AUSGABE: Juni - August 2010

GOTT SEI DANK FÜR DIE EVOLUTION *

Texto: Dassana





















Seitdem der Mensch zum Kommunizieren und Denken Worte nutzt, haben wir Geschichten erzählt, um auf die fundamentalen Existenzfragen Antworten zu finden:
 
Wer sind wir?
Die Frage der Identität
Woher kommen wir?
Die Frage der Herkunft
Wohin gehen wir?
Die Frage des Schicksals
Warum sind wir hier?
Die Frage des Zwecks
Was ist letztendlich wichtig?
Die Frage der Bedeutung
Wie sollten wir leben?
Die Frage der Moral und des richtigen Handelns
Was geschieht, wenn wir sterben?
Die Frage über das Ende und die Kontinuität
 
In unserer westlichen Welt waren die Antworten auf diese Fragen in unsere Kosmologie eingebettet, unsere Schöpfungsgeschichte. Die Kosmologie der Bibel hatte einen wichtigen Effekt auf das Denken und die Institutionen der westlichen Welt, ebenso wie auf unser Verständnis und unsere Beziehung zur Natur. Unsere Rechtsprechung, die Medizin, Religion, Politik, Wirtschaft und unser Schulsystem wurden in großem Maß von dieser biblischen Kosmologie geformt. Über Jahrhunderte hinweg stellten wir uns Gott als die höchste Instanz vor, die irgendwo jenseits unseres Planeten residierte, getrennt von der Natur und ihr übergeordnet. Und da wir laut Bibel als Abbild Gottes erschaffen wurden, dachten wir natürlich, auch wir seien getrennt von der Natur und ihr übergeordnet. Durch den Sündenfalll von Adam und Eva erschien uns die Natur korrupt.


 
















Dieser „Fortschritt” führte dazu, dass wir die Natur immer mehr zugunsten der Menschheit kontrollierten. Bis vor kurzem galten diese Anschauungen als selbstverständlich und wurden kaum angezweifelt oder diskutiert. Sie waren vererbte und unreflektierte Annahmen, die wir als Realität erachteten.

























Obwohl dieser Glauben direkt oder indirekt für einen Großteil der aktuellen Zerstörungen auf unserem Planeten Erde verantwortlich gemacht werden könnte, sorgte er aber auch für enorme wissenschaftliche und technologische Durchbrüche. Ironischerweise bilden einige dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse jetzt die Grundlage für ein neues ökospirituelles Erwachen, das die Menschheit und den Rest der Lebensgemeinschaft auf der Erde in die einzige mögliche Zukunft führen könnte.
 
Kürzliche Entdeckungen in der Biologie, Geologie, Chemie, Physik und Astronomie weisen nämlich darauf hin, dass das Universum nicht im geringsten dieser großen Maschinerie gleicht, die eine industriell orientierte Wissenschaft uns in den vergangenen dreihundert Jahren glauben machen wollte. Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern geht mittlerweile davon aus, dass das Universum eher ein sich verändernder und reifender Organismus ist – ein lebendiges System –, das sich in 15 Milliarden Jahren entwickelte und währenddessen immer komplexer und vielseitiger wurde. Alles begann mit Wasserstoff, dann entstanden Galaxien, Sterne und Planeten, bis sich im Laufe der Zeit immer komplexere Lebensformen entwickelten. Das Universum in uns kann das alles nun bewusst reflektieren, die Bedeutung und die Entwicklung verstehen. Teilhard de Chardin erklärte schon vor etwa einem halben Jahrhundert: „Der Mensch ist das Endergebnis einer ununterbrochenen Entwicklung, die nun über sich selbst nachdenkt.“.




























Wenn wir durch ein Teleskop schauen, ist es eigentlich so, als würde das Universum auf sich selbst blicken. Wir Menschen sind somit ein Medium, durch das unser Universum seine Schönheit und seine Tiefe bewusst erfahren kann. Wir sind nicht vom Universum getrennt, wir sind ein Ausdruck des Universums. Wir kamen nicht in diese Welt, wir wuchsen in ihr, ebenso wie ein Apfel an einem Apfelbaum wächst.
 
Die Vision der Evolution, diese neue Version des „Am Anfang war …” gibt uns den Mut, an die Möglichkeit – übrigens eine realistische – zu glauben, dass Evolution in diesem Moment direkt durch uns geschieht. Nachdem wir nun wissen, dass alles aus einer Milliarden Jahre dauernden Evolution hervorging und keine Spezies isoliert von den anderen leben kann, müssten wir endlich begreifen, dass die Zukunft unserer Spezies eng verknüpft ist mit der unseres Planeten. Dies ist eine der großen Lehren einer evolutionären Weltanschaung.
 

Más Información:
www.andrewcohen.org













* Basierend auf dem Buchtitel: „Thank God for Evolution” von Michael Dowd, erschienen im Verlag Plume.