AUSGABE: Juni - August 2010

DIE GEIST-KÖRPERVERBINDUNG

Jerry Brownstein









Haben Sie schon einmal vom Placeboeffekt gehört? Bei einem typischen Experiment, um neue Medikamente zu testen, teilt man Patienten mit einer bestimmten Krankheit in zwei Gruppen auf: Die erste Gruppe erhält das wirkliche Medikament, die andere aber bekommt – ohne vorher darüber informiert zu werden – eine Zuckerpille ohne aktive Wirkstoffe. In fast allen Tests verbessert sich der Gesundheitszustand der zweiten Gruppe, manchmal ebenso sehr oder sogar mehr als in der Gruppe, der das echte Medikament zugeteilt wird. Sie erinnern sich? Es handelt sich um die Gruppe, die nur bedeutungslose Zuckerpillen einnimmt, die Patienten, die nur denken, sie würden wirkliche Medikamente ausprobieren. Somit kann man davon ausgehen, dass es der Glaube ist, der ohne äußeren Einfluss den Heilungsprozess in ihren Körpern aktiviert. Herzlich willkommen bei der Geist-Körperverbindung.




Es gibt hunderte wissenschaftlicher Studien, die diese unglaubliche Verbindung zwischen dem, was die Menschen glauben und der Reaktion ihrer Körper eindeutig belegen. In einer dieser Studien wurden zum Beispiel alle Patienten davor gewarnt, dass neue Medikament könne gefährliche Nebeneffekte haben, inklusive Haarausfall. Wie erwartet, stellten sich diese Nebenwirkungen bei vielen der realen Probanden tatsächlich ein, aber wirklich erstaunlich war, dass auch bei dreißig Prozent derjenigen die Haare ausfielen, die nur das Placeboprodukt eingenommen hatten. Wie kann das sein? Man verliert sein Haar schließlich nicht durch die Einnahme von Zuckerpillen… es sei denn, man glaubt daran, dass es sich wirklich um ein giftiges Medikament handelt.












Wie ist es möglich, dass allein der Geist diese erstaunlichen physischen und chemischen Körperreaktionen auslöst? Wie verläuft dieser Prozess? Wie wird die Kraft der Gefühle und Emotionen vom Gehirn in die Zellen transportiert? Einfach erklärt, funktioniert es so: Ihr Gehirn nutzt einen sehr effizienten Nachrichtenservice, um die Körperzellen umgehend über einen Gedanken oder eine Emotion zu informieren. Wenn Sie zum Beispiel ein freudiges Gefühl empfinden, sendet das Gehirn automatisch eine Art Nachrichtenmolekül aus, Peptid genannt, das die gute Meldung über das Glücksgefühl im ganzen Körper verbreitet. Sobald jedes dieser Moleküle in einer Zelle ankommt, klinkt es sich bei einem speziellen Rezeptionspunkt in der Zellwand ein – in etwa wie ein Schlüssel im Schlüsselloch. Wenn dieser „Schlüssel“ passt, kann der Nachrichtenüberbringer mit der DNA im Zellkern kommunizieren. In diesem Fall „erzählt“ er der DNA, dass Sie Freude empfinden, außerdem weist er sie an, die spezifischen chemischen Stoffe zu produzieren, die mit einer freudigen Emotion assoziiert sind. Dies geschieht zum gleichen Zeitpunkt in Trillionen von Zellen und sorgt so dafür, dass Veränderungen im Körper hervorgerufen werden, die das glückliche Gefühl reflektieren.

All Ihre Gedanken und Emotionen regen denselben Prozess an – zuerst werden sie im Gehirn erlebt, dann wird die Information an die Zellen weitergegeben. Und zum Schluss wird die DNA in den Zellen beauftragt, die Körperchemie zu verändern.


Positive Ideen und Glauben senden Nachrichten, die Gesundheit fördern und eine Heilung anregen. Negativität bewirkt das Gegenteil. Vielleicht können wir durch die Beherrschung unserer Gedanken und Emotionen lernen, die richtigen Signale an unsere DNA zu schicken, um körperliche Probleme zu beseitigen. Ganz ohne schäd-liche Chemie oder medizinische Eingriffe. Diese Geist-Körperverbindung könnte die Basis eines revolutionären neuen Weges sein, der uns Gesundheit und Heilung bringt. Obwohl die konventionelle Medizin sich momentan kaum für diese Idee begeistern kann. Heilung auf nichtphysischer Ebene passt nicht zu ihrer eingefahrenen Philosophie. Diese Situation erinnert an einen berühmten Satz Schopenhauers:



„Jede Wahrheit geht durch drei Stufen. Erst macht man sich darüber lustig. Danach widersetzt man sich ihr mit Vehemenz. Schließlich wird sie als selbstverständlich akzeptiert.“


Es scheint, als hätten wir hinsichtlich der Geist-Körperverbindung die erste Phase fast völlig durchlaufen, zur Zeit befinden wir uns mitten in der zweiten. Denn trotz eines gewissen Widerstands in der wissenschaftlichen Szene gibt es erwähnenswerte Forschungen darüber, wie wir lernen können unsere Intentionen, unseren Glauben und unsere Wahrnehmungen zu nutzen, um Gesundheit und Wohlbefinden zu kreieren.

Irgendwann wird uns diese Arbeit zu Schopenhauers dritter Stufe führen, dann wird jeder anerkennen müssen, dass der menschliche Körper nicht einfach eine komplexe Maschine ist, sondern ein vibrierendes Energiezentrum, das auf ganzheitlicher Ebene sowohl auf physische Stimulation als auch auf die Kraft unseres Bewusstseins reagiert.












 

Text: Jerry Brownstein