AUSGABE: Oktober - Dezember '09

IM WANDEL DER ZEIT

Ruth Osborn
Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Talfahrt sind überall in der westlichen Welt zu spüren. Aber wie wir alle wissen, öffnet sich oft eine neue Tür, wenn sich eine andere schließt. Und hat nicht auch jede Wolke einen Silberstreif? Laut einer Volksweisheit blüht in Rezessionszeiten die Kreativität. Aus der Notwendigkeit und dem Bedürfnis heraus, die Dinge auf andere Art anzupacken. Da viele aufgrund der wirtschaftlichen Probleme ihren Job oder ihre Einkommensquelle verlieren, wird vermehrt nach alternativen Lebenswegen gesucht. Und beschreitet man andere Pfade, öffnen sich Türen. Und gewiss werden Silberstreifen entdeckt.

Moshe gehört zu denjenigen, die – unter anderem bedingt durch die Wirtschaftskrise – über ihr Business nachgedacht haben. Seit zwanzig Jahren lebt er auf Ibiza. Von der Natur und der Schönheit der Insel angezogen, siedelte er damals nach Ibiza über. Seine Kenntnisse im Industriedesign halfen ihm, eine erfolgreiche Baufirma aufzubauen: Casaforma Dinamica. Dieses Unternehmen funktioniert noch, aber die Umstände, der Wunsch und vielleicht auch der Mut haben Moshe einen neuen Pfad betreten lassen.










„Nicht nur die momentane wirtschaftliche Talfahrt beeinflusst das Bauwesen auf Ibiza, auch die zunehmende Bürokratie schafft Probleme”, meint Moshe. Die fehlende Planung und Organisation hinsichtlich des Inselwachstums sieht er kritisch. Die Anzahl neuer Bauprojekte sei im vergangenen Jahr besonders niedrig gewesen. Dies liege unter anderem daran, dass das Inselterritorium auf natürliche Art begrenzt sei. Jedes Bauprojekt müsse somit unter dem Gesichtspunkt der Bewahrung und des Schutzes der Naturlandschaft betrachtet werden. Moshe ist sich bewusst, dass es einen Widerspruch gibt zwischen seinem Wunsch auf einer naturbelassenen Insel leben zu wollen und seiner Profession als Bauunternehmer. Denn seine Arbeit könnte dafür sorgen, dass landschaftliche Schönheit schwindet. Die Lösung mag darin liegen, umweltfreundlich zu bauen und die Natur zu unterstützen, statt zu zerstören. Wie auch immer – Moshe hat sich für einen neuen Pfad entschieden: In Santa Gertrudis eröffnete er das Restaurant Safrà Ibiza.

Gutes Essen war schon immer ein wichtiger Aspekt in Moshes Leben. Er erinnert sich mit Vergnügen an die Köstlichkeiten aus dem Nahen Osten, die in der Küche seiner Mutter zubereitet wurden. Sein Restaurant ist zwar neueren Datums, es eröffnete im Februar, aber die Idee, die gastronomischen Leckerbissen seiner Heimat-region auf die Insel zu bringen, ist für Moshe nicht neu. Seitdem er auf der Insel unternehmerisch aktiv ist, hat er gemeinsam mit seinem Freund Yaron schon einige Falafel-Verkaufsexperimente gestartet. Sie führten die Spezialität in Las Dalias und in einem Restaurant an der Straße nach San Antonio ein. Diese Abenteuer waren bisher zwar nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt, aber dass jetzt der richtige Moment gekommen ist, davon ist Moshe überzeugt.

„Jeder braucht gutes Essen. Es macht die Menschen bis zu einem gewissen Grad glücklich.“

Den Namen des Restaurants hat Moshe mit Bedacht und entsprechend seiner Wahlheimat ausgewählt. Safrà ist das ibizenkische Wort für Safran – ein Gewürz, das in der Küche des Nahen Osten gerne und oft verwendet wird. Das Lokal Safrà passt in die kosmopolitische Gastronomie der Ortschaft Santa Gertrudis. Denn hier findet man Restaurants mit traditioneller spanischer Küche, ebenso wie italienische, mediterrane und japanische Spezialitäten, sogar die kulinarischen Wünsche von Rohköstlern können befriedigt werden. Auf Ibiza gibt es nur wenige Plätze, an denen Gerichte aus dem Nahen Osten wie Kebab, Shawarma, Falafel, Humus oder Tahini angeboten werden. Dazu gibt es frische Salate und vieles mehr. Moshe’s Konzept taugt sowohl für Vegetarier als auch für Fleischesser. Wer gerne verschiedene Dinge probieren mag, sollte die Tapas, kleine Appetithäppchen, versuchen.





Im „Safrà“ definiert sich die Küche des Nahen Osten neu, denn hier wird sie mit gutem Service verbunden. Das Lokal ist einladend, modern und sauber. Die Preise sind angemessen, das Essen ist köstlich und Moshe ist immer zufrieden, wenn die Teller leer in die Küche zurückkehren. Sein neues Businessabenteuer macht ihm Spaß und Freude, denn so kann er, wie er sagt, „in seinen alten Tagen wenigstens in sein eigenes Restaurant gehen und genau die Speisen essen, die er mag“.

„Safrà“: Gegenüber der Sparkasse La Caixa in Santa Gertrudis. Geöffnet ganzjährig und täglich vom späten Vormilttag bis spät abends. Man kann im Restaurant essen oder seine Speisen mit nach Hause nehmen. Auch ein Catering-Service für private Events kann in Anspruch genommen werden.

Text: Ruth Osborn