AUSGABE: August - Oktober 2011

KU - VOM SWIMMING POOL ZUM SUPER CLUB

Text: Cat Weisweiller
Ein großartiges Designer-Team, bestehend aus Faruk (Meister der Zeremonie und VIP Bar Privé), Brasilio (Gründer von La Troya), Tirso (Dekoration und Licht) y Gorri (allgemeine Koordination), sorgte dafür, dass das KU immer weiter ausgebaut wurde, um der ständig wachsenden Zahl von Partyhungrigen Raum zu bieten. Der Pool mit seinen olympischen Maßen wurde verkleinert, um mehr Platz für die Tanzfläche zu schaffen, eine Brücke wurde über den Pool gezogen und seine Wassertiefe aus Sicherheitsgründen verringert. Die Musikanlage wurde auf den neuesten Stand gebracht, weitere Bar-Bereiche kamen hinzu. So konnten die Gäste am Pool den Sonnenuntergang bewundern und danach direkt in die erwachende Diskonacht eintauchen, die immer bis zum Sonnenaufgang dauerte. Schnell wurde das KU bekannt als Open Air-Version des bekannten New Yorker Clubs „Studio 54“.
Mitte der 1980er war das KU der angesagteste Nachtclub der Insel. Viele Berühmtheiten, Schauspieler, Popstars, Designer, Ibicencos, Hippies, Homosexuelle und sogar Transvestiten kamen, um die „surrealen Sessions nächtlicher Euphorie“ zu genießen. Hier fühlten sie Zugehörigkeit und Akzeptanz, hier waren Maßlosigkeit und sexuelle Toleranz möglich, in einer Form, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Auch die letzten Überbleibsel des repressiven Franco-Re-gimes konnten abgeschüttelt werden, sie lösten sich ins Nichts auf an diesem neuen Ort des freien Ausdrucks.
Die Liste der A-Prominenten, die sich in die 12-jährige Geschichte des KU einreihen, ist wirklich beeindruckend. 1987 kam Freddie Mercury und Montserrat Caballé stellte ihren neuen Song „Barcelona“ vor. Der Sound der potenten Musikanlage war überall auf der Insel zu hören, und die Laser-Projektionen sollen, glaubt man Berichten, sogar auf dem Festland zu sehen gewesen sein. Das KU galt als der namhafteste Nachtclub der Welt.



Wie auch immer, nach dem kometenhaften Aufstieg, folgte der unvermeidliche Niedergang: Aufgrund von Lärmschutzgesetzen musste das KU Anfang der 1990er ein Dach über seine wüsten Gelage setzen. Das war keine allzu große Herausforderung, bedenkt man, welche Ausmaße die Diskothek mittlerweile hatte. Aber der erste Versuch ein Dach zu bauen, wurde durch einen Sturm vereitelt. Fehlendes Geld, wechselnde Clubber-Trends und die tragische Ermordung des Mitbesitzers Santamaria 1993 sorgten schließlich schrittweise dafür, dass das KU seine Aktivitäten einstellen musste. Allerdings widerwillig. 1995 wechselte das KU den Besitzer und wurde in Privilege umbenannt.
Dennoch war nicht alles vom KU verloren gegangen. Dieser Geist grenzenloser Lustbarkeiten sexueller Freizügigkeit lebte in den kommenden Jahren mit Manumission weiter. Auch die Coco Loco-Bar blieb dort, wo sie ursprünglich mit viel Liebe kreiert worden war, zudem blieb ein großer Teil der ehemaligen Baustruktur der Diskothek erhalten. Die Eingangstreppe, die riesigen Industrieventilatoren und einige Bereiche des Gartens lassen ebenfalls Erinnerungen an die vergangenen Tage des KU wach werden. Wie dem auch sei, falls Euch eine Wallfahrt zum Privilege ein bisschen zu abenteuerlich erscheint, der Besuch der Facebook-Seite „KU Ibiza Best Years“ ist eine einfachere Möglichkeit, einem der wichtigsten Meilensteine der Clubgeschichte Ibizas zu huldigen. •