AUSGABE: Oktober - Dezember '07

WAS IST TAI CHI CHUAN?


Der Eindruck, den Tai Chi Chuan oft vermittelt, ist der von Übenden, die langsame und weiche, beinahe schwerelose Bewegungen ausführen, was auf den ersten Blick den kämpferischen, wenngleich gewaltfreien Aspekt dieser chinesischen Kunst verbirgt, weit mehr noch als ihren spirituellen Weg.










Tai Chi heisst "Höchster Gipfel", der die höchste Wesenheit wiedergibt, den Ursprung der Dinge, das Zentrum jeglicher Manifestation.

Die Dynamik dieser Einheit drückt sich in zwei Bewegungen aus, zwei Polaritäten, Yin und Yang, die sich gegenseitig befruchten und verändern. Sie sind untrennbar. Tag und Nacht, Wärme und Kälte, das Weibliche und das Männliche, etc. das Prinzip des Wechsels und des sich gegenseitigen Ergänzens.

Chuan bedeutet Faust, Boxen ohne Handschuhe, im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten. Es ist der kämpferische Aspekt des Tai Chi Chuan.







Tai Chi Chuan könnte man übersetzen als Boxen ohne Handschuhe unter Verwendung des Yin und des Yang oder "höchste Boxkunst".









 









Tai Chi Chuan wurde im 17. Jhdt. zum ersten Mal erwähnt, wenngleich die eigentlichen Ursprünge viel weiter zurückgehen.








Wie jede Kunst verlangt Tai Chi Chuan eine Lehrzeit und das Einbringen von sich selbst. Zu Beginn lernt der Schüler eine Reihe langsamer, genau vorgeschriebener Bewegungen, auch “Form” genannt, ähnlich einem Scheinkampf höchster Präzision. Diese Lehrzeit, das Verinnerlichen der Bewegungen, erfordert vollständige Konzentration und verlangt das Ausgrenzen äußerlicher Einflüsse. (von daher auch die entspannende Wirkung der Übungen).





Mit der Zeit dringt jeder einzelne Körperteil ins Bewusstsein: Achse und Zentrum, die Standfestigkeit, Muskelentspannung und die Koordinierung des Ganzen.
Die Verkettung wiederholt sich, und man übt zusammen mit einem Mitschüler, um die Präzision der Bewegung und die Wirkung jeder Übung zu überprüfen. Dadurch erhält man einen besseren Kontakt zu sich selbst und der Realität. Die äußere Arbeit gereicht zur Unterstützung einer inneren Metamorphose. Umgekehrt verursacht jede innere Wandlung eine Veränderung der Körperhaltung.

Fast zeitgleich lernt der Schüler, sich nicht seiner Muskelkraft zu bedienen, sondern sein Bewusstsein und seine Erfahrung dem Chi zu öffnen. Chi ist innere Energie. Für die Chinesen ist es der göttliche Odem (nicht zu verwechseln mit dem Atmen), die universelle Energie, die der Ursprung unserer Welt und des Universums ist und uns mit dem Kosmos vereint.

Körper und Geist sind ein- und dieselbe untrennbare Manifestation des Chi. Aus diesem Grund ist Tai Chi eine Übung für Geist und Körper, indem eine harmonische Verbindung zwischen beiden geschaffen wird, die zur Quelle der geistigen Entwicklung des Schülers wird.








Tai Chi Chuan wird auch "Meditation in Bewegung" genannt.

Die Arbeit besteht dank der langsamen Ausführung der Bewegungen darin, die physischen und psychischen Blockaden zu lösen und die technische Grundlage zu schaffen, um die subtilen Kräfte des Schülers sich frei und ohne Energieverlust entwickeln lassen zu können. .





Wenn dieser Grad an Beherrschung erreicht wird, zeigt Tai Chi Chuan als Kampfkunst, dass energievolle "Leere" tausendmal kraftvoller ist als die rein physische Kraft.

Eine langwierige Arbeit, über Jahre hinweg, endlos … Tai Chi ist die Schule der Langsamkeit, des Entfernens, der Bescheidenheit und der Beständigkeit.

Weit mehr als eine rein körperliche Disziplin mit gesundheitsfördernder Wirkung ist Tai Chi Chuan vor allem eine Lebenskunst. Es ist eine Rückkehr zu den einfachen Dingen, und indem man sich des Wesentlichen bewusst wird, begreift man, dass man umso reicher wird, je mehr man auf Unwesentliches verzichtet.

Tai Chi Chuan ist kein Muskeltraining oder Kampfsport; es wird von allen Altersgruppen praktiziert, ungeachtet der körperlichen Verfassung, selbst wenn sie mittelmäßig ist.








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