AUSGABE: Februar - April '08

CORSARIOS: INSEL DER PIRATEN










Es gab eine Zeit, da lagen Ibiza und Formentera wie verloren in der türkisblauen Weite, vom Festland vergessen. Kolumbus hatte die Neue Welt entdeckt, andere Handelswege zogen nun das Interesse auf sich. Man schrieb das 16. Jahrhundert und im Mittelmeer herrschten die Piraten. Sie enterten die Inseln, verwüsteten ganze Dörfer, raubten Menschen und verkauften sie auf Sklavenmärkten. Formentera wurde zeitweise vollkommen entvölkert.





Doch die Inselbewohner ließen sich nicht einschüchtern „Man muss Ibiza für alle Zeiten uneinnehmbar machen“, beschloss Spaniens König Philipp II., und befahl 1556 den Neubau der mächtigen Festung von Eivissa. Es entstand eine Wehranlage, wie sie zuvor noch niemand errichtet hatte. Schräge Mauern, zwei Kilometer lang, bis zu 20 Meter hoch und drei Meter dick. Fünfeckige Bollwerke, die Schüsse aus jedem Winkel möglich machten, die jeden Ansturm überdauerten und immer noch so dastehen wie damals. Im Schutz der Anlage kam auch die legendäre Steinschleuder zum Zuge, jene Wunderwaffe, mit der die Einwohner der Balearen ganze Schiffe versenkten.

Unterdessen wurde Ibizas Küstenlinie zu einem raffinierten „Warnsystem“, dem wir noch heute bei vielen Wanderungen begegnen: Um die Piraten zeitig zu erspähen, baute man Verteidigungstürme um die ganze Insel. Sobald ein Schiff am Horizont erschien, wurden Signale gegeben – Rauchzeichen am Tage, Lagerfeuer bei Dunkelheit. Damals stand immer ein anderer Turm in Sichtweite, der die Zeichen dann weitergab. So pflanzten sich die Warnfeuer rasch um die Insel, und die Einwohner verschanzten sich in den Wäldern.








Viele suchten auch Schutz in den Festungskirchen – ein weiteres Zeugnis der barbarischen Zeiten, Gotteshäuser und Piratenschutz zugleich, teilweise mit Kanonen auf dem Dach. Die Kirche von Sant Jordi trägt sogar die typischen Wehrzinnen. In Santa Eulália liegt die Kirche strategisch günstig, auf dem Puig d’es Missa, wie eine kleine Burg.





Auch die Bauern sicherten ihre Höfe, manch einer errichtete meterdicke Schutzmauern und Türme, so dass ganze Wehrdörfer entstanden. Die Siedlung Balàfia bei Sant Llorenç zeigt dies noch sehr deutlich.

Ganz Ibiza verteidigte sich gegen die Piraten. Aber nicht jeder weiß, dass die Insulaner den Spieß schließlich umdrehten und selbst auszogen, um Schiffe zu entern. Fast jeder Ibizenco soll einen namhaften Freibeuter unter seinen Urahnen haben. Der prominenteste von ihnen ist Antonio Riquer, er kaperte 1806 das Schiff Felicity des englischen Kosaren „El Papa“.








Bis ins 19. Jahrhundert machen Ibizas Freibeuter das Mittelmeer unsicher, und zwar ganz legal. Ihre Majestät höchstpersönlich erteilte die Erlaubnis, den sogenannten Kaperbrief, denn Spanien hatte damals keine Kriegsmarine. So hielten die Piraten seine Hoheitsgewässer von Feinden frei, vollbrachten wahre Heldentaten – und profitierten selbst noch davon: Die ibizenkischen Schebeken waren wendige, kleine Schiffe, brachten gute Beute und Gefangene heim.





Damit erlangten den Pityusen neuen Wohlstand, und die Wiederbesiedelung Formenteras soll allein deswegen möglich gewesen sein.

Am 30. Mai 1856 beschlossen die damaligen Großmächte dann das Ende des wilden Treibens. Spanien weigerte sich zwar zunächst, zu unterschreiben, man erklärte, dies beeinträchtige die nationale Verteidigung zu sehr. Dennoch hielt sich das Land fortan ehrenhaft an die Vereinbarung und unterschrieb sie schließlich doch - im Jahre 1908.

So kam es also, dass die Korsaren auf Ibiza regelrechten Ruhm erlangten. Davon zeugt der Obelisk „Ibiza a sus Corsarios“ vor der Estation Maritima im Hafen von Eivissa. Ein wohl einzigartiges Monument – errichtet zu Ehren der Piraten.




Sie Verbargen sich in den Höhlen, in denen sie ihre Beute versteckten.