AUSGABE: Dezember '08 - Februar '09

MEDITATION DER FILM IM KOPF

Dassana

Meditation
DER FILM IM KOPF

Meditation ist eine rein wissenschaftliche Methode. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch nennt man dies Beobachtung, Beobachtung von Objekten. Wenn dieses Beobachten eine Kehrtwendung um hundertachtzig Grad macht und anstatt von nach außen nach innen schaut, nennen wir das Meditation. Man braucht kein Glaubenssystem als Vorbedingung. Ein Atheist kann genauso gut meditieren wie ein gläubiger Mensch, denn Meditation ist lediglich eine Methode, sich nach innen zu wenden.

Sobald wir uns nach innen wenden, werden wir uns der Vorgehensweise des Verstandes, der Denkvorgänge, bewusst. In dem Moment, in dem wir uns bewusst werden, wie der Verstand funktioniert, sind wir nicht mehr der Verstand. Diese Bewusstheit bedeutet, dass wir jenseits des Verstandes sind. Was wir beobachten können, können wir nicht gleichzeitig sein, wir sind Zeuge von einer höheren Warte aus.










Der Verstand funktioniert ähnlich wie ein Film: Die Gedanken treten in unserem Verstand auf, wie Bilder auf einer Leinwand. Wenn ein Filmprojektor in Zeitlupe läuft, können wir die Zwischenräume zwischen den Bildern wahrnehmen. Das gleiche gilt für den Zwischenraum bei Wörtern oder bei Musiknoten, es gibt immer eine Lücke, eine Stille. Zwei Noten oder zwei Wörter könnten nicht zwei sein, wenn sie nicht durch einen Intervall getrennt wären. Immer ist Stille da, doch wir müssen wirklich aufmerksam, bewusst sein, um sie erfahren zu können.

Auch zwischen den Gedanken gibt es diese Zwischenräume. Wenn wir unser Denken aufmerksamer beobachten, werden wir diese Lücken sehen können. Je weniger aufmerksam wir sind, desto chaotischer wird der Verstand. Wenn wir unseren Verstand bewusster wahrnehmen und die Lücken zwischen den einzelnen Gedanken erkennen, kommt der Verstand mehr zur Ruhe und beginnt klarer und intelligenter zu wirken. Wir werden nicht mehr durch den Verstand beherrscht – wir setzen ihn ein, wenn wir ihn brauchen.










Beobachtung ist der Schlüssel zur Meditation: Beobachte, was in deinem Kopf vorgeht. Schaue einfach allem zu, was der Kopf anstellt, unterdrücke nichts und trage nichts dazu bei. Bleibe lediglich ein Beobachter. Allmählich werden die Lücken zwischen den Gedanken sichtbar und dehnen sich aus. Momente der Stille treten auf, der Stoßverkehr der Gedanken lässt allmählich nach. Augenblicke der Stille erscheinen. Ein Gedanke taucht auf und dann ist es still, bis der nächste Gedanke erscheint.

Diese Lücken werden dir den ersten Schimmer von Meditation vermitteln, der Kopf wird klarer und ruhiger. Ein Geschmack von Freude und Frieden tritt ein, sobald der Gedankenstrom nachlässt und der Geist stiller wird.