AUSGABE: Juni - August '09

TRAUMHÄUSER

Helen Howard












Diederik van Maren lebt seit fast drei Jahren auf Ibiza. Er kam mit seiner Frau, die sich um eine Event-Firma und zwei Kinder kümmert. Eigentlich stammt er aus Amsterdam, wo er in den letzten 15 Jahren unzählige Häuser gekauft oder entwickelt hat. Obwohl er viele Aspekte dieses Lebens genoss und eine erfolgreiche Firma aufbaute, fehlte es ihm an „Seelenfutter“. Grundsätzlich mochte er seinen Job, aber ihm gefiel nicht, wo und wie er ihn ausüben musste. Hinsichtlich des Lebensgefühls hatte Amsterdam nicht das richtige Wetter zu bieten. Zwar mochte er die Gebäude, die er entwarf, aber er wollte nicht zehn Monate des Jahres in einem von ihnen verbringen. Hinzu kam, dass viele seiner Kunden vor allem funktionale Bauten wünschten, seine kreative Bestimmung schien dabei auf der Strecke zu bleiben. Ihm war klar, dass man Geld verdienen muss, um leben zu können, aber für ihn sollte Design vor allem Hobby und Leidenschaft bleiben…

Diederik lernte Ibiza vor 25 Jahren während eines Urlaubs kennen. Er verliebte sich sofort in die Insel, kaufte ein Apartment und kam in den vergangenen Jahren so oft wie möglich. Mit der Zeit begeisterte er sich immer mehr für den Gedanken, hier sein neues Leben aufzubauen. Er hatte bereits viele andere Plätze der Welt kennen gelernt, wie zum Beispiel London, Israel, den Libanon oder die Karibik, aber keiner dieser Orte war wie Ibiza. Glücklicherweise teilte seine Frau diese Leidenschaft, und so bald wie möglich machten sie den Sprung und siedelten nach Ibiza über…
Diederik begeistert sich immer noch für das einzigartige Licht, das Gefühl von Freiheit, das Wetter und das multikulturelle Ambiente. Auch gefällt es ihm, von Stränden umgeben zu sein – selbst wenn er sie im Sommer viel-leicht nur ein Dutzend Mal besucht. Er mag es, die Wahl zu haben. „Es ist seltsam, man braucht hier vielleicht länger, um ein Ziel zu verwirklichen, man arbeitet mehr, aber es fühlt sich nicht danach an. Ich habe immer noch den Eindruck, in einem permanenten Halburlaub zu sein, während ich das tue, was ich liebe“, sagt er.

Und wie hat sich sein Arbeitsleben nun verändert? Es scheint, als habe er den Platz gefunden, an dem die Leute genau diese individualistischen Häuser möchten, die er gerne baut. So kann er sich voll in den kreativen Prozess einbringen, gemeinsam mit dem Architekten ein dynamisches Duo bilden, das in einem ständigen Brainstorming die Vision auf ihre praktische Umsetzbarkeit prüft. Wie in Holland hat Diederik seine eigene Baufirma, mit der er all dies in die Tat umsetzen kann.

Ibiza ist eine stylische Insel, wodurch unterscheiden sich Diederiks Entwürfe? Wie viele andere Architekten bevorzugt er einen minimalistischen Stil, aber er mag diese Seelenlosigkeit nicht, die solche Designs oft ausstrahlen. Wenn Gäste kommen, sollen sie sich so wohl fühlen, dass sie das Haus nie wieder verlassen möchten.





Deshalb versucht er, inmitten von klaren Linien und Simplizität eine warme und tiefe Atmospähre zu kreieren. Außerdem achtet er darauf, dass sowohl visuell als auch psychologisch ein Gefühl von weitem Raum entsteht. Selbst wenn die Quadratmeterzahl begrenzt ist, versucht er, eine Struktur zu erschaffen, die den freien Blick innerhalb des Gebäudes und seiner Umgebung möglich macht. Und er verwendet nur hochwertige Materialien, um seinem Design Substanz und Textur zu geben.

Es scheint, als habe Diederik sich diese Art von Lebenstraum erfüllt, den viele von uns sich wünschen würden – aber bevor irgendjemand eifersüchtig werden könnte, sollte man wohl darauf hinweisen, dass ihm nichts auf einem silbernen Tablett serviert wurde. Tatsächlich war Diederik einmal ein Straßenkind. Umso beeindruckender ist es, was man mit Inspiration, Talent und harter Arbeit so alles erreichen kann. Und natürlich dadurch, dass man konsequent diesem uralten Mantra folgt: „Tue, was du liebst!“


Texto: Helen Howard