AUSGABE: Juni - August 2012

Dekorationsideen für Haus und Garten

Text: Cat Weisweiller - Interior photos: Conrad White



Laila Van Deurs lebt seit 35 Jahren auf Ibiza. Mit Innendekoration beschäftigt sie sich seit Mitte der 1980er, vorher studierte sie Modedesign. „Ich liebe Stoffe, und so war es eine natürliche Entwicklung, dass ich von der Mode auf die Inneneinrichtung ganzer Häuser umgestiegen bin”, verrät sie. IbiCASA besuchte ihren Showroom „Il Giardinetto Casa”, den sie seit 12 Jahren hat, um sich bei ihr über trendige Dekorationstipps zu informieren. 
 
Über viele Jahre hinweg hat Laila ihre Stoffauswahl ständig erweitert, und so erinnert ihr Showroom an eine Aladin-Höhle. Hier finden sich unter anderem Materialien der Designers Guild, Andrew Martin, Pierre Frey, Ybarra y Serret oder Malabar. Die edlen Stoffe kosten zwischen 20 und 400 Euro pro Meter. Man hat die Qual der Wahl – und weiß kaum, wo man anfangen soll. Aber wie bei vielen anderen Dingen, gilt auch hier: Je höher die anfängliche Investition, umso länger halten die Stoffe und umso länger hat man Freude an ihnen. Denn Qualität hängt auch vom Preis ab. „Wenn Sie Dekorationsstoffe für Ihre Möbel aussuchen, sollten Sie diverse Faktoren berücksichtigen. Handelt es sich um ein Vermietungsobjekt, müssen die Materialien vor allem strapazierfähig und waschbar sein. Wählt man sie für das persönliche Vergnügen aus, ist die Entscheidung für schönere, hochwertigere und teurere Materialien eine gerechtfertigte Genusssucht”, weiß Laila.
 
Einrichtungsstile werden wie die Mode von wiederkehrenden Trends beeinflusst. Muster oder Farben, die in der Mode aktuell sind, spiegeln sich bei der Inneneinrichtung wider. Blumendrucke seien beispielsweise wieder in, ebenso wie kräftige Farben. Auch die äußere Umgebung beeinflusse die Innendekoration. Auf Ibiza sei der städtische Look deshalb nicht gefragt, stattdessen würden viele Kunden den „Seaside-Look” bevorzugen, der vom Meer gebleichtes Holz mit weiß-rot oder weiß-blau gestreiften Leinenstoffen kombiniert.
 
Laila liebt es auch, alte Möbel aufzuarbeiten, indem sie diese mit dekorativen Mustern und speziellen Maltechniken verziert. „Viele Leute haben Häuser geerbt, die sie umdekorieren möchten. Sie möchten sie heller und frischer gestalten, aber trotzdem einige besondere Erinnerungsstücke integrieren. Durch eine phantasievolle Aufarbeitung dieser Andenken haucht man ihnen neues Leben ein”, verrät die Inneneinrichterin.
 
Da sie oft als Beraterin in Designfragen konsultiert wird, weiß sie um die Wichtigkeit jeder einzelnen Entscheidung, die ein Hausbesitzer trifft. Das reicht bis zur Auswahl der Gardinen. Man könne die Wichtigkeit solcher Details leicht unterschätzen – schnörkellose, überlange und breite Vorhänge aus schlichten Materialien könnten Räumen eine unglaubliche Tiefe und ein Gefühl von Weitläufigkeit verleihen, einen besonderen Touch von Magie und Opulenz.
 
Laila ist überzeugt, dass das gesamte Design auf einem einfachen Prinzip beruhen sollte: Im ganzen Haus sollte eine Stilrichtung respektiert werden. Begonnen bei den architektonischen Grundelementen, bishin zu feineren Details wie der Stoffauswahl. Alle Aspekte des Designs sollten die Persönlichkeit, die Lebensweise und die Bedürfnisse der Hausbewohner reflektieren. Sie sollen sich rundum wohl fühlen. „Wenn man dieses Ziel erreicht, lieben die Menschen ihr Heim so sehr, dass sie es gar nicht mehr verlassen wollen …”, sagt sie.
 
Auf der anderen Straßenseite vom „Il Giardinetto” befindet sich „Toldos Santa Eulalia”, mit denen Laila bei Dekorationsprojekten zusammenarbeitet. Chef Nicolai Floccari hat sich seit 1991 auf die Dekoration von Außenbereichen spezialisiert, auf den Schutz vor Regen, Sonne und Wind. Vor vier Jahren hat er das Unternehmen von seinem legendären, und kürzlich verstorbenen Vater Luciano übernommen. Schon seit seinem achtzehnten Lebensjahr hat er mit seinem Vater gearbeitet und dieser hat ihm das Handwerk beigebracht. Kein Wunder, dass Nicolai mit dem gleichen Enthusiasmus und der gleichen Fachkenntnis ans Werk geht wie sein Vater. 
 
„Bei der Außendekoration hält sich der Irrglaube, dass sich Markisen oder Sonnensegel nur für Restaurants oder andere kommerzielle Betriebe eignen. Oft sind unsere Kunden überrascht, wenn sie hören, dass wir zu achtzig Prozent für Privatkunden arbeiten und nur zu zwanzig Prozent für Geschäftsleute”, erklärt Nicolai. Diese Statistik belegt, wie sehr sich die Situation in den letzten Jahren verändert hat. Mittlerweile gibt es für die Außenbereiche hochwertige Designsysteme und elektronische Markisen mit eingebauten Sonnen-, Wind- oder Regensensoren. Selbst Licht, Heizung und Musikequipment können integriert werden. Erwähnenswert sind auch kombinierte Designkonzepte, die maximale Effizienz und visuelle Schönheit vereinen. Diese wetterresistente Technologie beschränkt sich nicht nur auf Markisen, sie eignet sich sogar für Car-Ports, Tipis, Rajasthan-Zelte, ausfahrbahre Umzäunungen, angebaute Gästezimmer, automatische Systeme für den Sonnenschutz an Fenstern oder überdachte Pergolas.


Bleibt anzumerken, dass das Angebot unbegrenzte Möglichkeiten bietet. Auch die Auswahl an Materialien ist umfangreich und reicht vom altbekannten Segeltuch bishin zu hypermodernem, mikroperforiertem PVC. Letzteres ist sowohl wasserresistent als auch atmungsaktiv. Es sorgt für Helligkeit und ist leicht zu waschen. Letzteres ist auf Ibiza besonders wichtig, da man ständig gegen Schlammregen oder Pollenstaub ankämpfen muss.
 
Während Nicolai mir Bilder von einer seiner Konstruktionen zeigt – dem größten Sonnensegel Ibizas – , erklärt er stolz, dass dieses Segel 216 Quadratmeter groß ist, aber nur von vier Pfosten gehalten wird.  Bei der Installation eines solchen Wetterschutzes seien Ästhetik und Unaufdringlichkeit ebenso wichtige Faktoren wie die Funktionalität, betont er. Es scheint, als habe sich die Dekoration von Außenbereichen mittlerweile zu einer Kunstform entwickelt. Und deshalb sollte sie auf jeden Fall immer Teil eines anspruchsvollen und weitsichtigen Einrichtungskonzeptes sein. •