AUSGABE: Oktober - Dezember 2011

ERBEN UND VERERBEN

Texto: Anja Sämann-Gutschick y Armin Gutschick














Kaum jemand denkt beim Kauf einer Immobilie auf Ibiza an die Errichtung eines Testaments. Ein vom Fachmann abgesegnetes Testament kann jedoch Streit unter den Erben verhindern.


In einem Erbfall stellt sich regelmäßig die Frage, welche Rechtsordnung eine Antwort auf die Frage gibt, wer erbt. Bei Ausländern bestimmt das spanische internationale Privatrecht, dass grundsätzlich deren Heimatrecht anwendbar ist. Ist der Erblasser beispielsweise Deutscher, so richtet sich die Erbfolge nach deutschem Erbrecht. Es gibt aber auch Rechtsordnungen, die auf das Recht des Belegenheitsortes der Immobilie verweisen, so dass am Ende doch spanisches Recht Anwendung findet.

Die Frage nach dem anwendbaren Recht stellt sich jedoch nicht nur bei Ausländern. Auch bei Spaniern ist diese Frage zu klären, da es in Spanien je nach Region unterschiedliche Regelungen, sogenannte Foralrechte, gibt. So ist die Antwort auf die Frage, wer erbt bei einem Madrilenen nicht die gleiche wie bei einem Ibizenker, da die Balearen ihr eigenes Erb- und Erbschaftssteuerrecht haben.


 


Sollte der Verstorbene kein wirksames Testament hinterlassen haben, so tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Ist der Erblasser nicht mit der von Gesetzes wegen vorgesehenen Erbquoten einverstanden, sollte er deshalb ein Testament errichten. Darin kann der Erblasser in dem vom anwendbaren Recht gesetzten Grenzen bestimmen, wer seine Erben sein sollen. Der Pflichtteilsanspruch kann aber in der Regel nicht ausgeschlossen werden.


Weder Spanier noch Ausländer mit Eigentum in Spanien sind verpflichtet, ein spanisches Testament zu machen. Gleichwohl wird auch ausländischen Grundeigentümern oft empfohlen, hinsichtlich ihres spanischen Vermögens ein notarielles Testament in Spanien zu errichten; wesentlicher Vorteil ist, dass die Umschreibung des Eigentums auf die Erben wesentlich unbürokratischer möglich ist. In Spanien wird ein notarielles Testament bei dem Zentralnachlassregister in Madrid hinterlegt. Dadurch wird sichergestellt, dass jeweils das aktuellste Testament zum Tragen kommt.


Falls kein spanisches Testament existiert, ist auf jeden Fall ein Erbschein erforderlich. Nach spanischem Recht muss der Erbe eine ausdrückliche Erbschaftsannahmeerklärung abgeben, im Normalfall vor einem Notar.



Bei den Erbschaftssteuern werden Residente und Nichtresidente nicht gleich behandelt. Die Steuersätze für Nichtresidente sind hoch und die Freibeträge gering. Bei einem Residenten auf den Balearen hingegen kann sich unter bestimmten Voraussetzungen die Erbschaftsteuer auf 1% des Erbschaftswertes belaufen. Die Erben müssen die Steuerklärung innerhalb von sechs Monaten nach dem Todesfall des Erblassers beim spanischen Finanzamt abgeben. Fristenüberschreitungen haben Aufschläge auf die Erbschaftssteuer zur Folge. Zwischen Spanien und vielen europäischen Staaten gibt es Doppelbesteuerungsabkommen, welche sich jedoch oft nicht auf die Erbschaftssteuern beziehen. Grundsätzlich besteht damit also Steuerpflicht in Spanien, unabhängig davon, ob ein anderer Staat ebenfalls Steuern erhebt.


Vor Abgabe der entsprechenden Erbschaftssteuererklärung sollte unbedingt der Rat eines Fachmanns eingeholt werden. Die spanischen Erbschaftssteuern für Nichtresidente gehören zu den höchsten in Europa. In der Vergangenheit haben sich deshalb viele Nichtresidente die Tatsache zu nutze gemacht, dass die Erbschaftssteuer in Spanien grundsätzlich viereinhalb Jahre nach dem Tode des Erblassers verjährt. Dies ist aber heute in der Praxis kaum noch durchzusetzen, da die Verjährungsfrist erst mit Kenntnis des spanischen Staates vom Todesfall beginnt. •