschaft sogar im weiteren Sinne verbessert. Wenn wir bewusst darüber entscheiden, wie, was und warum wir essen, tragen wir langfristig zu einer verantwortlicheren Ernährungsplanung bei.

 

 
Wer mehr über bewusste Ernährung erfahren möchte, sollte diese Webseite besuchen: www.savorthebook.com. Oder lest das Buch „Mindful Eating, Mindful Life: Savor Every Moment and Every Bite“ von Thich Nhat Hanh und Dr. Lilian Cheung.