AUSGABE: Dezember 2019 - Februar 2020

Pferde auf Ibiza

Von Tanya Taylor
Wer seinen Blick über die trockene und staubige Landschaft Ibizas schweifen lässt, kann sich kaum vorstellen, dass auf dem ausgedörrten, wenig grünen Boden Tiere grasen und ausreichend Futter finden. Doch einer der loyalsten Diener und treuesten Freunde des Menschen nimmt es mit diesen kargen Bedingungen auf, die sich so sehr unterscheiden von seinen bevorzugten üppigen Weideflächen. Gut verborgen auf dem Land, sich unter schattigen Pinien ausruhend und nur manchmal mit dem Schwanz lästige Mittagsfliegen verscheuchend, ist der „Nobel Equus“ zu finden, der uns auch als Pferd bekannt ist. Diese schönen Tiere fühlen sich auf Ibiza zuhause, und ebenso wie in anderen Kulturen der Erde wird dem Pferd auch auf der Insel Hochachtung entgegengebracht.


Es heißt, die Karthager hätten die ersten Pferde vor 2.300 Jahren an die Küsten der Insel gebracht. Ein arbeitsreiches Leben auf den Äckern, die aus schmalen und steinigen Terrassen bestanden, blieb ihnen erspart. Denn Esel und Mulis waren flinker und zäher und eigneten sich weitaus besser für die Arbeit auf den Feldern und in den Mühlen. Pferde wurden meist nur als Transportmittel oder für militärische Operationen in Konfliktzeiten genutzt. Aus diesem Grund wurden sie in der Regel als Statussymbole betrachtet, die sich nur die wohlhabenderen Insulaner leisten konnten.


„Auf Festen wird Ibizas bewegte Geschichte mit Pferden gefeiert”


Pferde und Esel waren in der Geschichte der Insel über einen langen Zeitraum ein ganz normales Transportmittel, das perfekt geeignet war für das komplexe Netzwerk aus staubigen Feldwegen. Und selbst heute noch kann man an einem stillen Sonntagmorgen auf den einen oder anderen Bauern treffen, der mit seinem Pferdekarren gutgelaunt auf ruhigen Straßen unterwegs ist. An besonderen Festtagen, vor allem am ersten Maisonntag in Santa Eulalia schmücken die Einheimischen ihre Pferde mit bunten Schleifen, Bändern und Glöckchen und präsentieren sie bei einer lebendigen Parade in den Straßen der Ortschaft. Die traditionellen Rassen, die sich auf der Insel finden, sind das starke und sensible Spanische Pferd sowie der kraftvolle Schwarze Menorquiner, die einzige balearentypische Rasse. Allerdings sind in den vergangenen 50 Jahren einige Rassen dazugekommen, genauso wie auch die Bevölkerung der Insel bunter geworden ist. Heute findet man beispielsweise auch kleine dickfellige Ponys von den entlegenen schottischen Shetland-Inseln oder wettkampferprobte argentinische Polo-Pferde.  

Die therapeutischen Fähigkeiten der Pferde werden auf Ibiza auf ganz natürliche Weise in die vielseitige alternative Therapieszene integriert. Wer sich schon einmal in der Nähe eines Pferdes aufgehalten hat, wird wissen, warum. Die starke Präsenz der Pferde hat eine erdende Wirkung, und der Blick ihrer weisen Augen scheint verständnisvoll und mitfühlend zu sein. Einige Personen überwinden durch eine einfache Berührung dieser kraftvollen Tiere ihre Ängste und gewinnen an Selbstbewusstsein. Das heilende Wesen der Pferde ist so stark, dass die Benefizorganisation APNEEF die Tiere auf Ibiza und Formentera für ihre wundervolle Arbeit mit Kindern nutzt, die spezielle Behinderungen haben. Unter der Aufsicht von speziell ausgebildeten Reitlehrern interagieren die Kinder einmal wöchentlich mit freundlichen Pferden oder Ponys. Diese Pferdetherapien wirken sich positiv auf die körperliche, mentale und emotionale Entwicklung der Kinder aus. Sie werden unabhängiger, ihre Lebensqualität verbessert sich.


„Das Reiten vertieft Ihre Verbindung zur Natur”


Auf Ibiza hat man viele Möglichkeiten, mit diesen majestätischen und ätherischen Tieren in Kontakt zu treten. Es gibt diverse Reitställe, die für Anfänger aber auch Fortgeschrittene geeignet sind. Genießen Sie das ländliche, unberührte Ibiza begleitet vom Geräusch beruhigender Hufschläge. Im Winter kann man seine wildesten Träume von Ausritten an menschenleeren Sandstränden erfüllen, den Wind in den Haaren und losgelöst vom Alltagsleben. Auf dem Rücken der Pferde fühlt man eine spezielle Verbindung zur fantastischen Naturschönheit der Insel. Diese Wirkung spürt man besonders bei Ausritten in der sanften hügeligen Landschaft im Norden Ibizas, wo sich atemberaubende und spektakuläre Aussichten auftun. North Ride Ibiza bietet Trecking- und Sonnenuntergangstouren an. Auch Wellness-Sitzungen stehen auf dem Programm, bei denen die Teilnehmer die positiven Schwingungen erfahren können, die Pferde neben ihrer traditionellen Rolle als Reittier haben. Eine romantische Erfahrung kann man im Landhotel Can Curreu machen, das Ausritte durch die Hügellandschaft von San Carlos anbietet, optional mit anschließendem Aufenthalt im idyllischen Spa- und Restaurantbereich, wo man relaxen und sich verwöhnen lassen kann.


Wer seine erste Reiterfahrung in sicherem Ambiente und unter der Aufsicht von erfahrenen Reitlehrern machen will, der sollte in einen der größten Reitställe der Insel, Can Mayans, in Santa Gertrudis gehen, wo sowohl Gruppen- als auch Einzelstunden gegeben werden. Und im Horse Country Club Ibiza können Kinder an vielen Aktivitäten mit Pferden teilnehmen, darunter Picknicks, Campingtouren, Vollmondausritte oder Kunsthandwerk-Workshops. Wer das beeindruckende Stehvermögen der Pferde aus sicherer Entfernung bewundern will, kann ein Trabrennen im Hippodrom in San Rafael besuchen. Im Winter sonntags mittags geöffnet und im Sommer an Samstagabenden. Eine andere Möglichkeit, Pferde in voller Aktion zu bewundern, sind die aufregenden Polo-Turniere in der Nähe von San Lorenzo. Pferde sind seit jeher ein Symbol der Freiheit. Sie ermutigen uns, unsere wildesten Leidenschaften und Wünsche zu verfolgen und zu erfüllen. Deshalb ist es kein Wunder, dass diese energiegeladenen Tiere auf dieser Trauminsel ihren Platz gefunden haben. Denn sie passen perfekt zu diesem Freiheitsgefühl, das auf Ibiza existiert und das so viele von uns auf die Insel gezogen hat.


Obwohl der Tierschutz auf Ibiza einen relativ großen Stellenwert hat, gibt es dennoch einige Fälle von Tierquälerei oder Vernachlässigung. Glücklicherweise gibt es eine Frau namens Svabodhi, die sich seit 22 Jahren unermüdlich um misshandelte Pferde kümmert, sie rettet und ihnen Liebe schenkt. Dieser Platz, an dem die Tiere ein behütetes Heim finden, ist als „The sanctuary” bekannt und liegt im Herzen der Insel. Es ist ein Platz, an dem sich die geretteten Pferde erholen dürfen und ihren Lebensabend in Frieden und Sicherheit verbringen dürfen. Der Gnadenhof ist auf großzügige Spenden angewiesen. Wer helfen möchte, sollte unter der Telefonnummer 696 603 847 Kontakt aufnehmen.