AUSGABE: Juni - August '07

DIE FESTE VON SANT CIRIAC






In der ersten Augustwoche strahlt Eivissa in besonderem Glanz. Die Stadt trägt ihr prachtvollstes Kleid, schmückt sich mit Fahnen und Paraden, zündet ein großzügiges Feuerwerk. Tagelang wird geschwelgt, geehrt und gesungen, buntes Treiben mischt sich mit Religiosität und Tradition.













Es sind gleich mehrere Anlässe, die sich zu diesem großen Ereignis vereinen: Eivissa feiert die „Festes de la Terra“. Das bedeutet soviel wie „die Feiern unseres Landes“. Denn hier geht es um die Insel Ibiza – und die Geschichte, die sie prägte.

Der 5. August gehört Eivissas Schutzpatronin Santa Maria de les Neus, der „heiligen Jungfrau vom Schnee“. Sie war es auch, die der Kathedrale von Dalt Vila ihren Namen verlieh. Es ist das Patronatsfest der Inselhauptstadt, das Fest für Eivissa. Nur drei Tage später ehrt man den Heiligen Sant Ciriac. Und gedenkt zugleich der Eroberung Ibizas durch die Katalanen, die genau auf diesen Tag fiel, im Jahre 1235.

Grund genug, zu einem großen Fest zu laden. Die Stadt feiert sich und beschenkt ihre Gäste. Bunte Umzüge füllen die Straßen, es gibt Aufführungen, Folklore und Konzerte auf vielen Plätzen, es gibt Wettbewerbe und Ausstellungen... und ganz viel zu sehen. Die Stadt zeigt aber auch ihre Würde, ihren Respekt, in Gedenken an den bedeutsamen Hintergrund der Feste. Zahlreiche traditionelle religiöse Akte finden statt. Der Tag der katalanischen Eroberung hat für die gläubigen Ibizenkos einen großen Wert. Denn dadurch wurden Ibiza und Formentera in das Christentum und die westliche Welt eingegliedert. Zuvor regierten die Mauren auf den Pityusen, und damit der Islam.








Um die Eroberung rankt sich eine romantische Legende: Der noch regierende Sultan Yebusah soll die Lieblingssklavin seines Bruders verführt haben. Aus Rache, so heißt es, ließ der Bruder die Christen in die Stadt. Die Eroberer hatten ein leichtes Spiel und brauchten Ibiza nur noch unter sich aufzuteilen. Zu ihnen zählten Guillermo de Montgrí (der Erzbischof von Tarragona), der Prinz von Portugal und der Graf von Roussillon. Katalanisch wurde zur offiziellen Inselsprache. Das alles geschah unter dem Befehl des Königs von Aragón, Jakob I.





Der 8. August steht auf Ibiza für den Beginn eines neuen Zeitalters. Er ist einer der populärsten Festtage und beginnt morgens mit einer Zeremonie in der Kathedrale zu Ehren des Heiligen Ciriac. Danach zieht eine Prozession durch die Stra_en, geschmückt mit all den Fahnen der Pfarreien Ibizas, den so genannten Standarten. Ein geschichtsträchtiger Umzug: Die Fahne von Sant Llorenç wird schon seit zweihundert Jahren geschwenkt, sie ist die älteste Standarte der Insel. Andere Fahnen haben viel mitgemacht, wie zum Beispiel jene mit dem Wahrzeichen von Sant Jordi, man während des Bürgerkrieges vergrub, damit sie erhalten blieb.













Zum Festakt gehört auch eine Rast in der Kapelle von Sant Ciriac, die sich in Dalt Vila versteckt, in der gleichnamigen Straße. Es ist eine winzige Kapelle in Form eines vergitterten Zimmerchens.

Unter der Statue des Heiligen befindet sich ein sonderbar grober Bogen, durch den nach der Legende damals die Christen eintraten, geleitet vom reuigen Bruder des moslemischen Scheichs. Heute wirft man Münzen durch den Bogen, um das Glück herauszufordern. Die Prozession endet auf der Plaza de España, mit einer Blumengabe und der Aufführung eines Bauerntanzes am Denkmal für Guillem de Montgrí.
















Gegen Abend gibt es die legendäre „berenada“, ein Picknick auf dem Hügel Puig des Molins, das die Ibizenkos traditionell an diesem Tag zelebrieren. Mit Pasteten, belegten Brötchen und anderer Hausmannskost.





Als Krönung der Feierlichkeiten leuchtet ein gewaltiges Feuerwerk über den Dächern von Dalt Vila. So zeigt sich der geschichtsträchtige Ort für Momente in einem unverwechselbaren Licht.