AUSGABE: August - Oktober 2012

Namaste & World Family Ibiza - Ein familienunternehmen

Text: Cat Weisweiller



„Namaste“, eine herzliche Grußform aus Indien, gab dem Event, das jeden Mittwochabend im Las Dalias stattfindet, den Namen. Egal, ob Urlauber oder Inselresidenten – die Besucher sind schon seit vierzehn Jahren begeistert. Wie der Name es schon andeutet, haben die Organisatoren während dieser beachtlichen Lebensspanne ihrer Veranstaltung unermüdlich daran gearbeitet, Freigeist, Wärme, Akzeptanz und Gastfreundschaft zu bewahren. ibiCASA hat sich mit den Organisatoren getroffen, um mehr über eines der beliebtesten nächtlichen Events der Insel zu erfahren.
 

 
Zwei der Initiatoren sind Alok und Merel, beide führten früher ein Leben mit völlig anderem Hintergrund: Die in Holland geborene Merel war Laufsteg-Model, der Spanier Alok war ein hochfliegender Immobilienmakler. Bis vor siebzehn Jahren, als sich ihre Wege auf Ibiza kreuzten. Nachdem sie dem Charme der Insel erlegen waren, entsagten sie dem Materialismus. Sie taten dies nicht aus freien Stücken, es erging ihnen wie vielen anderen, ihnen blieb keine Wahl, denn schnell hatten sie all ihre Rücklagen aus besseren Zeiten aufgebraucht. Aber sie waren ineinander verliebt und sie liebten Ibiza, deshalb gab es keinen Weg zurück. In den ersten Jahren lebten sie in einem indianischen Zelt, später in einem Wohnwagen am Strand von Benirrás, zudem fertigten sie Kunsthandwerk und verkauften es auf dem Hippiemarkt in Es Canar – alles mit drei Kindern im Schlepptau. Trotz der finanziellen Herausforderung und des komplett veränderten Lebensstils, waren sie nie glücklicher als in diesen Jahren.
 
Nur drei Jahre nach ihrer Ankunft auf der Insel mobilisierten sie alle Kräfte, gemeinsam mit ihrem engen Freund Belinda riefen sie Namaste ins Leben. Merel, die schon immer eine kreative Ader hatte, kümmerte sich gemeinsam mit Belinda um die heute schon legendäre Dekoration. In den ersten Nächten legte Alok die Musik auf, Merel kellnerte und Belinda, der dreißig Jahre in Indien verbracht hatte, betreute die Chai-Ecke. Das gesamte Mobiliar, für das dieser Abend mittlerweile berühmt ist, stammte aus Merels ehemaliger Wohnung. Bis dahin hatte sie alles eingelagert, weil es ihnen an Geld mangelte, um auf Ibiza ein Haus zu mieten. Nach den ersten drei Wochen schloss sich ein guter Freund, der Musiker Jon Michell, der kleinen Namaste-Familie an. Er kümmert sich seitdem um die Live-Musik, und bis heute ist es ihm immer gelungen, die Gäste mit seiner abwechslungsreichen Auswahl zu überraschen. Obwohl sie nicht blutsverwandt sind, betrachten Alok und Merel ihre Freunde Jon Michell und Belinda als Teil ihrer Familie. Und es gab noch viele andere wichtige Personen, die sich am Namaste-Management beteiligten. Man erinnert gerne an sie: „Die Namaste-Gruppe hatte im Laufe der Jahre viele wertvolle Partner, alles wundervolle, kreative Menschen, die mit ihrer Liebe und ihrer Kunst dazu beigetragen haben, dass Namaste zu dem werden konnte, was es jetzt ist.“
 

 
Glücklicherweise hat sich auch vierzehn Jahre nach der Gründung von Namaste nicht viel verändert: Drei der vier ursprünglichen Organisatoren sind noch dabei. Auch ihre Gesinnung ist die gleiche geblieben. Jede Nacht ist den Organisatoren so wichtig, wie es einst die erste Nacht war. Alok ist aufgrund seiner Beliebtheit immer noch als DJ im Gartenbereich tätig, Jon Michell lässt sich durch nichts bremsen, um eine größtmöglichste Auswahl an Live-Musikern zu engagieren. Der Trance-Room quillt über vor Teenagern, die ihre Party genießen, ohne dass ihre Eltern sie direkt kontrollieren – dennoch sind diese nah genug, um die Sicherheit ihrer Sprösslinge im Auge zu behalten. Auch für die weniger Energiegeladenen unter uns ist es möglich, diese exotische Veranstaltung mit ihrem gastronomischen Angebot, dem guten Sound und den vielseitigen Verkaufsständen zu genießen. Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass Merel sich immer noch liebevoll um die Dekoration kümmert. Allerdings betont sie sofort, dass Paveu, Kristian and Yahema, die ihr schon seit Jahren bei dieser Arbeit helfen, ihre größte Stütze sind: „Ohne sie würde die wöchentliche Namaste-Nacht nicht stattfinden.“
 
Einer der wesentlichen Veränderungen der letzten Jahre besteht darin, dass sich Merels und Aloks Familie beachtlich vergrößert hat. Mittlerweile haben sie sechs Kinder, dazu kommen diejenigen, die sie im weiteren Rahmen auf Ibiza zu ihrer Familie zählen. Alle sind auf gewisse Weise mit ihrem Familienunternehmen verbunden. Nicht zu vergessen Merels großartige Mutter Johanna, die ebenso lange wie Merel auf der Insel lebt und sich bestens in alle kreativen Familienabenteuer einfügt. Gemeinsam reiste diese eng miteinander verwobene Familie monatelang durch die entlegenen Ecken der Welt, sie überlebten sogar einen Tsunami.
 

 
Auf ihren jährlichen internationalen Reisen begeisterten sie sich für die Stickereien und Perlenarbeiten, die Wandteppiche, Stoffe und anderen Materialien der unterschiedlichsten Weltkulturen – diese inspirierten sie zu ihrer Modemarke World Family, unter der sie handgemachte Gürtel, Taschen, Schuhe und Klamotten anbieten. Alles wird von Merel entworfen. Und während andere Kinder mit ihren Nintendos aufwuchsen, hatten Aloks und Merels Kinder andere Hobbys: Sie nähten, stickten und zogen Perlen auf, um bei der Fertigung von Merels Kreationen zu helfen. Nichts desto trotz macht es den Eindruck, als hätten die ältesten Kinder, Goldie und Carlota, dies immer aus freiem Willen getan – und dass sie es bis heute immer noch gerne tun. Die Ergebnisse wurden bereits in Modemagazinen wie Vogue, InStyle, Hola oder Grazia publiziert und sie werden auf dem Markt im Las Dalias, in ihrer Boutique in San Juan und San Carlos sowie in Saint Tropez und Barcelona verkauft. Man kann wohl sagen, dass der Erfolg dieses seit acht Jahren existierenden Familienunternehmens es ermöglicht, soviel Arbeit und Zeit in das Namaste-Projekt zu investieren – eine gemeinschaftliche Anstrengung, die nur durch Liebe möglich ist. 
 

 
Aber was eigentlich macht Namaste so erfolgreich? Man könnte sagen, es ist das Gemeinschaftswerk einer harmonischen und leidenschaftlichen Familie, die sich mit Bescheidenheit und viel Herz um die Organisation dieser Nacht bemüht. Merel, Alok und Jon Michell sind glücklich, dass das neue Management des Las Dalias ihre Ideen unterstützt und ihre ethischen Grundsätze, ihre Visionen und ihre Begeisterung teilt – wer weiß, womöglich wird diese Konstellation dafür sorgen, dass Namaste in noch größere Höhen getragen wird als je zuvor… •