AUSGABE: Dezember '08 - Februar '09

YANNY LEVKOFF BILDHAUER

Helen Howard
Bildhauer
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Vielen wird das Gesicht von Yanny Levkoff vertraut sein. Seit mehr als 35 Jahren lebt er auf der Insel, außerdem war er einer der Darsteller in dem gefeierten Ibizafilm „Hippies Forever”. Während der Aufnahmen wurde er nach Amerika eingeladen, wo mehr als 50 Stunden Filmmaterial gedreht wurden, aus denen später noch ein anderer Film über sein Leben und seine Arbeit entstand. Dieser Kurzfilm mit dem einfachen Namen „Yanny Levkoff” wurde kürzlich auf dem Morelio Festival in Mexiko mit einem Preis ausgezeichnet.












Der ehemalige Lehrer aus New York begab sich vor über vierzig Jahren auf seine erste große Reise, von dieser Expedition kehrte er nie zurück – oder besser gesagt: Er kehrte nie in sein „normales” Leben zurück.

Diejenigen, die ihn nicht aus dem Film kennen, werden ihm vielleicht beim Trampen irgendwo auf den Straßen und Feldwegen der Insel begegnet sein. Wer ihn nach einer längeren Strecke absetzt, ahnt meist nicht, dass Yanni noch mehr als drei Kilometer zu Fuß laufen muss, bevor er wirklich zuhause angekommen ist.

Sein Heim ist ein reizendes, weitläufiges Bauernhaus. Dieser in den Hügeln verborgene Platz mit Meerblick war bereits eine Künstlerzuflucht bevor Yanni einzog. 16 der 17 Jahre, die er hier lebte, verbrachte er im alten Ibizenko-Stil: Ganz ohne Strom.







Als ich zum ersten Mal über die gewundenen Feldwege zu seinem Haus fuhr, versuchte ich, mir seinen idealistischen Lebenstil vorzustellen – Vegetarier, kein Auto, ein Leben eng verbunden mit der Natur, Selbstversorger aus dem eigenen Garten… Nachdem mich dieser energiegeladene, über 70-jährige Mann begrüßt hatte, musste ich jedoch feststellen, dass die Realität ein wenig anders aussah. Sicher ist eine gute Portion Idealismus mit von der Partie, aber Yanni lebt dieses einfache Leben auch, weil ihm viele Jahre lang gar nichts anderes übrig blieb. Denn nicht immer ist es einfach, von dem zu überleben, was die Kunst einbringt. Ein echter Künstler kreiert aus einem inneren Bedürfnis heraus, manchmal arbeitet er Wochen, Monate oder Jahre an einem einzigen Stück, ohne zu wissen, ob es am Ende einen Käufer geben wird, der das Werk und die investierte Zeit zu schätzen weiß.









Im vergangenen Jahr ermöglichte ihm eine gute Kommission den Kauf eines Generators und einer Solaranlage. Das veränderte Yannis Leben – es verlängerte seine Tage um viele Stunden. Der Künstler isst alle Wildpflanzen, die in der Natur gedeihen, er baut sein eigenes Gemüse an, pflanzt Salat und Spinat. Allerdings ist der Anbau in seinem Garten durch Wasserknappheit limitiert – jeden Tropfen muss er mit dem Eimer aus dem Brunnen holen.






Trotzdem gedeihen alle möglichen Sprossen im Innenhof seines Bauernhauses, und er lädt mich ein, seine saftigen Sonnenblumensprossen zu probieren. Während ich meinen Salat genieße, verrät er mir ein Rezept für frittierte Borretsch-Blätter. So gut mir das auch gefällt – es gibt noch einen anderen Grund für meinen Besuch: Es geht das Gerücht um, Yanni habe seine neueste Kreation vollendet…






 




Schon bei meiner Ankunft ist mir diese unglaubliche Skulptur sofort aufgefallen. Ein atemberaubendes, mehrdimensionales Stück, das aus einem einzigen Olivenholzstamm geschnitzt wurde. Betrachtet man es aus unterschiedlichen Perspektiven, enthüllt es unzählige schöne Formen. Yanny ist davon überzeugt, dass er einer der wenigen Bildhauer in Europa ist, der sich an einen derart großen Stamm gewagt hat – er ist so groß, dass er, als er ihn vor fünfzehn Jahren bei einem Spaziergang mit seinem 6-jährigen Sohn fand, überzeugt war, er werde niemals daran arbeiten. Aber schließlich zog es ihn doch wieder an diesen Platz zurück. Über achtzehn Monate hat Yanny jeden Tag an seinem Kunstwerk geschnitzt, und seitdem er es vollendet hat, denkt er über den perfekten Platz für eine Ausstellung nach.

Text: Helen Howard
Fotos: Danny Barak






Wer nähere Informationen wünscht, wer an einer privaten Besichtigung oder an einer Ausstellung interessiert ist, sollte Yanny kontaktieren.

Tel. 649 97 86 15