AUSGABE: April - Juni 2010

GESUNDHEIT KULTIVIEREN

Helen Howard









Marja van Engelen
Tel. 639 27 16 16 · e-mail: marjavanengelen@teleline.es




Marja van Engelen ist eine qualifizierte Ärztin, die seit zehn Jahren auf Ibiza lebt und arbeitet. Obwohl sie in konventioneller Medizin geschult wurde, brauchte sie nicht lange, um festzustellen, dass diese Annäherung nicht die ihre war. Nach ihrem Studienabschluss arbeitete sie ein Jahr in einer Abteilung für Innere Medizin. Hier erlebte sie die „normale“ 95-Stundenwoche – und es erschien ihr seltsam, dass diese Situation in einem Berufszweig, der auf das Heilen spezialisiert ist, akzeptiert wurde. Danach verbrachte sie ein Jahr bei einer pharmazeutischen Firma, mit Schwerpunkt auf Chemotherapien bei Brustkrebsbehandlungen. Schon zu Beginn ihrer Karriere stellte sie fest, dass die konventionelle Medizin nicht viel zu bieten hat – außer Operationen und Medikamenten. Gleichzeitig erlebte sie das Trauma und die Limitationen, die mit diesen orthodoxen Methoden oft einhergehen. Deshalb begann sie sich für Wege zu interessieren, die harmonisch mit den natürlichen Heilkräften des Körpers und des Geistes arbeiten.

In den letzten 29 Jahren hat sich Marja bei ihren Behandlungen zunehmend auf natürliche Methoden konzentriert. Sie studierte unter anderem Naturheilkunde und orthomolekulare Medizin, sie beschäftigte sich mit Schwermetallentgiftung und Umweltmedizin. Alle guten alternativen Praktiken interessierten sie. Marja versuchte zu verstehen, warum spezielle Symptome auftreten, immer forschte sie nach den tiefer liegenden Ursachen. So erkannte sie, dass chronische Krankheiten nicht selten durch eine Giftstoffüberbelastung verursacht werden, die der Körper aus verschiedenen Gründen nicht eliminieren kann. Kaum überraschend – bedenkt man, dass es heutzutage mehr als 100.000 vom Menschen erzeugte Chemikalien gibt, die vor hundert Jahren noch nicht existierten. Ein Großteil dieser Stoffe wurde niemals auf ihre Sicherheit getestet. Und es gibt nur wenige Systeme, die den Menschen erlauben würden, über negative Auswirkungen zu berichten. Hinzu kommt, dass viele Reaktionen im Körper nicht akut auftreten, in den meisten Fällen bleiben sie erst einmal verborgen, da die Toxine sich nur langsam in Zellen und Hautschichten ansammeln. Früher oder später kann es allerdings zu Fehlfunktionen überall im Körper kommen. Das Multiple Chemieübersensibilitätssyndrom, Allergien, chronische und degenerative Leiden und Krebs können die Folge sein.









Zur Zeit beschäftigt sich Marja vor allem damit, über Vorsorgebehandlungen zu schreiben und zu lesen. Denn sie geht davon aus, dass die ultimative Form der präventiven Medizin damit beginnt, künftige Eltern schon vor der Geburt ihres Kindes richtig zu betreuen. Sie glaubt, dass Fehlfunktionen und Veränderungen im Sperma und in den Eizellen für viele Krankheiten verantwortlich sind, die man sehr wohl verhindern könnte. In diesem Kontext hilft sie Paaren mit Kinderwunsch dabei, gesund zu werden. Mindestens sechs Monate vor der Empfängnis beginnt die Behandlung. Marja achtet darauf, ihre Patienten vor den schädlichen Effekten von Mikrowellen zu warnen, die zum Beispiel durch die Strahlung von Handy-antennen oder Elektrosmog verursacht werden. Letzterer entsteht durch Elektrogeräte, die wir in unserem Alltag nutzen, sowie Stromkabel oder Transformatoren. Der menschliche Körper war in tausenden Jahren seiner Evolution niemals solchen Belastungen ausgesetzt. Ebenso wenig musste er sich mit den vielen chemischen Giften plagen.

Ein weiteres Handicap ist, dass Menschen minderwertige Nahrungsmittel zu sich nehmen, die in der Regel auf Böden wachsen, denen die Mineralien fast vollständig entzogen wurden. Verantwortlich hierfür ist die landwirtschaftliche Massen-produktion, die im letzten Jahrhundert dafür sorgte, dass dem Boden viele essentielle Minerale verloren gingen, die in gesunder, fruchtbarer Erde enthalten sein müssten. Diese landwirtschaftliche Methode bedingt auch die zunehmende chemische Belastung, mit der unser Körper klarkommen muss. Ironie des Schicksals ist, dass genau diese Mineralien und Substanzen, die heute in unseren Nahrungsmitteln fehlen, dem Körper beim Abbau der chemischen Giftstoffe helfen könnten. Betrachtet man all diese Faktoren, überrascht es nicht, dass viele Menschen – Marjas Patienten eingeschlossen – aufgrund dieser körperlichen Stresssituationen Probleme mit ihrem Vitamin- und Mineralienhaushalt haben. Die Balance wichtiger Fettsäuren oder Hormone geht verloren, Adrenalindrüsen sind müde oder erschöpft. Marja weiß, dass aufmerksames Zuhören bei der Suche nach der richtigen Diagnose helfen kann. Außerdem nutzt sie Haaranalysen, Blut-, Urin- und Speicheltests, sie setzt Kinesiologie ein oder ordnet Röntgenuntersuchungen und andere Tests im Krankenhaus an. Ihre Behandlungen beginnen oft mit der Injektion von Vitaminen und Mineralien, um jegliche Probleme bei der Aufnahme dieser Zusatzstoffe auszuschließen. Marja konzentriert sich zudem darauf, die Darmflora zu normalisieren, sollte es notwendig sein, entwickelt sie nachhaltige Strategien, um den Körper mit allen wichtigen Stoffen zu versorgen. Auch Diäten sind Teil ihrer Behandlungen, wobei sie zugibt, dass es keine Diät gibt, die auf alle Menschen passt. Sie empfiehlt, Biolebensmittel zu konsumieren, die nicht von genmanipulierten Pflanzen und im besten Fall aus lokaler Produktion stammen.





Marja war beim Aufbau einer Umweltklinik in Brunete, nahe Madrid, involviert. Die Klinik ist spezialisiert auf Diagnostik und topaktuelle Behandlungsmethoden, mit denen man Menschen helfen kann, die zum Beispiel am Multiplen Chemieübersensibilitätssyndrom leiden. Eine Krankheit, die sich durch Asthma-Symptome äußert und immer häufiger auftritt. Kürzlich entstand die Idee, die Klinik nach Ibiza zu verlagern.







Es scheint, als könne ein bewusster und aufmerksamerer Umgang mit Produkten, Technologien und Methoden, die in Harmonie mit unserem Körper arbeiten, für die meisten von uns nur von Vorteil sein. •

Text: Helen Howard