AUSGABE: Juni - August 2010

„POP-UP”-PROJEKTE JETZT AUCH AUF IBIZA

Cat Weisweiller

Eine Gruppe unabhängiger Geschäftsleute hat auf Ibiza eine „Pop-up”-Schmuckboutique gegründet. Grund genug, dem bekannten Phänomen des „Pop-up”-Handels etwas Aufmerksamkeit zu widmen.









Sia Taylor, Cyd (Joy Jewellery), Shakti Ellenwood, Kerstin Howard y Natasha Collis




Flexibilität, große Auswahl und Kosteneffizienz – das sind die Vorteile, die Verkaufsstellen bieten, die in einem Moment auftauchen und dann wieder verschwinden. Diese Geschäftsidee nennt man „Pop-up”-Handel. Etwa 2004 erregten die ersten „Pop-up”-Projekte die öffentliche Aufmerksamkeit, vor allem in den USA und in Großbritannien. Bekannte Marken wie „Toys R Us” oder „Gucci” setzten den Trend, indem sie „Pop-up”-Läden eröffneten, um den Verkauf ihrer Artikel anzukurbeln. Autohäuser folgten, sie organi-sierten „Pop-up”-Ausstellungen, die einzig und allein darauf abzielten, den Käufer mit der altbekannten und beliebten Methode „Kaufen Sie, bevor es zu spat ist” zum schnellen Kosum zu bewegen. Auch Wohl-tätigkeitsorganisationen wie Barnardo sprangen auf den Zug auf, für kurze Zeit eröffneten sie in leerstehenden Gebäuden „Pop-up”-Verkaufsräume, wo sie Waren zu erschwinglichen Preisen anboten. Die lokalen Institutionen waren von dieser neuen Art des Einzelhandels begeistert, war es doch eine ideale Möglichkeit, die Einkaufsstraßen lebendig zu halten, statt sie durch tote Geschäftsräume unattraktiver zu machen.










Das „Pop-up”-Phänomen regt in uns längst verblichene Kindheitsphantasien an, gleichzeitig generiert es Hoffnung und inspiriert uns zu neuen Projekten. Schon bald tauchten die ersten „Pop-up”-Nachtclubs auf, in Sydney gab es z. B. einen, für den man Schiffscontainer nutzte. Es entstanden „Pop-up”-Restaurants wie „Bistroteque” im Osten Londons, dort verwandelte man eine leerstehende Großmarkthalle auf meisterliche Art und Weise in ein mit Kerzen beleuchtetes Winter-Wunderland. Die Leute kamen in Scharen in diese Weihnachtsmann-Höhle für Erwachsene. Die kurzfristige Existenz all dieser Projekte sorgte dafür, dass die Läden von Beginn an gerammelt voll waren. Kein Wunder, denn sie weckten das im Menschen tief verwurzelte Konsumverhalten, bloß nichts zu verpassen. Sogar Prominente widmeten sich der „Pop-up”-Kultur, die frisch geschiedene Jo Wood organisierte in ihrem Haus von Zeit zu Zeit ein Fest, das sie „Mrs Paisley’s Lashings” nannte. Bei diesen Gelegenheiten verwandelte sie ihr Haus in einen Schrein für Öko-Produkte – statt in einen für die Rolling Stones. Dies müsste eigentlich zwangsläufig zu einem „Pop-up”-Friseursalon mit dem Namen „Haar heute, morgen verschwunden” führen…

Manche könnten argumentieren, dass dieser Stil des schnellen Handels schon seit Jahrhunderten exisitiert, denn schließlich gab es schon immer Marktstände, Straßenverkäufer und Souks. Überall auf der Welt. Kann man also alle, die sich nicht der Belastung durch hohe Fixkosten aussetzen, und die ihre Waren nur kurzfristig anbieten – von frischen Blumen, über Hot Dogs bishin zu fast allen anderen Produkten – als „Pop-up”-Unternehmer bezeichnen? Wenn dem so wäre, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Ibizas berühmte Hippie-Märkte und die Strandverkäufer beweisen, dass man es auf der Insel seit langem verstanden hat, Trends zu setzen.





Wo auch immer nun die wahren Wurzeln des „Pop-up”-Handels liegen mögen, die aktuelle Geldknappheit verhilft diesen Projekten zu einem kraftvollen Neustart. Denn warum sollte man sich dem finanziellen Druck hoher Ladenmieten aussetzen, wenn doch der „Pop-up”-Handel die Bedürfnisse unserer Wegwerfgesellschaft bestens befriedigt, ebenso wie den stetigen Hunger nach schnellem Konsum und wechselnden Konzepten?

Kurzum: Das Thema „Pop-up” ist auch auf Ibiza im Kommen. Unter dem Namen PURE FORM haben sich jetzt einige großartige Schmuckdesigner vereint: Natasha Collis, Shakti Ellenwood, Kerstin Howard, Cyd (Joy Jewellery) und Sia Taylor.




Die Gruppe hat beschlossen, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten. Immer dem Erfolgsrezept folgend: Wenn du sie nicht schlagen kannst, tu dich mit ihnen zusammen. Ein beispielloses Konzept, das auch dem Endverbraucher eine größere Auswahl bescheren wird. Jeder hat seinen eigenen Stil, nur eins vereint sie: Alle Schmuckstücke sind handgefertigt und wurden auf Ibiza hergestellt. Die fünf Schmuckdesigner teilen Rohstoffe, Ideen und Zeit. Ihre kreative Zusammenarbeit beruht vor allem auf Kameradschaft. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist eine „Pop-up”-Schmuckboutique, eine mobile Ausstellung all ihrer Arbeiten, die sie mit Enthusiasmus gemeinsam vermarkten wollen.

Mit dieser Initiative möchten sie vor allem die gehobene Kundschaft ansprechen. Denn es gibt bereits eine lange Liste bekannter Leute, die sich für ihre Arbeiten interessieren. Darunter Jack Nicholson, Kate Moss, Chrissie Hynde und Ruby Wax. Viele dieser Prominenten, die versteckt in ihren luxuriösen Villen leben, bevorzugen es, dem Horror einer heimlichen Shoppingtour auf geschäftigen Straßen zu entkommen, lieber machen sie ihre Einkäufe in der priva-ten und diskreten Atmosphäre ihrer eigenen Häuser.




Die Preise für ein Designerstück reichen von 60 bis 6.000 Euro. PURE FORM wird außerdem Schmuck-Ausstellungen überall auf der Insel organisieren. Diese Abende, die in ausgewählten, hochklassigen Bars und Clubs stattfinden, sind für alle zugänglich. Ein Kaufzwang besteht nicht, denn man folgt der Philosophie der Gastfreundschaft.







Niemand soll davon ausgeschlossen sein, ein wenig Luxus und die außergewöhnliche Kunst der PURE FORM-Designer genießen zu dürfen.

Eine laue Ibiza-Nacht in einem angenehmen Ambiente, ein Drink in der Hand, verführerische Schmuckstücke – das hört sich doch nicht schlecht an. Die erste Schmuck-Schau von PURE FORM findet am 1. Juli im Landhotel Atzaró statt.

Text: Cat Weisweiller