AUSGABE: Februar - April 2011

EMOTIONALE UNTERERNÄHRUNG

Texto: Milan Hollister

























 
Der Begriff “gesundes Kind” ist mehr als nur ein physiologischer Zustand. Natürlich ist es wichtig unsere Kinder richtig zu ernähren, denn eine gute Ernährung wirkt sich dauerhaft auf ihr physisches und psychisches Befinden aus. Im westlichen Kulturkreis haben wir das Glück, dass viele Kinder unserer Gesellschaft keinen Hunger leiden. Doch in eben dieser Gesellschaft macht sich ein verheerender Trend breit, und zwar der, die emotionalen Bedürfnisse unserer Kinder verkümmern zu lassen. Diese „emotionale Unterernährung“ kann zu unzähligen Problemsituationen für ein Kind führen, wie z.B. mangelnde Fähigkeit zur Bewältigung von Stresssituationen, wenig soziale Bindungen, geringes Selbstwertgefühl, Lernschwierigkeiten in der Schule, Alkohol- und Drogenmissbrauch, berufliche Probleme, etc. Natürlich könnten solche Schwierigkeiten auch von diversen anderen Problemen herrühren, aber sie können ebenso gut eindeutig Ergebnis mangelnder Förderung und Ernährung der EQ (Emotionalen Intelligenz) eines Kindes sein.
Triste Wahrheit ist, dass viele Leute einfach nicht sehen, dass Kinder emotionale Schwierigkeiten haben. Manche Menschen sind der Ansicht, dass sich ein Kind in einer Krisensituation befinden muss, um emotionale Unterstützung zu benötigten. Kinder brauchen, wie wir alle, emotionalen Rückhalt, bedingungslose Akzeptanz und Liebe. Kinder brauchen aber auch konstante Erziehung und Vorbilder für das, was ihnen fehlt – einfache Grundlagen und Kenntnis fundamentaler menschlicher Werte.
Leider werden heutzutage die meisten Kinder von äußeren Einflüssen geformt. Viele der passiven, rücksichtslosen Verhaltensweisen eines Kindes werden von den Medien und der Gesellschaft vorgegeben. Grundsätzlich sollten die meisten Kinder über grundlegende moralische Werte wie Gewaltlosigkeit, Frieden, richtiges Benehmen, Liebe und Wahrheit Bescheid wissen, und doch vermissen viele von ihnen die praktische Anleitung dazu, damit sie damit umgehen können, wenn es soweit ist.
Wie kann also die Frage nach diesem emotionalen Rätsel beantwortet werden? Das ist wie immer „leichter gesagt als getan“. Als Elternteil, Erzieher und Mitglied der Gemeinschaft braucht man Zeit, Geduld, Stärke sowie den Wunsch nach besser emotional genährten, gesunden Kindern. Letztendlich ist die Antwort vom Konzept her einfach:
1) Erlauben Sie Ihren Kindern zu sein, was sie von Geburt her sind. Kinder sollen träumen und sich ihre Ziele selbst setzen dürfen.
2) Achten Sie ihr Kind in jeder Lebensphase. Kinder haben ihren eigenen Rhythmus. Es ist wichtig, nicht den Erfolg eines Kindes an dem des anderen zu messen. Die einzigartige Begabung und Fähigkeit jeden Kindes zu fördern ist ein sicherer Weg, dass es ein positives Selbstwertgefühl entwickelt.
3) Was auch immer Ihr Kind sagt oder tut, lieben Sie es bedingungslos und unterstützen Sie es. Kinder machen Fehler! Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Kind über alle Ereignisse und machen ihm klar, dass Sie es immer lieben werden, was auch passiert, selbst wenn Sie möglicherweise enttäuscht sind über dessen Entscheidung. Indem Sie eine bedingungslose Beziehung zu Ihrem Kind aufbauen, schaffen Sie ihm sicheren Hafen für stürmische Zeiten und halten das Tor zum Dialog offen.
4) Hören Sie Ihren Kindern zu … und erlauben Sie ihren Stimmen ein aktiver Teil des Familienlebens zu sein. Kinder bekommen ein gutes Urteilsvermögen, wenn man ihnen erlaubt Entscheidungen zu treffen. Führen Sie einen Familienrat ein und lassen Sie sie am Entscheidungsprozess der Familie teilhaben.
5) Lassen Sie Ihr Kind eine Wahl treffen und erlauben Sie ihm auch die weniger gute Wahl. Wie jeder von uns brauchen Kinder die Möglichkeit zu lernen und zu wachsen. Wie wir alle wissen, lernt man oft das Meiste aus den größten Fehlern!
6) Seien Sie konsequent zu Ihrem Kind und lassen Sie es an dem Prozess teilhaben. Kinder neigen von Natur aus dazu, sich selbst härter zu bestrafen, wenn man ihnen erlaubt, an der „Bestrafung“ mitzuwirken.
7) Ermutigen Sie Ihre Kinder zum Spiel (und spielen Sie mit ihnen!). Einem Kind zu vermitteln wie wichtig Zeit zum Spielen ist, schafft einen ausgeglichenen Erwachsenen.
8) Verbringen Sie mehr Zeit mit Ihren Kindern. Zeitqualität sind Dinge wie Gespräche (und noch wichtiger das Zuhören), gemeinsames Lesen, Spazierengehen und ganz allgemein die miteinander verbrachte Zeit tatsächlich genießen.
9) Ermutigen Sie spirituelles Wachstum! Kinder, denen man die Möglichkeit zum geistigen Wachstum gibt, sind ausgeglichener und glücklicher.
10) Lehren Sie Toleranz, Vorurteilsfreiheit und Respekt für alles, was auf diesem Planeten existiert und leben es ihnen vor.
11) und das Wichtigste: Zeigen Sie ihnen jeden Tag, wie wertvoll sie sind und wie sehr sie sie lieben, achten und schätzen. Ach ja – und häufiges Knuddeln nicht vergessen!