AUSGABE: Oktober - Dezember '08

ERIC DE BONT DER MANN HINTER DER CLOWNSNASE

Carmen Cereceda










Ein unerfüllter Traum, die Magie des Schicksals und Liebe auf den ersten Blick haben vor zehn Jahren den 51-jährigen Holländer mit dem kecken Blick und einnehmendem Lächeln nach Ibiza geführt.




„In Holland habe ich gearbeitet wie ein Verrückter. In meinem eigenen Theater war ich gleichzeitig Schauspieler, Regisseur und Intendant”. – Bis Erschöpfungszustände ihn zu einer zweijährigen Theaterpause zwangen. In dieser Zeit des Nachdenkens machte er sich an die Verwirklichung eines alten Traums: Die Gründung einer Clownschule an der Mittelmeerküste Spaniens.

Er reiste entlang der andalusischen und katalanischen Küste auf der Suche nach dem idealen Platz, jedoch ohne Erfolg. Zurück in Holland erhielt er einen – schicksalhaften – Anruf, aufgrund dessen er jemandem aus Ibiza half, der ihn als Dank zu einem Besuch auf die Insel einlud. „Ich kam an im Mai, fuhr zur Cala Vadella… und verliebte mich in die Insel und in ein weißes Haus in den Hügeln.” Er begann mit der Suche nach Räumlichkeiten und erkundigte sich nach dem alten Kino, das er sich jedoch nicht leisten konnte. Darauf beschloss er, zunächst eine Unterkunft zu finden. Der Besitzer des alten Kinos hatte ein Haus in der Cala Vadella zu vermieten, das sich als dasselbe Haus entpuppte, in das er sich verliebt hatte. Kurz darauf fand er auch „seinen Ort” und im Oktober ‘97 hielt er seinen ersten Kurs ab in der Bont’s International Clownschool.












Wo liegt dein Fokus beim Unterrichten von “Clown”?
„Das ist die Antwort, die ich meinen Schülern gebe: Ich unterrichte, um mehr über mich selbst zu erfahren; ohne Grenzen, mit ganzem Herzen und immer in Bewegung, zur Besserung des Wesen Mensch.”

De Bonts Schule hat sich seither weltweit einen Namen gemacht. Angehende Clowns aus fünf Kontinenten kommen hierher mit einem gemeinsamen Ziel, nämlich die Clownskunst von einem der ganz großen Meister zu lernen und Menschen der verschiedensten Kulturen, Sprachen und gesellschaftlichen Schichten unter einem Dach zusammenzubringen. So etwas schafft eine magische Atmosphäre, die bereits beim Betreten der Schule zu spüren ist. Die Kurse, unterteilt in vier Seminare, dauern von Oktober bis Juni und bieten Platz für zweiundzwanzig eingeschriebene Kursteilnehmer und einen Praktikanten.







Parallel dazu, und in denselben Räumlichkeiten der Schule, gründete de Bont “für die Menschen auf Ibiza, damit die Leute, die hier leben, eine Alternative haben und mal etwas anderes ausprobieren” – einen gemeinnützigen Verein mit dem Namen La República Independiente del Fracaso (“Unabhängige Republik des Scheiterns”). Hier finden verschiedenste kulturelle Veranstaltungen statt, Kurse und Themenabende wie die berühmte Noche de Brujas (“Hexennacht”), in




der das Publikum zum Mitmachen eingeladen wird, zum spontanen Sicheinfließenlassen, um Komplexe, Ängste und Vorbehalte abzulegen; mit der Freiheit, wieder sie selbst zu sein, zu experimentieren oder jemand ganz anderen zu schaffen. Es lohnt sich absolut bei einer dieser Hexennächte mitzumachen, wieder ein Kind zu sein mit der Unschuld und Freiheit, die wir einmal hatten, und die wir durch den Druck der Gesellschaft, in der wir heute leben, tief in unser Inneres verbannt haben, aber die sich zuweilen wieder nach oben kämpfen. Sie sollen weder Gruppentherapie sein noch den Psychologen ersetzen, sondern geben eine Möglichkeit, auf lustige Art unser Inneres nach außen zu kehren. Jedermann ist willkommen, einen außergewöhnlichen Abend am Wochenende zu verbringen; Kreativität und Abwechslung sind garantiert.









Es werden auch abendliche Märchenstunden (Cuenta Cuentos) und andere magische Nächte veranstaltet. Im Oktober beginnen außerdem zahlreiche Kurse, u.a. Clown für Erwachsene, Märchen erzählen, Contact Improvisation, Mimik, Persönlickeiten auf der Bühne.







Text: Carmen Cereceda