AUSGABE: Dezember '07 - Februar '08

FENG SHUI (3): DER GARTEN ALS ENERGIEQUELLE











Manch ein moderner Garten ist perfekt gestaltet, und doch ist er irgendwie seelenlos. Ein paar einfache Feng Shui-Maßnahmen hauchen ihm mehr Leben ein. Die Prinzipien der alten chinesischen Lehre sind an jedem Ort gültig, also auch im Außenbereich eines Hauses. Ein danach angelegter Garten kann auf den Menschen schützend und inspirierend wirken, er ist eine Oase der Kraft und der Ruhe. Eine große Bedeutung hat hier auch die Harmonie von Yin und Yang, nach der asiatischen Philosophie der Ausgleich gegensätzlicher Pole im Leben, zum Beispiel von Licht und Schatten. Beide Energiequalitäten sollten in ausreichendem Maße vorhanden sein.
Alle Sinne anregen
Ein echter Feng Shui-Garten ist ein Garten für die Sinne. Er verführt mit hellen und schattigen Bereichen, mit Bewegungszonen und Ruheplätzen, mit vielen Grünschattierungen und farbigen Blüten. Steinfiguren oder Rosenkugeln unterstreichen seine Schönheit, es duftet nach Blumen, Früchten und Küchenkräutern. Das Plätschern eines Brunnens, das Rascheln von Blättern, die Melodie eines Klangspiels liegt in der Luft, und eine Vielfalt von Materialien lädt zum Berühren ein: Stein, Rinde, Kies, Ton, Keramik und Glas.







Wichtig sind klare Formen, ein zugewucherter Garten vermittelt Unruhe und Unsicherheit. Für eine gute Atmosphäre sorgen Pflanzen, die in der Region auch heimisch sind. Windräder und Spiralen fördern den Energiefluss, und in sehr dunklen Zonen bieten sich Solarlampen an.

Die optimale Lage eines Hauses wird im Feng Shui mit dem "Lehnstuhl-Prinzip" bezeichnet (siehe Ibicasa Oktober/07). Das lässt sich auch auf die einzelnen Plätze im Garten übertragen: Ob auf der Terrasse, dem Balkon oder im Grünen: Plätze, die zum Ausruhen einladen sollen, benötigen einen Schutz im Rücken: Eine Wand, Bäume oder Sträucher. Der Blick nach vorne sollte frei sein. Und: Gemütliche Sitzmöbel sollten immer Armlehnen haben.

Der Vorgarten ist ein wichtiger Teil des Gartens, die Visitenkarte des Hauses. Er empfängt und entlässt die Gäste, und so sollte er auch aussehen. Ein geschwungener, breiter Weg sollte zum Hauseingang führen und abends gut beleuchtet sein.




Ausladende Büsche und Bäume haben hier nichts zu suchen, sie wirken nur behindernd. Das gilt auch für Bäume, die zu nahe am Haus stehen. Eine sehr hohe, undurchdringliche Hecke kann die Bewohner isolieren, besser sind durchlässige Pflanzen und Zäune.









Das Bagua im Garten anwenden
Ein wichtiges Hilfsmittel ist im Feng Shui das neunteilige Bagua-Raster (siehe Ibicasa August/07). Die neun Zonen entsprechen den wichtigsten Lebensbereichen und gelten als Spiegel der persönlichen Situation. Sie können auch im Garten durch gezielte Maßnahmen gestärkt werden. So ist der Bereich "Familie" der perfekte Platz für einen Tisch, an dem sich alle treffen, essen und reden können, oder auch für eine Grillecke. In der "Wissensecke" geht es um Fähigkeiten und Intuition. Die innere Stimme hört man am besten an einem ruhigen Platz. Hier bietet sich also ein Fleckchen zum Entspannen oder Meditieren an, zum Beispiel ein Teich oder Steingarten. Die Zone "Kinder" ist ideal für ein Planschbecken oder eine Sandkiste, wenn Sie Nachwuchs haben. Sie steht aber auch für Kinder im übertragenen Sinne, für unsere Ideen und Projekte. Selbstgemachte Töpfe oder Skulpturen finden hier ihren Platz, aber auch ein gepflegtes Gemüsebeet.














Mehr Leben für Balkon und Terrasse
Balkon und Terrasse sind eine Erweiterung des Wohnraumes, sie sollten behaglich und lebendig ausgestattet sein – mit saftiggrünen Pflanzen, gemütlichen Sitzmöbeln und Gegenständen aus Terrakotta, Holz oder Bambus. Zuviel Schatten, aber auch zuviel Sonnenlicht und Hitze machen diese Plätze ungemütlich. Die versteckte Seele eines Schattenbalkons kommt heraus, wenn er besonders liebevoll, offen und bunt gestaltet wird. Auch Kerzen, Windlichter und Fackeln verleihen ihm mehr Feuer.




Die Ausstrahlung eines Balkons beeinflusst immer das Innere der Wohnung. Gestalten Sie ihn daher so, dass er zu jeder Jahreszeit einen erfreulichen Anblick bietet, auch wenn Sie ihn gerade nicht nutzen können. Denn ein ungenutzter Balkon kann sich ungünstig auswirken, ein Teil des zu Verfügung stehenden Potenzials liegt dann brach. Egal, wie klein oder unansehnlich er auch sein mag, es gibt immer Möglichkeiten für eine liebevolle Gestaltung. Ein paar Flusssteine mit einer Pflanze, ein kleiner Baumstumpf als Sitzplatz, ein Futterhäuschen oder eine Vogeltränke – schon mit wenigen Mitteln ziehen Freude und Leben auf Ihrem Balkon ein.