AUSGABE: August - Oktober 2010

GERINGE INVESTITION – GROSSER GEWINN

Helen Howard
Fünfzig Jahre nachdem die erste Tourismuswelle Ibiza überrollte, haben viele Unternehmer nicht mehr den Erfolg, den sie sich wünschen würden. Aufgrund der zunehmenden Anzahl an verlockenden Urlaubszielen, durch die Medien beeinflusste Geschmacksveränderungen und einer weitreichenden finanziellen Krise, sollte man sich fragen: Was kann man tun, damit Urlauber auch weiterhin nach Ibiza reisen? Welche Art des Tourismus wünschen sie sich? Und wie können diejenigen, die in die Hauptindustrie der Insel investiert haben, auch in Zukunft gute Geschäfte machen?











Mandy Hayes lebt schon seit Ewigkeiten auf der Insel, sie hat viele Veränderungen beobachtet. Als Kinderspielplatz dienten ihr die Bars, Restaurants und die beiden Hotels, die ihr Vater vor langer Zeit im damals noch verschlafenen Dorf Es Canar baute. Mandy gehört zu einer neuen Unternehmer- und Managergeneration. Ihr wichtigstes Unternehmen am betriebsamen Strand von Es Canar hat sie in einen stilvollen Chillout- und Loungeplatz mit zwei Restaurants in Pool-Nähe verwandelt. Damit hat sie eine neue und exklusive Location kreiert, von der sie sich erhofft, dass sie der Ortschaft Es Canar etwas von diesem schönen Flair zurückgeben wird, das es einst auszeichnete. Bessere Umsätze, die Reaktionen glücklicher Gäste und ihre persönliche Zufriedenheit über die Veränderungen beweisen ihr, dass ihre Bemühungen sich gelohnt haben. Wer nicht auf die Wünsche seiner Gäste eingeht, ist zum Scheitern verurteilt, nur diejenigen, die ihre Qualität verbessern können werden überleben, davon ist Mandy überzeugt. Zwar weiß sie, dass jeder Betrieb andere Möglichkeiten hat und sich anderen Herausforderungen stellen muss, aber die Unternehmerin hat einige exzellente Vorschläge, wie man sich an veränderte Umstände anpassen und sein Geschäft profitabler machen kann – fast ohne finanzielle Investitionen.









Ambiente_ Mandy glaubt daran, dass der subtile Einsatz von Licht, die richtige Musik und ein einladendes Farbkonzept das Ambiente eines Platzes vollkommen verändern können, zu einem sehr niedrigen Preis oder sogar kostenlos. Manchmal reichen einfach ein Farbeimer, einige neue Kissenbezüge oder farbige Glühbirnen. Zweifellos gibt es keine Patentlösung, wenn es um den Stil geht. Einige der erfolgreichsten Restaurants auf Ibiza sind zum Beispiel einfach und rustikal. Mehr Geld für Dekoration auszugeben, bedeutet somit nicht gleichzeitig auch Erfolg, aber für alle, die investieren wollen, bietet sich eine breite Palette an Stilvariationen an, immer vorausgesetzt, sie sind gut ausgewählt. Mandy empfiehlt, sich in anderen Betrieben umzuschauen und einige Designbücher oder Zeitschriften zu studieren, um sich ein Bild davon zu machen, was in Mode ist und gut ankommt. Die Organisation regelmäßiger Kunstausstellungen sieht sie als weiteres effektives Mittel, neue Kunden zu gewinnen. Die Insel ist voller kreativer Künstler, die ihre Arbeiten mit Vergnügen vor Publikum präsentieren. Im Laufe der letzten Jahre haben viele Bars und Restaurants an den Stränden oder in den Ortschaften der Insel auf grelles Licht und billiges Plastikmobiliar gesetzt, was weder künstlerisch wertvoll, noch attraktiv oder einladend wirkt. Mandy weist darauf hin, dass man eine große Auswahl an Mobiliar und Equipment leasen kann, wenn man einen „LICO” beantragt, einen Bankkredit mit sehr niedrigem Zinssatz.

Essen_ Wenn Sie sich auf Essen spezialisiert haben, sollten Sie darauf achten, mit den Trends und den sich verändernden Geschmackstendenzen Schritt zu halten, außerdem sollten Sie eine große Vielfalt anbieten. „Ein Kochbuch zu kaufen”, ist für Mandy eine der preiswertesten und effektivsten Investitionen, die ein Restaurant machen kann. Innovation in der Küche ist für sie das A und O eines florierenden Gastronomiebetriebs. „Das Menü zu verändern, kostet kein Geld, man braucht nur ein wenig Imagination”, sagt sie. Viele Besucher der Insel seien nicht nur enttäuscht darüber, dass sie in den Strandrestaurants keine authentischen lokalen Gerichte mehr vorfinden, noch schlimmer sei es, dass man ihnen stattdessen eine fantasielose, leblo-se und unmoderne Interpretation von dem biete, was sie eigentlich mögen. Obendrein legen immer mehr Menschen Wert auf bewusste Ernährung, und sie schätzen es, wenn man ihnen entsprechende Optionen ermöglicht. Wie zum Beispiel fri-sches Gemüse und Kartoffeln, oder kreative Salate – statt Pommes mit allem Drum und Dran. „Der Schlüssel zum Erfolg ist die breit gefächerte Auswahl”, meint Mandy. Ihre Menüs enthalten deshalb zum Beispiel: Arabischen Tee, hausgemachte Burger, Wok-Gerichte, Paella, thailändische Fusionsgerichte, Fish & Chips und Smoothies.









Personal_ Mit einem guten Team steht oder fällt der Betrieb. Deshalb ist es wichtig, sein Personal gut auszuwählen, es gut zu schulen und zu behandeln. Mandy glaubt außerdem, „dass auf einer Insel wie Ibiza gute Sprachkenntnisse ein zusätzlicher Bonus sind”. – Bei meinen eigenen Gastronomieerfahrungen in England stellte ich nur Leute ein, die ein angenehmes Auftreten hatten. Ich fand es auch hilfreich, selbst alle Bereiche des Jobs kennen zu lernen – denn es ist gut, wenn man weiß, was man erwarten kann und darf. Nur so erwartet man weder zuviel, noch zu wenig. Viele Restaurantbesitzer orientieren sich ausschließlich daran, was sie an Lohn zahlen können – dies kann die Motivation negativ beeinflussen. Verbessert man sein System, trainiert man sein Personal, kann man mit weniger Leuten oft effektiver arbeiten – bei besserer Bezahlung. Kommt hinzu, dass ein geschultes und glückliches Personal meist einen besseren Service bietet. Um die Moral zu verbessern, kann man auch Personalessen, Partys und Meetings organi-sieren, bei denen man Ideen austauscht und Probleme diskutiert. Auch eine Art Bonussystem oder eine Gewinnbeteiligung können eine positive Wirkung haben.

Effiziente Systeme_ Nicht jeder, der ein Restaurant eröffnet, hat die notwendigen Fähigkeiten, um die Systeme durchzusetzen, die ein Geschäft erfolgreich machen – aber es rentiert sich, jemanden auszubilden oder einzustellen, der all das kann. Effizienz in jedem Aufgabenbereich spart Geld und verbessert den Service.










Events_ Events zu organisieren, kann eine zusätzliche Möglichkeit sein, neue Kunden zu gewinnen. Hierbei setze nur die eigene Vorstellungskraft die Grenzen, meint Mandy. Sie selbst sponsort ein Waisenhaus in Kambodscha, deshalb sind ihre eigenen Events meist auf die Unterstützung dieses Projekts fokussiert.

Hilfen_ Neben dem „LICO” gibt es noch andere Hilfen, die kleine Betriebe in Anspruch nehmen können: Zum Beispiel ermöglicht die „PIMEEF”, einen staatlichen Kredit, der über vier Jahre zinsfrei ist, und zum Beispiel den Kauf eines Computers ermöglicht, mit dem man seine Kalkulationen und seine Buchhaltung einfacher abwickeln kann. Mandy empfiehlt außerdem, sich regelmäßig bei den zuständigen Rathäusern oder bei den Steuerberatern über öffentliche Subventionen und Hilfsangebote zu informieren.

Was können die Behörden tun?_ Zweifellos könnten viele Institutionen hilfreicher sein, wenn es darum geht, die heimischen Geschäftsleute zu unterstützen. Es sei zum Beispiel mehr als verständlich, wenn Unternehmer die Behörden auffordern, dass sie ihre „größeren öffentlichen Bauprojekte am Ende, statt am Anfang der Saison durchführen, argumentiert Mandy. Sie findet auch, dass die Normativen rund um Live-Musik unnötig streng sind, vor allem, weil es viele Leute schwierig finden, diese wenigen Plätze zu erreichen, an denen solche Events veranstaltet werden dürfen. Denn wer mit dem Auto fährt, darf keinen Alkohol trinken, und auch Taxen sind in der Hochsaison rar. Als positiv erachtet Mandy, dass immer mehr Straßen In Es Canar zu Fußgängerzonen werden, dies trägt sicher dazu bei, es attraktiver zu machen.

Man vergesse leicht, dass die Insulaner vor dem Beginn des Tourismus aufgrund fehlender Exportprodukte immer ein sehr einfaches Leben geführt haben, resümiert Mandy. An der grundsätzlichen Situation habe sich eigentlich nichts geändert, deshalb sei es notwendig, dass die Institutionen und Kleinbetriebe an einem Strang ziehen, um einen sensibleren Tourismus zu fördern und zu unterstützen. Einen Tourismus, der den Menschen das gibt, was sie sich wünschen – und der gleichzeitig die landschaftliche Schönheit der Insel bewahrt.

Text: Helen Howard