AUSGABE: Oktober - Dezember 2011

TRANCE-TANZ
















Der schamanische Trance-Tanz ist eine uralte Methode, die von Eingeborenenkulturen wie den australischen Aborigenes und den Buschmännern der Kalahari über Zehntausende von Jahren genutzt wurde. In den vergangenen drei Jahrzehnten ist im Westen das Interesse an diesem Tanz stetig gewachsen. Tänzer, Psychologen und Therapeuten entwickeln Wege, um diese Praxis ins moderne Leben zu integrieren.
 
Das gewünschte Ziel eines Trance-Tanzes ist das Erreichen des „Shamanic State of Consciousness” (SSC), dem schamanischen Bewusstseinszustand. Der SSC eröffnet den Teilnehmern den Weg in eine innere Welt der Visionen und fördert andere Sinneswahrnehmungen, die sich völlig unterscheiden von unserer alltäglichen Erlebniswelt. Zu Beginn des Tanzes wird jedem Teilnehmer eine Augenbinde angelegt, dann startet eine ganz spezielle Trommelfrequenz, die eine Veränderung unserer Gehirnwellen anregt. Dies hilft den Teilnehmern dabei, in den schamanischen Bewusstseinszustand einzutreten.
 
Wilbert Alix, Gründer der modernen Trance-Tanz-Bewegung beschreibt es in wenigen Worten: „Stellt Euch eine Dunkelheit vor, die so intensiv und komplex ist, dass Du mit dem Herzen statt mit den Augen sehen musst.”
 
SSC hat rein gar nichts mit dem „Ordinary state of consciousness” (OSC) zu tun, dem normalen Bewusstseinzustand. In unserem Alltagsleben werden wir mit unkontrollierten Gedanken und Problemen überflutet, die mit dem rationalen Geist nur schwer zu sortieren und zu lösen sind. SSC ist ein Platz, an dem der Geist sich beruhigt und die Gedankenfrequenz abnimmt. Dies ermöglicht uns den Zugang zu größerer Weisheit und macht es leichter, Lösungen für die vielen Angelegenheiten unseres Lebens zu finden. Die Aufmerksamkeit, die wir dem Trance-Tanz entgegen bringen, steht in Wechselbeziehung zu dem Nutzen, den wir aus ihm ziehen. Überraschende Lösungen können hinsichtlich unserer Beziehungen, unserer Arbeit etc. auftauchen.
 
Wilbert Alix sagt:
„Schamanen empfinden ihren gesamten Körper als denkenden Organismus. Indem sie Körper und Geist gleichzeitig stimulieren, können Schamanen in Parallelwelten reisen, wo die Lösung von scheinbar unlösbaren Problemen möglich ist.”




Nicht nur die Lösung von scheinbar unlös-baren Problemen ist einer der wundervollen Vorteile des Trance-Tanzes, es gibt auch andere wichtige Gründe dafür, einige Zeit in einem schamanischen Bewusstseinszustand zu verbringen. Denn in unserem normalen Bewusstseinszustand tendieren wir dahin, uns getrennt von allem „Anderen” zu empfinden. Sei es von anderen Menschen, anderen Lebensformen oder von der Erde an sich. Wenn der Trance-Tanz uns in einen schamanischen Bewusstseinszustand versetzt, hören wir auf, uns getrennt zu fühlen. Wir treten in einen Tanz der Einheit ein. Zudem wird uns bewusst, dass alles eine Seele, eine Stimme, ein Herz und Gefühle hat. Das ist nicht einfach nur ein Glaube, im SSC wird dies zu einer Herzenserfahrung.
 
Michael Harner, Autor des Buchs „Way of the Shaman States”, schreibt:
„Der schamanische Bewusstseinszustand verinnerlicht einen tiefen Respekt für alle Lebensformen, eine bescheidene Klarheit darüber, dass wir von den Pflanzen, Tieren und sogar anorganischen Dingen unseres Planeten abhängig sind. Der Schamane weiß, dass die Menschen mit allen Lebensformen verbunden sind, dass sie „alle zu unserer Familie gehören“.“
 
Wir, als Spezies, befinden uns an einem Wendepunkt unserer Evolution. Wir können immer weiter und weiter in die Welt unserer Erfindungen, unserer Technologien und unserer selbstsüchtigen Gedanken reisen, einen Traum lebend, der vom Traum der Erde getrennt ist. Oder wir entscheiden uns dafür, uns wieder mit der Erde und der Vielzahl ihrer Bewohner zu verbinden und darauf hinzuarbeiten, in einer Art und Weise zu leben, die nicht nur die Erde, sondern auch die Göttlichkeit allen Lebens ehrt.
 
„Während ich dort stand, sah ich mehr als ich erzählen kann, und ich verstand mehr als ich sehen konnte; denn ich sah in einer heiligen Art und Weise die Formen aller Dinge im Geist, und die Formen aller Formen, so wie sie zusammenleben müssen als ein Wesen – und ich sah, dass es heilig war.” (Black Elk, Medizinmann der Sioux) •