AUSGABE: Dezember '07 - Februar '08

“Den Moment einfangen” mit GENNARO BROOKS-CHURCH

































Es sind diese einmaligen Augenblicke… die wir so sehr lieben, nach denen wir uns sehnen, mit denen wir unsere Erinnerungen füllen…, und viele von uns wissen, dass man durch das Leben auf Ibiza besonders viele davon genießen kann… Aber es ist auch gut, daran erinnert zu werden, dass es hinter dem Horizont der sanften, unsere Küsten streichelnden Wellen noch anderes Leben gibt – sogar eine ganze Welt voller Menschen mit besonderen Augenblicken – Daher unseren Dank an Gennaro, einige davon für uns mitgebracht zu haben.
 
Gennaro verbrachte monatelang in verschiedenen Ländern Zeit mit Zigeunern (oder Roma, wie sie lieber genannt werden), freundete sich mit ihnen an, lebte mit ihnen und schoss wunderschöne Fotos. Er sagt, dass sie normalerweise ziemlich “isoliert” leben. “Nur wenige bekommen Einblicke in ihr Leben wie ich sie erhielt.” Wie kam es also, dass er nicht nur toleriert sondern von ihnen regelrecht aufgenommen wurde? Für Gennaro war das kein Problem: “Ich hatte keine bösen Absichten, und das sieht man einem einfach an.”
Gennaro wuchs in Ibiza als Kind von Hippie-Eltern auf. Er entwickelte so einen Sinn für das Leben am Rande der Gesellschaft, was seiner Meinung nach eine natürliche Nähe zu den Roma schuf.
 
Aber war es das, was ihn aus seinem erfolgreichen Leben in New York dazu brachte, unter den ärmsten Menschen der Welt zu leben, oder gab es da noch etwas anderes?
“ Teil der Arbeit eines Fotografen ist, Zeuge des Lebens anderer zu sein. Wir alle brauchen Zeugen. Sie sind ein wichtiger Teil des Lebens an sich. Wenn wir keinen Beweis für unsere Erlebnisse haben, sind wir eignetlich nicht mit der restlichen Welt verbunden. Deshalb gibt es Bibliotheken und Höhlenmalereien… Auch wenn man selbst nicht kreativ ist, braucht man irgendeinen Nachweis, dass man gelebt hat. Die Roma sind eine unglaublich anonyme und von anderen ignorierte Gemeinschaft. Sie fühlen sich nicht als Bestandteil der Geschichte. Sie haben nicht das Gefühl, gesehen, anerkannt oder geschätzt zu werden.”
 
Er weist darauf hin, dass arme Menschen ganz allgemein ihr Leben nicht in Chroniken verewigen, und dass “die Roma meist die ärmste Minderheit in jedem Land bilden, in dem sie gerade sind”.
 
Sollen also die Fotos eine gesellschaftliche Botschaft verbreiten?
“ Nur in dem Sinn, als sie Teil der Gesellschaft sind. Dies ist eine ziemlich politische Aussage, denn es sind Menschen, mit denen praktisch niemand Umgang hat. Im Grunde genommen sind die Leute ihnen gegenüber unsozial.”
 
Er möchte anderen die Gelegenheit zum Kontakt mit den Roma geben – “und sei es nur durch ein Foto, um diese Leute als fröhliche Menschen zu sehen, die durchaus nicht schlecht sind, sondern sehr freundlich.” Er will “anziehende, zugängliche, wundervolle” Menschen zeigen, und gibt freimütig zu, nicht objektiv sein zu wollen. – “Ich bin ein Romantiker. Daher zeigen meine Fotos von Anfang an warme, liebevolle Gefühle… Entweder konzentriert man sich auf das Problem oder auf die Lösung… Ich konzentriere mich auf die positiven Aspekte der Menschheit ganz allgemein.”
 
Wirtschaftliche Armut und die vom Menschen verursachte Zerstörung ist Fakt, und Gennaro behauptet auch nicht das Gegenteil. Aber er will Lächeln, Anziehung, Hoffnung und Stolz bezeugen, die selbst in unwirtlicher Umgebung wie widerstandsfähige Blumen unvermittelt wieder durchbrechen und blühen.
 
Was macht nun letztendlich einen Augenblick besonderer als einen anderen?
“Es geht darum, einen Gefühlsmoment einzufangen… einen ganz intimen Augenblick, das Gefühl einer Verbindung.”
Diese Fotos haben mich wirklich berührt, denn sie fangen echte Gefühle ein – aus dem wirklichen Leben.


 


 
www.romaphotos.com