AUSGABE: August - Oktober 2013

DIE LIEBE ZELEBRIEREN

Von Helen Howard
Mit der Liebe ist es eine seltsame Sache: Sie erwischt uns unerwartet, manchmal unkonventionell, aber meist ist sie uns willkommen. Liebe kann ein hartes Herz zum Schmelzen und Farbe und Wärme ins Leben bringen, und sie kann allen, die sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigen, als neue Inspiration dienen.

Es gibt viele Arten der Liebe, aber eine regte schon immer zu Träumen und Legenden an: Diese Liebe, die so tief und intensiv ist, dass sie Menschen inspiriert, ihr Leben miteinander verbringen zu wollen. Viele hoffen darauf, aber nicht jeder findet sie, das macht sie zu einem außergewöhnlichen und großartigen Ereignis. Glücklicherweise profitieren nicht nur die Liebenden davon, auch für diejenigen, die sich im Umfeld eines solchen Paares bewegen, kann es ein sehr schönes Erlebnis sein.



Obwohl wir in einer Zeit der wechselnden Beziehungen leben, entscheiden sich viele, die diese Nähe fühlen, für eine Heirat – denn durch sie kann man auf kraftvolle Art und Weise ausdrücken: „Diese Person bedeutet mir sehr, sehr viel.” Natürlich kann man der Ehe auch mit einem gewissen Zynismus begegnen, denn zweifelsohne hat sie für jeden Menschen eine andere Bedeutung. Schon immer gab es Leute, die sich nicht aus Liebe, sondern wegen der Lebensumstände oder der Leidenschaft aneinander banden. Und es gibt Menschen, die zwar intensiv lieben, sich aber nicht veranlasst sehen, dieser Liebe den offiziellen Segen zu geben. Trotzdem können sich zwei Menschen mit einer Heirat nach wie vor bekunden, dass sie eine ganz besondere Liebe füreinander empfinden. Gleichzeitig unterstreichen sie damit auch, dass sie gut zusammen passen und den Wunsch haben, in Zukunft gemeinsam durch Dick und Dünn zu gehen.

In den meisten Kulturen sind Hochzeiten traditionell mit einer religiösen Zeremomie verknüpft. Aber wir leben in einer Zeit, in der Ideen und Glauben einer Transformation unterworfen sind. Viele Leute fühlen sich nicht wohl bei einer Zeremonie, die nicht ihrer Überzeugung entspricht. Dennoch wünschen sie sich eine Feier, die dem einzigartigen Moment angemessen ist. In den vergangenen Jahren geht der Trend deshalb hin zu alternativen Zeremonien, in denen die Liebe eines Paares einen persönlicheren Ausdruck findet. Mittlerweile gibt es einige Personen auf Ibiza, die solche Zeremonien ermöglichen, jedoch mit ganz unterschied-lichen Ansatzpunkten.

Kürzlich traf ich Jon Michell Fueter, der seit mehr als 22 Jahren auf der Insel lebt. Seit 2001 war er Zeremonienmeister bei unzähligen Hochzeiten, so entwickelte er einen ganz eigenen Stil, der vor allem von nord- und südamerikanischen Traditionen inspiriert ist. Jon Michell zelebriert diese Zeremonien, weil er davon überzeugt ist, dass eine bewusste Feier dazu beitragen kann, die Liebe anzuerkennen, sie zu vertiefen – und sie vielleicht auch zu verbreiten. „Die Welt braucht mehr Liebe”, sagt er.





Als Mitbegründer der „Namasté”-Party führte er seine erste Zeremonie für Juanito vom Las Dalias durch. Seitdem ist die Nachfrage ständig gewachsen. Durch seine fließenden Spanisch-, Französisch-, Englisch- und Deutschkenntnisse kann er mit einem breiten Publikum kommunizieren.

Für ihn ist es wichtig, einen undogmatischen Service zu bieten – er diktiert oder drängt keine religiösen Sichtweisen auf, stattdessen basiert seine Zeremonie auf den lebensspendenden Elementen der Natur, der Kraft und dem Potential der Liebe im Allgemeinen und der aktuellen Situation des Paares. Die Paare können Ringe tauschen, oder sich mit einem anderen Ritual ihre Liebe bekunden. Auch den Ort wählen sie meist selbst – aber es empfiehlt sich eine Zeremonie unter freiem Himmel, vielleicht an einem schönen Strand, auf einer Hügelspitze, in einer privaten Villa oder in einem Landhotel.

Neben diesen individuellen Auswahlmöglichkeiten gibt es einige Dinge, die Jon Michell als wichtig erachtet, damit der „Spirit” des Ereignisses stimmt. Zum Beispiel bestimmt er die Sitzordnung. Die Gäste sitzen im Kreis – anders als bei kirchlichen Trauungen, wo man nur auf den Rücken seines Vordermannes blickt. Zwar baut er einen Altar auf, auf denen er diverse Objekte platziert, die Naturelemente symbolisieren, aber er betont, dass die Liebe selbst das Wichtigste sei – er bezeichnet sie deshalb als das „fünfte” Element. Sie sei die Substanz, die dem Leben Sinn gibt. Für Jon Michell ist die Liebe der größte Schatz der Menschheit. „Jemanden zu finden, mit dem man sein Leben teilen möchte, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk.”

Die Gäste seiner Hochzeitszeremonien sind eingeladen, in diesem Moment vollkommen präsent zu sein, um „etwas Einzigartiges und Heiliges” zu bezeugen und zu feiern. Das Feedback von Familienmitgliedern und Freunden ist dabei immer positiv und ermutigend, selbst wenn sie andere spirituelle oder religiöse Überzeugungen haben. Inmitten all dieser unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse könne die Natur das Medium sein, das die Menschen verbindet, meint Jon Michell. Ebenso wie natürlich die Liebe.