AUSGABE: Februar - April 2013

Nachhaltige Marktwirtschaft

Texto: Lua Gómez Moya


 

Die Weltkrise hat für ein Ungleichgewicht im Wirtschaftssystem gesorgt, gleichzeitig schafft sie aber auch Möglichkeiten für Wandel und Veränderung. Wenn wir Bilanz ziehen, zeigt sich, dass sich in unserem sozialen Miteinander bereits die ersten positiven Aspekte manifestiert haben. Einfache und praktische Marktmodelle, die auf Angebot und Nachfrage basieren, sind wieder im Trend. Ebenso wie nachhaltige und ökologische Systeme, bei denen das Geld nicht als Zahlungsmittel genutzt wird.
 
Zu Beginn der Menschheitsgeschichte beruhte alles auf dem Tausch von Waren und Produkten: Das, was man übrig hatte und nicht benötigte, gab man ab und bekam dafür Gegenstände, die einem fehlten. Über einen langen Zeitraum hinweg hielt sich diese einfache Methode. Das änderte sich erst, als man jedem einzelnen Produkt einen Wert zuordnete und das Geld einführte. So entstand das Handelssystem, das wir jetzt kennen.
 
Die Arbeitslosigkeit limitiert unsere Kaufkraft, aber sie fördert auch unsere Kreativität, regt unseren Überlebensinstinkt an und eröffnet uns eine Vielzahl von Möglichkeiten. Und letztendlich kehren wir zu diesem alternativen Handelssystem zurück, das es einst gab. Schon jetzt hat es sich in der ganzen Welt in vielen verschiedenen Varianten etabliert.
 
Früher hätte ein Bauer zum anderen gesagt: „Ich tausche ein Kilo Tomaten gegen ein Kilo Kartoffeln.“ Das passiert auch heute wieder. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen und ihre Produkte mit anderen austauschen. Ein einfaches Geschäft.
 
Was in kleinen Haushalten funktioniert, taugt auch für große Unternehmen. Die Idee wurde in den 1980ern in den USA geboren, große Firmen wie Gillette, Texaco, Time Warner oder Philip Morris führten den Tauschhandel als Unternehmenskonzept ein. Beispielsweise tauschten sie Werbung oder Überproduktionen, sie wickelten millionenschwere Transaktionen ab, ohne dass Geld floss. In der Zukunft könnte dieses System noch mehr Menschen als Lösung dienen.
 
Eine weitere Alternative sind Zeitbanken, bei denen man seine Arbeitskraft und Serviceleistungen anbieten kann. Jeder verfügt über ein laufendes Konto, auf dem die investierte Zeit gutgeschrieben wird. Das System ist einfach: Die Plattformnutzer teilen ihre Kenntnisse, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen, indem sie diese gegen Zeit eintauschen. Später wird die Zeit, die den einzelnen Mitgliedern für ihre Leistungen gutgeschrieben wurde, durch eine andere Aktivität oder eine Serviceleistung ausgeglichen, die sie benötigen. In Spanien gibt es bereits diverse Zeitbanken, auch auf den Balearen existiert eine. Sie wurden gegründet, um die Solidarität zu fördern, zudem werden sie von einem europäischen Sozialfond bezuschusst und von der balearischen Organisation für Lebensqualität gefördert. Weitere Informationen finden Sie unter:  
http://bdtmercadoecologico.blogspot.com.es
http://www.circulomaterno.org/p/banco-de-tiempo.html
Und über „Casal de Dones” in Ibiza:
Tel./Fax: 971 318 821
casal.dones@eivissa.es
bancdeltempseivissa@gmail.com
 
Übers Internet kann man kostenlose Kontakte mit Einzelpersonen oder Firmen knüpfen, die Produkte oder Serviceleistungen austauschen möchten. Auf Webseiten wie:
www.quierocambiarlo.com
www.truequear.com
www.truequeweb.com
www.trueques.com
gibt es Plattformen mit mehr als viertausend Mitgliedern, die sich am Gebrauchtwarenaustausch beteiligen. Dadurch können überflüssige Gegenstände abgegeben und von anderen weiterbenutzt werden. Und es gibt noch eine andere Branche, auf die sich das Tauschsystem anwenden lässt: der Immobilienmarkt. Das Motto lautet: „Dein Haus gegen mein Haus.“
 
Da es momentan schwierig ist, ein Eigenheim zu verkaufen, müssen wir uns auch in diesem Sektor neu erfinden. Der Tausch von Häusern oder Wohnungen ermöglicht es uns, eine Immobilie zu verkaufen und im gleichen Moment eine andere zu erwerben. Dadurch wird der Prozess des Kaufens und Verkaufens vereinfacht, eine schnellere Abwicklung ist möglich. Das spart Zeit und Geld. Nehmen wir einmal an, dass wir vor einigen Jahren ein Haus gekauft haben und jetzt aufgrund unglücklicher Umstände die Hypothek nicht mehr zahlen können. Wenn wir das Haus nach vorheriger Schätzung gegen eine bescheidenere Immobilie eintauschen könnten, hätten wir das
Problem auf alternativem Weg gelöst. Und je mehr das öffentliche Interesse wächst, umso mehr Tauschobjekte werden zur Verfügung stehen. Das System kann auch helfen, wenn wir in eine andere Stadt umziehen müssen. Denn dann wären wir gezwungen, unser Haus oder unsere Wohnung zu verkaufen und in der neuen Heimat ein anderes Objekt zu finden. Warum also nicht einfach mal schauen, ob eine andere Person in der gleichen Situation ist wie wir selbst? Aber in umgekehrter Richtung. Es wäre doch wunderbar, wenn wir unser Eigentum als Zahlungsmittel nutzen könnten, für ein neues Zuhause, das unseren Ansprüchen gerecht wird.
 
Es gibt diverse Webseiten, die sich auf den Austausch von Immobilien spezialisiert haben und die dafür sorgen, dass das Schild „Zu verkaufen“ durch „Zu tauschen“ ersetzt wird. Mehr erfährt man auf Webseiten wie: www.sepermuta.es,  www.loquo.com, www.idealista.com,  oder  www.teapetecemicasa.com.
 
Auch bei Urlaubsreisen können wir die Ferienwohnungen tauschen. Der Zeitraum wird zwischen den beiden Parteien festgelegt. Dies ist eine interessante Alternative für Reisende, die ihren Urlaubsort aus der Perspektive der Einheimischen kennenlernen möchten. Man kann sich direkt integrieren und ist nicht nur als Tourist unterwegs. Diese Art zu reisen hat zudem den Vorteil, dass man gleich mittendrin ist und auch einen Kontakt zu den Nachbarn aufbauen kann. Man sei bei diesen Reisen näher an der Realität, meinen diejenigen, die das Tauschsystem schon häufiger genutzt haben.
 
Falls eine Familie, die in Madrid lebt und New York kennenlernen möchte, sich beispielsweise die Flüge und die teure Unterkunft nicht leisten kann, besteht die Möglichkeit, New Yorker zu finden, die sich für einen Urlaub in Madrid interessieren. So können beide Parteien das Geld für die Hotelübernachtungen sparen. Und gleichzeitig hat man den Vorteil, sich an seinem Urlaubsort gleich heimisch zu fühlen. Viele Menschen haben mit dieser Methode schon sehr gute Erfahrungen gemacht. In einigen Fällen haben sich durch den Wohnungstausch sogar enge Freundschaften entwickelt, denn Vertrauen und Kooperation sind immer Voraussetzung. Die Idee wurde in England geboren, aber auch in Spanien wird dieses System immer beliebter. Mehr Information gibt es unter:
www.intercambiocasas.com
www.homeexchange.com
www.homeforhome.com  
www.spainlink.net
 
Das Tauschsystem beweist uns einmal mehr, dass nicht alles vom Geld abhängig ist. Zudem ist es eine Lebensart, die uns anderen Menschen näher bringt, uns neue Erfahrungen beschert und uns für den Wandel öffnet. Denn das Leben ist ein kontinuierlicher Austausch.